Die Verwicklung mit Dänemark geriet König Gustav zum Glück. Die neue, durch Rußland heraufbeschworene Gefahr brachte die Stände auf seine Seite; die Umtriebe des Anjalabundes scheiterten in Schweden; Bauern, Bürger und Geistlichkeit erklärten sich für den König, diesem ward das Recht zugestanden, auch Angriffskriege selbständig zu erklären; die Vorrechte der Krone wurden erweitert und der Krieg gegen Rußland ward volkstümlich.

Das russische Geschwader van Dessen in Kopenhagen nahm an dem dänischen Angriffe nicht teil. Dagegen landete es, noch mit den Umschiffungsarbeiten begriffen, Anfang August Mannschaften bei Helsingborg und plünderte einige Ortschaften; anderseits aber wurden später zwei seiner Fregatten im Skagerrak von drei schwedischen genommen, denen dabei viel Kriegsmaterial in die Hände fiel. Dessen trat dann seine Reise zum Mittelmeer an, kehrte jedoch in der Nordsee um, als ihm bekanntgeworden war, daß er in englischen Häfen keinerlei Unterstützung finden würde. Zu ihm stießen 4 Linienschiffe nebst 2 Fregatten von Archangel, und er überwinterte darauf in Kopenhagen. Es ist unverständlich, daß er nicht zurückgerufen wurde, als man die Expedition ins Mittelmeer aufgab; man scheint ihn fast daheim vergessen zu haben.

Die Gründe der schwedischen Mißerfolge 1788. Die Mißerfolge sind in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, daß der an sich gute Plan, Petersburg anzugreifen, nicht früh genug durchgeführt wurde; erlaubten dies die Verhältnisse nicht, so waren eben die Vorbereitungen ungenügend. Er ist auch später nicht umsichtig und tatkräftig verfolgt worden, noch Anfang Juli wäre es aussichtsreich gewesen, die unfertige russische Flotte bei Kronstadt anzugreifen, und die Armeeflotte hätte mit den um diese Zeit in Sweaborg vorhandenen Truppen weiter östlich landen müssen. Nach den ersten Mißerfolgen erlahmte dann Schwedens Tatkraft gänzlich; die Offensive schlug völlig in Defensive um; besonders bei der Hochseeflotte, die infolge ungenügender Vorbereitungen durch Mangel an Munition längere Zeit lahmgelegt war. Rechtzeitige Erfolge hätten belebend gewirkt, vielleicht sogar den Ausbruch der offenen Meuterei im finnländischen Heere gehindert.


Die Tätigkeit der Hochseeflotten 1789. Die schwedische Flotte war Ende Mai seeklar, litt aber noch an Mannschaftsmangel; erst am 6. Juli ging Herzog Karl mit 21 Linienschiffen, 9 Linien- und 5 kleineren Fregatten in See. Seine Aufgabe war, die Vereinigung der russischen Flotten von Kronstadt und Kopenhagen zu verhindern, sowie die Überführung der Truppen von Vorpommern nach Schweden zu sichern. Während er bis zum 11. zwischen Schonen, Rügen und Seeland kreuzte, wurden die Soldaten nach Schweden übergeführt. Das russische Geschwader van Dessens lag neben einem dänischen in der Kjögebucht; es anzugreifen, verbot der Umstand, daß die Friedensverhandlungen mit Dänemark noch nicht abgeschlossen waren. Herzog Karl hielt sich dann östlich von Bornholm und erfuhr hier am 23. Juli, daß man die Kronstadtflotte bei Gotland gesehen habe.

Diese russische Hauptflotte unter Admiral Tschitschagoff zählte 21 Linienschiffe, darunter 3 Dreidecker, und 10 Fregatten. Sie war schon seit Ende Juni in See und hatte sich Anfang Juli vor Hangö Udde gezeigt. Nach den schlechten Erfahrungen des Vorjahres hatten aber die Schweden hier Befestigungen angelegt, und die Russen machten keinen ernsten Versuch, sich dieser wichtigen Stellung zu bemächtigen, sondern segelten nach Westen weiter.

Am 25. Juli sichteten sich die Gegner etwa 50 Seemeilen südöstlich der Insel Öland und die schwedische Flotte suchte nun der russischen den Weg nach der Kjögebucht zu verlegen. Abends waren beide einander ziemlich nahe, da aber der Wind sehr heftig wurde, blieben sie die Nacht über in Gefechtslinie parallel zueinander liegen. Am 26. Juli kam es zur Schlacht bei Öland, die jedoch unentschieden blieb. Die Schweden standen zu Luward und Herzog Karl griff an. Da er aber von seiner Nachhut im Stich gelassen[203] wurde und Tschitschagoff durch Abhalten beständig auswich, kam es nur zweimal zum ernsteren Zusammenstoß zwischen den Vorhuten und Mitten; die Schlacht endete mit Eintritt der Dunkelheit ohne große Verluste auf beiden Seiten. An den beiden nächsten Tagen gelang es den Schweden überhaupt nicht, an den Feind heranzukommen, ebensowenig am 30. Juli, als sich die Gegner nochmals bei Bornholm sichteten; der russische Admiral wollte eben einen Entscheidungskampf vor seiner Vereinigung mit Dessen vermeiden. Als dann der Wind für dessen Herankommen günstig wurde, lief Herzog Karl in Karlskrona ein, um nicht durch den übermächtigen Feind von diesem Stützpunkte abgeschnitten zu werden; zudem litten seine Besatzungen schwer unter Krankheiten. Am 2. August sollte auf Befehl des Königs eine Division von 3 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Finnland auslaufen, mußte aber umkehren, weil sie die Russen vor dem Hafen antraf.

Karlskrona war blockiert. Tschitschagoff hatte sich mit Dessen vereinigt und verfügte jetzt über 33 Linienschiffe, darunter 6 Dreidecker, nebst 13 Fregatten; er hielt die Blockade bis Ende August aufrecht und segelte dann zum Finnischen Meerbusen. Nun erst konnte die schwedische Division in See gehen. Ihre Bestimmung war, eine russische Stellung bei Porkala zu nehmen, die den Verkehr in den Schären hinderte, da sie aber bald auf eine größere Zahl russischer Schiffe stieß, kehrte sie unverrichteter Dinge zurück.

Herzog Karl ersetzte seine Kranken durch Landrekruten, lief aber erst auf wiederholten Befehl Mitte Oktober aus und kreuzte dann nur auf Übungsfahrten in der südlichen Ostsee; als er erfahren hatte, daß neun russische Schiffe in Reval aufgelegt hätten und der Rest nach Kronstadt gesegelt sei, kehrte er am 21. Oktober nach Karlskrona zurück.

Der Landkrieg 1789. Nach einem harten Winter begann der Feldzug in Finnland erst im Juni und wurde dann mit wechselndem Waffenglück geführt. Das schwedische Hauptheer unter König Gustav stand am Kymeneflusse, ein kleineres unter Oberst von Stedingk weiter nördlich in Savolaks. Hier überschritten die Russen Anfang Juni die Grenze und drängten ihre Gegner zurück. Der König war am 25. Juni über den Grenzfluß gegangen und siegreich vorgedrungen, ging aber dann der Lage im Norden halber wieder bis Likala nahe Frederikshamn zurück; durch weiteres Vorgehen gegen Wilmanstrand und Wiborg hätte er voraussichtlich Stedingk entlastet und selber mehr erreicht; später wurden durch das Vorgehen des Hauptheeres tatsächlich die Russen im Norden zum Rückzuge gezwungen und der Oberst konnte wieder vorrücken. Bald aber gelang es dem Feinde, die Verbindungstruppe zwischen dem Hauptheere und Stedingk zu schlagen, und so dieses in der Flanke zu bedrohen. Der König wich darauf bis zum Kymene, und nach der Schärenschlacht im Svensksunde, am 24. August, sogar über den Fluß zurück, weil die Russen schon westlich von seiner Mündung landeten.