Die Operationen der Hochseeflotten 1788. Die schwedische Flotte erhielt am 6. Juli die Nachricht von der Kriegserklärung. Am 8. langte sie vor Sweaborg an und ward hier auf 15 Linienschiffe und 11 Fregatten verstärkt, ging aber erst am 14. wieder in See, um den Feind im Osten zu suchen. Am 17. Juli trat ihr der aus dem ersten türkischen Kriege bekannte russische Admiral Greigh mit 17 Linienschiffen (1 zu 108, 16 zu 66–74 Kanonen) und 8 Fregatten — die Expedition nach dem Mittelmeer, die dieser Admiral führen sollte, war natürlich aufgegeben — etwa 30 Seemeilen westlich der Insel Hogland entgegen, und es kam zur rangierten Schlacht.
Die Schlacht bei Hogland, 17. Juli 1788. Die russische Flotte stand bei östlichem Winde zu Luward; die Gegner sichteten sich zwischen 9 und 10 Uhr vormittags. Nach verschiedenen Manövern lag die schwedische gegen 4 Uhr nachmittags in Kiellinie über Steuerbordbug beim Winde und die russische griff in gleicher Formation und über denselben Bug liegend in der bekannten englischen Art an, so daß sich der Kampf beider Linien Schiff gegen Schiff entspann, wobei sich wie gewöhnlich die Vorhuten und Mitten näher standen als die Nachhuten. Da die Russen 2 Linienschiffe mehr zählten, hatten die Schweden 5 40-Kanonenfregatten (von ihnen oft Linienfregatten genannt) in die Linie eingestellt; die Russen hingen eine solche der ihrigen an; es standen 1450 russische gegen 1290 schwedische Geschütze im Gefecht. Der Kampf war heiß; mehrere russische Schiffe mußten beschädigt hinter ihre Linie geschleppt werden, aber auch das schwedische Flaggschiff wurde fast manövrierunfähig.
Um 8 Uhr abends ließ Herzog Karl alle Schiffe zugleich halsen, weil die Spitze sich den Bänken vor der estländischen Küste zu sehr näherte, und Greigh folgte diesem Beispiele. Des flauen Windes halber konnte das Manöver mit den beschädigten Schiffen nur schwer ausgeführt werden, beide Linien verloren ihre Ordnung; dadurch gerieten sowohl ein russisches wie ein schwedisches Schiff zwischen mehrere feindliche und mußten die Flagge streichen. Um 10 Uhr abends endete der Kampf und die Flotten trennten sich während der Nacht.
Der Verlust betrug auf schwedischer Seite 130 Tote und 340 Verwundete, auf russischer fast 1000 Mann.
Die Schlacht blieb unentschieden. Die Schweden schrieben sich den Sieg zu, weil der Gegner wegen der Beschädigung seiner Schiffe den Angriff nicht erneuert habe, obgleich er zu Luward stand. Die Russen sagten, der Feind habe das Feld geräumt. Es war tatsächlich ein strategischer Erfolg der Russen, denn die Schweden unterließen den Angriff zur See auf Petersburg, weil sie erkannt hatten, daß ihre Flotte der feindlichen nicht so unbedingt überlegen sei, wie man bisher angenommen hatte.
Die russische Flotte ging nach der Schlacht zum Ausbessern bis zur Insel Seskär, 40 Seemeilen westlich von Kronstadt, zurück; hier vermochte sie Zufuhren zu erhalten und die Verbindung Petersburgs mit den Festungen Wiborg und Frederikshamn zu sichern. Die Schweden segelten nach Sweaborg, um Vorräte, vor allem Munition, aufzufüllen, die jedoch von der Heimat kommen mußten, da man versäumt hatte, in Helsingfors Depots anzulegen. Greigh erschien bald wieder, überraschte am 6. August eine schwedische Erkundungsdivision und nahm ihr ein Linienschiff ab. Er segelte dann nach Reval, ließ aber 8 Linienschiffe vor Sweaborg, die den Gegner beobachteten und der finnländischen Küste die Zufuhren von See her erschwerten. Die schwedische Flotte blieb für dieses Jahr untätig.
Der Schären- und Landkrieg 1788. Die Armeeflotte ging erst am 26. Juli — 2 Fregatten, 15 der großen Küstensegler, 18 Galeren und 36 Kanonenschaluppen stark — mit 6000 Soldaten nach Osten vor. Man wollte Frederikshamn durch das Landheer und eine Landung angreifen. Die Stadt wurde auch am 3. August eingeschlossen und wäre sicher gefallen, wenn nicht eine Empörung im Landheere den König gezwungen hätte, die Belagerung aufzugeben. Der größere Teil der Offiziere gehörte der Oppositionspartei in Schweden an, die den ohne Zustimmung der Stände begonnenen Angriffskrieg für verfassungswidrig erklärte. Sie forderten die Rückberufung der Armee, und der König sah sich genötigt, diese hinter den Kymene zurückzuziehen; die Flottille ward nach Westen bis Borgaa gesandt, wo man die Landungstruppen ausschiffte. Die Meuterer gingen noch weiter. Nach einer Versammlung in Anjala — nach der sie sich den Anjalabund nannten — traten sie mit Katharina in Verhandlung und schlossen einen Waffenstillstand ab. Gustav reiste zu seiner eigenen Sicherheit am 27. August nach Stockholm; die Nachricht von einem dänischen Angriff auf Schweden gab ihm guten Vorwand dazu. Herzog Karl, der den Oberbefehl übernahm, bestätigte den Vertrag des Anjalabundes.
Der Krieg war am Lande zu Ende und bald auch zur See. Greigh blockierte bis Ende Oktober die finnländische Küste. Er hatte inzwischen Hangö-Udde besetzt und sperrte hier die Schären ab, so daß auch auf diesem Wege die westlich dieser Halbinsel gesammelten Zufuhren von Schweden nicht nach Helsingfors-Sweaborg gelangen konnten; sie wurden schließlich zu Lande über die Halbinsel geschafft und dann wieder verladen. Mit Beginn des früh einsetzenden Winters ging Greigh nach Kronstadt zurück. Die nun freigewordene schwedische Flotte segelte am 19. November nach Karlskrona; die Schiffe mußten schon ausgeeist werden und am Tage darauf fror der Hafen vor Sweaborg ganz zu.
Dänemarks Angriff auf Schweden 1788. Nach einem älteren Bündnisvertrage war Dänemark verpflichtet, 6 Linienschiffe sowie 12000 Mann Landtruppen für Rußland zu stellen und auch dem Gegner in den Rücken zu fallen, wenn es von Schweden angegriffen würde. Als nun 1788 der Krieg ausbrach, kam die dänische Regierung ihrer Verpflichtung zwar nicht sofort und völlig nach, aber sie ließ doch im September von Norwegen aus Truppen in Schweden einrücken; die ersten Schüsse waren an der Grenze schon Ende Juni gefallen. Sie erklärte dabei, es sei kein Krieg Dänemarks gegen Schweden, die verwendeten Soldaten seien nur Hilfstruppen Rußlands. Ähnliche Auslegungen von Unterstützungen hat schon der österreichische Erbfolgekrieg gebracht (vgl. z. B. Seite [48]). Dem weiteren Vordringen der Dänen machte aber das persönliche Erscheinen und tatkräftige Auftreten König Gustavs in Gothenburg ein Ende, um so leichter, da England und Preußen die Auffassung Dänemarks nicht teilten und mit ihrem Einschreiten drohten.