Die Seeschlacht in der Kronstädter Bucht, 3. und 4. Juni 1790. Schon während die schwedische Hochseeflotte ihr Küstengeschwader nach dem Björkösunde geleitete, war die russische in Sicht gewesen und Herzog Karl hatte versucht, sich ihr zu nähern, sobald die Schärenfahrzeuge den Ankerplatz erreicht hatten; eintretende Stille verhinderte dies, aber am 3. Juni kam es zur Schlacht.
Die Stärke der Flotten. Die russische unter Vizeadmiral Kruse zählte 17 Linienschiffe, 5 Dreidecker zu 108, 12 Zweidecker zu 74 Kanonen und 13 Fregatten. Die Schiffe waren in guter Verfassung, die Besatzungen jedoch noch nicht ausgebildet. Die schwedische bestand aus 21 Linienschiffen zu 64–74 Kanonen und 13 Fregatten. Zwei schwere Fregatten hatte man in die Linie eingestellt, dennoch standen in dieser nur 1180 Kanonen 1430 russischen gegenüber, weil die Schiffe des Gegners im Durchschnitt stärker waren. Aus weiteren 6 schweren Fregatten wurde[437] eine leichte Division gebildet, die selbständig an geeigneter Stelle in den Kampf eingreifen sollte.
Am 3. Juni, 4 Uhr morgens, stand Kruse bei leichtem östlichen Winde etwa 4 Seemeilen zu Luward der schwedischen Flotte, die über Backbordbug in Kiellinie beim Winde lag. Er hielt auf sie ab und griff in üblicher Weise Schiff gegen Schiff auf der ganzen Linie an. Um 4½ Uhr begann der Kampf der Vorhuten und um 5 Uhr der der Mitten; die Nachhuten kamen erst später ins Gefecht und wie gewöhnlich nur auf weitere Entfernung. Manöver der Flotten infolge von Windänderungen trennten sie gegen 8 Uhr, auch scheint Kruse einen zu scharfen Kampf gescheut zu haben. Am Nachmittage kam westlicher Wind auf. Wieder lagen die Gegner über Backbordbug, aber jetzt die Schweden zu Luward und Herzog Karl griff um 2½ Uhr an. Da aber Kruse stets auswich, zeitweise sogar vor dem Winde abhielt, kam es immer nur zu kurzen Kämpfen, oft nur zu Teilgefechten.
Herzog Karl erkannte, daß der Feind ihn in die innere Bucht von Kronstadt locken, aber bis zum Eintreffen der Revalflotte hinziehen wollte. Er beschloß, sich nur beobachtend zu verhalten, bekam jedoch am Abend Befehl vom König, den Kampf zu suchen. Am 4. Juni vormittags wehte es hart aus Osten, so daß die Schweden nicht an den Feind herankommen konnten. Nachmittags sprang der Wind auf SW, aber der Versuch Karls, eine Entscheidung herbeizuführen, mißlang wiederum, weil Kruse nicht standhielt; nur für kurze Zeit kam es zum Gefecht auf der ganzen Linie. Die Flotten hatten sich nach und nach der Außenrhede von Kronstadt bis auf 12–15 Seemeilen genähert, so daß sie am Spätnachmittag, sowie um 8 Uhr abends zum Halsen genötigt waren, weil sie zuerst der südlichen, dann der nördlichen Küste zu nahe kamen.
Wesentliche Verluste hatten die Kämpfe der beiden Tage nicht gebracht, nur 2 schwedische und 3 russische Schiffe waren schwerer beschädigt.
Bald nach 8 Uhr abends kam nun aber Admiral Tschitschagoff mit der Revalflotte — 10 Linienschiffe, darunter 2 Dreidecker, und 8 Fregatten — in Sicht und Herzog Karl mußte sich vor allen Dingen aus dem engen Fahrwasser herauszuziehen suchen. Er plante, sich auf die Revalflotte zu werfen, ehe die russische Hauptmacht herankäme, sollte dies aber nicht gelingen, dann bis zu den Aspöschären zurückzugehen. Er erwartete, daß dann auch König Gustav mit der Armeeflotte bis zum Svensksunde weichen und von hier aus ein neues gemeinsames Vorgehen erfolgen würde. Dementsprechend berichtete er.
Dem Rückzuge der Schweden folgte Kruse, der die Revalflotte gleichfalls gesehen hatte, in Gefechtslinie, aber in gemessener Entfernung. Es war ein Glück für Herzog Karl, daß der Wind während der Nacht abflaute und auch am nächsten Tage Stillen vorherrschten; zugleich war es diesig, so daß die russischen Flotten sich gegenseitig nicht sehen konnten und deshalb beide zurückhielten. So zog sich Karl unbehelligt aus der Enge, erhielt aber am 5. Juni als Antwort auf seinen Bericht Befehl, in die Bucht von Wiborg zu kommen, um die Schärenflotte zu decken; er ankerte am 6. morgens in deren Eingange.
Dies war eine verhängnisvolle Maßnahme, denn nun wurden die gesamten schwedischen See- und Küstenstreitkräfte zusammen blockiert.
Die Blockade der schwedischen Flotten bei Wiborg und deren Durchbruch. Die Breite des Einganges zu der SW-NO laufenden Außenbucht von Wiborg beträgt zwischen der Landspitze Krosserort im Westen und der Insel Biskopö im Osten etwa 6 Seemeilen. Durch flaches Wasser vor diesen Punkten und durch den in der Mitte der Einfahrt liegenden Salvögrund wird aber das Fahrwasser auf eine kaum eine Seemeile breite Rinne bei Krosserort sowie auf eine zweite von 3 Seemeilen bei Biskopö beschränkt. Hinter diesen Durchfahrten wurden die Schiffe der Hochseeflotte — 21 Linienschiffe, 13 Fregatten, 4 Fahrzeuge — in Verteidigungslinien verankert.
Zwischen der Insel Biskopö und der sich südlich daran schließenden Insel Björkö einerseits und dem Festlande anderseits führt eine im Durchschnitt 1½, an ihrer engsten Stelle nur eine halbe Seemeile breite Straße von Südosten her in die Außenbucht von Wiborg, der Björkösund. Hier lag die schwedische Armeeflotte, 282 armierte Fahrzeuge mit 24000 Mann Besatzung[204].