Katharina sandte im Oktober 1769 eine Flotte von 12 Linienschiffen, 12 Fregatten nebst Transportern mit einigen Bataillonen Infanterie zum Mittelmeer. Den Oberbefehl führte dem Namen nach Alexej Orlow, ein Günstling der Kaiserin, der gar keine maritime Kenntnis besaß, in Wahrheit Admiral Spiridoff, unterstützt durch seinen Flaggkapitän, Kontreadmiral Greigh, und seinen Vizeadmiral Elphinstone; beide waren Engländer, wie auch sonst viele Seeoffiziere dieser Nation in der russischen Flotte dienten.

Die türkische Flotte zählte einige 20 Linienschiffe, die an sich wohl besser waren als die russischen, aber Offizieren wie Besatzungen fehlte jede Ausbildung; nur eine geringe Zahl von Angehörigen der Barbareskenstaaten waren seemännisch-militärisch brauchbar.

Orlow traf im April 1770 in Griechenland ein und landete die Soldaten auf dem Peloponnes. Hier hatten sich die Mainoten des Taygetus erhoben, durch russische Agenten aufgewiegelt; sie drangen nun mit den Russen im Peloponnes vor, wobei viele Grausamkeiten an türkischen Einwohnern in Mistra und Kalamaka verübt wurden. Man erreichte nicht viel; Methone und Koroni auf der Südwestspitze der Halbinsel wurden vergeblich belagert. Die Türken, durch Albanesen vom Festlande her verstärkt, unterdrückten nach und nach den Aufstand, besonders nachdem Ende Mai die schwachen russischen Truppen wieder eingeschifft waren.

Eine herangekommene türkische Flotte ward dagegen durch die russische gezwungen, sich unter die Kanonen von Nauplia zu legen und hier am 15. und 16. Mai beschossen; sie zog sich dann in den Archipel zurück, wo auf einigen Inseln Aufstände ausgebrochen waren. Orlow folgte ihr nach Einschiffung der Truppen, fand sie nach längerem Suchen — 16 Linienschiffe, 6 (9?) Fregatten und 11 kleinere Fahrzeuge stark — in der Straße von Chios und vernichtete sie völlig in der Bucht von Tscheschme am nahen Festlande.

Die Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme, 5. Juli 1770. Gejagt von den Russen, hatte die türkische Flotte am 5. Juli am Eingange der unverteidigten Bucht geankert; der befehligende Kapudan-Pascha begab sich sofort an Land, „um den Bau von Schanzen zu veranlassen“ und überließ das Admiralschiff dem Algerier Hassan. Spiridoff enterte dieses mit seinem Flaggschiffe; während des Kampfes fingen beide Feuer, das türkische flog auf, das russische verbrannte. Hassan, der sich heldenmütig verteidigt hatte, kam mit dem Leben davon und tat später lange Jahre hindurch als Kapudan-Pascha viel zur Hebung der türkischen Marine. Die übrigen türkischen Schiffe kappten ihre Ankertaue und trieben in völliger Verwirrung eng zusammengedrängt zum Ende der Bucht. Die Russen richteten schnell drei Fahrzeuge als Brander zu; mit diesen, durch englische Offiziere geführt und beim Angriff durch das Feuer der Flotte gedeckt, wurden noch in der folgenden Nacht fast alle türkischen Schiffe verbrannt oder aufgesprengt; gegen 8000 Mann fanden ihren Tod. Ein Linienschiff und 5 kleinere Fahrzeuge wurden genommen.

Orlow nutzte den Sieg nicht weiter aus, obgleich Elphinstone riet, bis Konstantinopel vorzudringen und auch am 26. Juli mit 3 Linienschiffen und 4 Fregatten bei der Verfolgung zweier türkischer Linienschiffe die Befestigungen am Eingange der Dardanellen passierte. (Kum Kaleh und Seddil Bahr.) Er scheint dann aber nur bis Kepes Burun gelangt zu sein, weil die durch einen französischen Offizier kürzlich verstärkten Werke an der Enge (Kilid Bahr und Kaleh Sultanie) zu mächtig waren; es steht dahin, ob nicht der gesamten Flotte ein weiteres Vordringen doch gelungen wäre.

Die russische Flotte trat hierauf noch im Mittelmeer auf. In Akka hatte sich ein Beduinenscheich, Daher, und in Ägypten der Pascha Ali Bey gegen den Sultan erhoben; beide vereint führten Krieg gegen die Paschas von Damaskus und Saïda. Orlow unterstützte sie beim Angriff auf Küstenstädte, z. B. Jaffa, Beirut und Damiette, konnte aber ihr schließliches Unterliegen nicht hindern. Im allgemeinen beschränkte sich die Tätigkeit der Flotte sonst auf den Kreuzerkrieg. Im Januar 1775 kehrte sie nach der Ostsee zurück. Hin- und Rückreise brachten bei der Unerfahrenheit der Besatzungen viele Fährnisse, hatten aber doch wie der Aufenthalt im Mittelmeer überhaupt die Ausbildung der russischen Ostseeflotte sehr gefördert.

Der Frieden von Kücük-Kainardschi, 21. Juli 1774, war für Rußlands Stellung am Schwarzen Meere und die Entwicklung seiner Seemacht dort von großer Bedeutung. Es erhielt Asow, Kertsch mit der Festung Jenikale und Kinburn an der Einfahrt zu dem Mündungsgebiet des Dnjepr und Bug Otschakow gegenüber, das noch türkisch blieb; ferner wurde ihm das Recht der freien Schiffahrt in den türkischen Gewässern, selbst in den Dardanellen, zugestanden. Die Moldau und die Walachei gab es zurück und die Krim wurde für unabhängig erklärt.


Der Krieg 1787–1791. 1783 trat der Khan der Krim sein Gebiet gegen ein Jahrgeld an Katharina ab. Die Türkei war darüber erbittert, und da Rußland sich auch in Georgien festzusetzen suchte, erklärte sie im August 1787 wiederum den Krieg. Obgleich die russische Ostseeflotte seit 1774 sehr erstarkt und auch im Schwarzen Meere eine neue Seemacht geschaffen war, spielten doch deren Streitkräfte in diesem Kriege keine große Rolle. Die Anführung ihrer wenigen Waffentaten wird genügen.