Der Plan wich insofern von dem früheren ab, daß die Armeeflotte vor der Landung bei der Hauptstadt erst die Festungen Frederikshamn und Wiborg nehmen sollte; es wäre wohl richtiger gewesen, nur die Fesselung der feindlichen Streitkräfte dort durchzuführen, wenn der Hauptstoß überraschend sein sollte. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von dem Vorgehen zur See abzulenken, beabsichtigte der König, schon Ende Februar oder Anfang März in Person mit dem Heere von Finnland aus in Karelien einzubrechen und zwar wie im Vorjahre mit der Hauptmacht in der Mitte, nördlich und an der Küste mit je einem kleineren Korps.

Der Angriff am Lande verzögerte sich aber, da der König aus politischen Gründen Stockholm erst Ende März verlassen konnte, und wenn dann auch die Schweden anfangs überall Erfolge erzielten, so kam ihr Vordringen doch Ende Mai zum Stehen; das Heer wartete nun auf den Ausgang der Unternehmungen zur See.

Die Operationen der Hochseeflotten bis Juni 1790. Die schwedische Flotte verließ unter Herzog Karl von Södermanland — Chef des Stabes Kontreadmiral Nordenskjöld — 21 Linienschiffe und 13 Fregatten stark am 29. April Karlskrona. Schon am 4. März waren 2 Fregatten, eine Brigg und ein Schoner in See gegangen und hatten am 17. die Stadt Raagervik, das jetzige Baltischport, etwa 20 Seemeilen westlich von Reval zur Übergabe gezwungen. Zwar hatte man hier Munition, Schiffsbedürfnisse und andere Vorräte im Werte von einer Million Taler vernichtet, aber den Russen war durch diesen Vorstoß klar geworden, daß sie auf ein baldiges Auftreten stärkerer Kräfte gefaßt sein müßten, und sie beschleunigten überall ihre Rüstungen sowie Verteidigungsmaßnahmen. Die große Flotte erreichte infolge Gegenwindes erst am 9. Mai Hangö, nahm hier Wasser und ankerte am 12. bei Raagervik.

Die Schlacht bei Reval, 13. Mai 1790. Admiral Tschitschagoff hatte 8 Linienschiffe und 3 Fregatten ungefähr eine Seemeile nördlich von der Hafenmole in einer etwa Ost-West laufenden Linie mit den Breitseiten nach See zu verankert, 3 Fregatten lagen dahinter, und sperrte so fast die ganze Bucht. Herzog Karl griff diese Stellung am 13. Mai an, indem er bei westlichem Winde in Kiellinie auf deren linken Flügel zusteuerte, an der Linie entlang lief und dann wieder nach Norden segelte. Infolge des starken und böigen Windes war das Manöver schwierig; der Angriff stieß erst auf das dritte Schiff des feindlichen Flügels, die schwedische Linie war schlecht geschlossen, das Anluven zum Wiederabsteuern mußte der Leeküste wegen frühzeitig begonnen werden, so daß die Schiffe fast beständig manövrierten. So kam es, daß die Schweden ihr Feuer eigentlich nur auf 3 Russen unter ungünstigen Umständen abgeben konnten, während diese das ihrige mit Ruhe auf die Passierenden richteten. Da der Wind während des Kampfes zum Sturm wurde, gab Herzog Karl den Befehl zum Abbrechen des Gefechtes, ehe die letzten 12 Schiffe, 4 Linienschiffe und 8 Fregatten, die feindliche Stellung passiert hatten. Die Flotte ankerte dann vor der Bucht.

Die Verluste der Russen waren ganz unbedeutend. Die Schweden verloren auch nur 132 Tote und Verwundete, aber ihre Schiffe, soweit sie ins Feuer gekommen waren, hatten arg in der Takelage gelitten und 2 Linienschiffe gingen verloren. Eins war schon beim Ansegeln auf einer Bank festgekommen und mußte verbrannt werden, um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen; ein anderes war beim Passieren manövrierunfähig geworden, gleichfalls auf Grund geraten und ward von den Russen genommen.

Die Schweden unternahmen keinen zweiten Angriff, obgleich sie jetzt die Stellung des Feindes ganz genau kannten und bei günstigem Wetter mit Übermacht vor der feindlichen Linie hätten ankern und die Flügel durch leichtere Linienschiffe, sowie die Fregatten umgehen können. Herzog Karl schickte einige sehr beschädigte Schiffe zur schleunigen Ausbesserung nach Sweaborg, erhielt dafür aber am 21. Mai eine Verstärkung von 2 Linienschiffen und einer Fregatte. Er blieb bis zum 24. Mai vor Reval, ging dann nach der Insel Hogland und von hier erst am 31. auf Befehl des Königs gegen Kronstadt vor. Tschitschagoffs Flotte ließ man im Rücken, nachdem man ihr zwei und eine halbe Woche Zeit gelassen hatte, ihre Ausrüstung zu vervollständigen. Herzog Karl und Admiral Nordenskjöld sollen dies allerdings gemißbilligt haben.

Die Operationen der Küstenflottillen bis Juni 1790. In Schweden waren durch Neubauten die Küstenstreitkräfte auf 19 große Segelfahrzeuge, 27 Galeren, 214 Kanonenschaluppen und Jollen, 25 Kanonen- und Mörserbarkassen und 21 Chef- und Avisofahrzeuge gebracht; diese Macht wurde bis Ende Mai in Finnland zusammengezogen.

Angriff auf Frederikshamn. Am 14. Mai erschien König Gustav mit etwa 100 Fahrzeugen im Svensksunde. Die russische Küstenflottille von Frederikshamn war, 49 Schiffe stark, am Eingange des engen Innenfahrwassers zur Stadt verankert, an den Flügeln durch Landbatterien unterstützt. Am 15. um 2 Uhr morgens griffen die Schweden an und trieben den Feind bald bis unter die Kanonen der Stadt, aber um 9 Uhr ließ der König den Kampf abbrechen, um seinen Leuten Erholung zu gönnen; auch knüpfte er Übergabeverhandlungen an. Der Festungskommandant zögerte mit der Antwort, erhielt inzwischen Verstärkung und wies einen zweiten Angriff nachmittags so kräftig ab, daß sich die Schweden abends zurückzogen. Nicht mehr Erfolg hatte ein Vorgehen gegen die Stadt am 19. Mai, das allerdings nur mit schwächeren Kräften unternommen wurde. Wie die Hochseeflotte vor Reval, so gab auch die Schärenflotte hier weitere Versuche auf und blieb untätig liegen. Erst am 25. Mai ging sie weiter nach Osten vor, am 31. gewann sie Fühlung mit der Hochseeflotte, passierte am 2. Juni die Bucht von Wiborg und ankerte am Abend im Björkösunde etwa 30 Seemeilen südlich dieser Stadt; sie hatte durch Zuzüge von Westen nach und nach fast ihre volle Stärke, 282 armierte Fahrzeuge, erreicht.

Gustav entschloß sich endlich, mit der vereinten Hochsee- und der Küstenflotte schnell gegen Petersburg vorzudringen, aber jetzt war auch die russische Hochseeflotte bereit und mußte zunächst vertrieben werden.