Bei Eintritt der Winterruhe war die Stellung der Heere nahezu die gleiche wie im Frühjahr.
Die Operationen der Schärenflotten. Das schwedische Stockholmgeschwader litt wie die Hochseeflotte unter Mannschaftsmangel. Im Juni und Juli ging es nach und nach zur finnländischen Küste, wobei es Truppen geleitete; diese Transporte erforderten große Vorsicht, weil die russische Hochseeflotte die nördliche Ostsee und den Finnischen Busen beherrschte. Dieses Galerengeschwader erreichte eine Stärke von 30 Fahrzeugen mit 1650 Seeleuten und 6700 Soldaten. Das Sveaborggeschwader wurde Anfang Juni abteilungsweise bis zum Svensksunde, etwa 10 Seemeilen südwestlich von Frederikshamn vorgeschoben; hier verfügte der Oberadmiral Graf Ehrensvärd über 86 armierte Fahrzeuge mit rund 5600 Mann Land- und Seetruppen.
Das weitere Vorgehen des Stockholmgeschwaders nach Osten ward aber durch den Feind erschwert. Die Russen hatten sich zwar der Stellung bei Hangö nicht wieder bemächtigen können, weil die Schweden sie befestigt hatten, sich aber eine ähnliche auf der Halbinsel Porkala, 20 Seemeilen westlich von Sweaborg, geschaffen und sperrten hier das Schärenfahrwasser, das sie außerdem durch Schiffe ihrer Hochseeflotte an der ganzen Küste, besonders in der Nähe von Helsingfors, beunruhigten. Die Schweden besetzten deshalb eine große Zahl von Wachtstellen, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wodurch Ehrensvärd sehr geschwächt und verhindert wurde, auf dem rechten Flügel des Landheeres weiter nach Osten vorzudringen.
Die russische Küstenflottille war in diesem Jahre rechtzeitig bereit und fast doppelt so stark als die schwedische beim Svensksunde. Sie erschien Mitte August dort; das Hauptgeschwader von 78 Fahrzeugen führte der Prinz von Nassau-Siegen, den man nach seinen Erfolgen im Schwarzen Meere nach Norden berufen hatte; ein zweites von 29 Fahrzeugen befehligte Admiral Kruse.
Dieser Macht konnte Ehrensvärd nur 48 Schiffe entgegenstellen. Nassau plante, gegen die Schweden von Osten her vorzugehen und ihnen durch Kruse im Südwesten den Rückzug zu verlegen; es folgte die Schärenschlacht im Svensksunde. Ehrensvärd hatte das Fahrwasser im Osten notdürftig durch Versenken von Schiffen gesperrt und hier kleine Abteilungen stationiert, seine Hauptmacht dagegen im Südwesten in Halbmondform verankert. Hier griff Kruse am 24. August an, wurde aber abgewiesen. Der schwedische Admiral soll beabsichtigt haben, sich nun nach Westen zurückzuziehen, er erhielt jedoch von König Gustav, der dem Kampfe am Lande beigewohnt, ausdrücklichen Befehl, Nassau entgegenzutreten, der jetzt nach Wegräumung der Hindernisse vordrang; vor der großen Übermacht mußten die Schweden abends weichen, zumal ihnen auch die Munition ausging. Der Feind verfolgte während der Nacht bis zur Schärenfestung Svartholm, etwa 20 Seemeilen westlich der Mündung des Kymeneflusses.
Der schwedische Verlust betrug 7 Fahrzeuge und 1350 Mann, der russische über 2000 Mann und 3 Schiffe; viele ihrer Schiffe waren stark beschädigt. Die Russen gingen nicht weiter vor, aber sie hatten die Freiheit der Landung westlich vom Grenzflusse erzwungen und so das schwedische Landheer genötigt, über diesen zurückzugehen. Das Fahrwasser bei Porkala ward erst wieder frei, als die letzten Schiffe der russischen Hochseeflotte am 23. Oktober die Küste verließen; Mitte September hatten sie noch eine schwedische Küstendivision im Barösunde angegriffen.
Die Kriegführung 1789 zeigt überall Fehler der Schweden. Für ihr Landheer war die Tätigkeit der Schärenflotte zur Unterstützung des rechten Flügels, sowie zur Sicherung des Verkehrs in den Schären unentbehrlich. Sie war aber andauernd durch die feindliche Stellung bei Porkala getrennt, die man selber hätte besetzen müssen. Diese mußte man zunächst von beiden Seiten angreifen, anstatt die Kräfte auf Wachstationen zu verzetteln. Die Hochseeflotte aber hätte wiederum den Schutz der Schärenflotte übernehmen und zu diesem Zwecke alles daransetzen müssen, frühzeitig im Finnischen Meerbusen aufzutreten, um hier die Seeherrschaft zu erringen. Tschitschagoff handelte mithin richtig, wenn er Herzog Karl in der Ostsee ohne Entscheidungsschlacht festhielt, bis er überlegen war. Daß Rußland zu Lande nicht tatkräftiger vorging, scheint an der Unfertigkeit seines Heeres gelegen zu haben; Potemkin, der gegen die Türken kommandierte, weigerte sich hartnäckig, Truppen nach dem Norden abzugeben.
Der Kriegsplan Schwedens 1790 ähnelte dem des ersten Jahres. Versuche König Gustavs, durch Preußens Vermittlung Frieden zu schließen, hatte Katharina mit maßlosen Forderungen beantwortet. Neben der Aufrechterhaltung der Friedensbedingungen von Nystad und Abo verlangte sie eine Änderung der schwedischen Verfassung, um die Rechte des Königs über Krieg und Frieden noch mehr wie bisher einzuschränken, und von diesem selber eine Abbitte wegen seines bisherigen Vorgehens. Gustav war empört und beschloß wie 1788, durch einen raschen Angriff auf Petersburg die Entscheidung schnell herbeizuführen. Der Umstand, daß im allgemeinen Karlskrona am 15., Stockholm am 25. April, Sweaborg am 1. und Kronstadt erst am 7. Mai vom Eise frei wird, sollte benützt werden, die eigenen Streitkräfte so zeitig zu sammeln, daß man imstande wäre, die in Reval und Kronstadt getrennt liegenden Geschwader der russischen Hochseeflotte, sowie die auf Frederikshamn, Wiborg und Kronstadt verteilten feindlichen Küstenstreitkräfte vor ihrer Vereinigung einzeln zu vernichten; dann sollte bei Petersburg gelandet werden.