Schon am 7. Juni ankerte die russische Hochseeflotte, jetzt unter dem Oberbefehl des Admirals Tschitschagoff, 30 Linienschiffe und 20 Fregatten stark, quer vor dem Haupteingange zur Bucht, etwa 8 Seemeilen von der feindlichen Stellung entfernt und die Küstengeschwader sammelten sich in der Umajockibucht unmittelbar östlich vom Eingange in den Björkösund unter dem Prinzen von Nassau. Anfangs waren es nur 49 Fahrzeuge aus Frederikshamn und Reval, aber durch Eintreffen der Kräfte von Kronstadt wuchs die Zahl nach und nach bis auf 3 Linienschiffe, 7 Fregatten und 74 Schärenfahrzeuge am 2. Juli. In Wiborg lagen 48 Fahrzeuge.
Die Schweden waren völlig blockiert und ihre Lage wurde im Laufe der nächsten Wochen immer gefährdeter. Tschitschagoff legte nach genauem Ausloten seine Blockadelinie näher heran, wobei er die vielen Inselchen und Gründe benutzte, um die möglichen Durchbruchspunkte dichter abzuschließen, und auch die Wiborgflottille drang bis zum Trangsund, dem Eingange zur inneren Bucht, vor. Ein Versuch des Königs Gustav vom 11.–20. Juni mit einem großen Teile der Armeeflotte, sie zu vernichten, um sich den Rücken freizumachen, mißlang, weil Landbatterien das Fahrwasser beherrschten. Auf den schwedischen Schiffen und Fahrzeugen mit ihren etwa 40000 Mann Besatzung trat Mangel an Proviant und Wasser ein, da russische Jäger und Kosaken die Wasserplätze besetzt hatten. Am 29. Juni ging Nassau gegen den Björkösund vor und warf den Feind bis zur engsten Stelle zurück.
Unter diesen Umständen mußte Gustav alles daransetzen, sich aus seiner unhaltbaren Lage zu befreien. Nach längeren Beratungen und Erwägung verschiedener Pläne ward der Durchbruch mit beiden Flotten in der engen Wasserrinne zwischen Krosserort und dem Salvögrunde beschlossen. Herzog Karl hatte schon früher wiederholt hierzu geraten, ehe die Einschließung so eng geworden war, der König aber wies es schroff zurück, weil er es für feige hielt.
Der Durchbruch am 3. Juli 1790. Der Plan zum Durchbruch war genau ausgearbeitet. Um 2 Uhr morgens zog sich das Gros der Küstenflotte aus dem Björkösunde in die äußere Wiborgbucht hinter die Linie der Hochseeflotte. 3 Divisionen Kanonenschaluppen, sowie die Mörserbarkassen eröffneten gleichzeitig zur Diversion ein Gefecht mit der im Süden liegenden russischen Schärenflotte, das sie erst um 4½ Uhr abbrachen, um dem Gros zu folgen; auffallenderweise folgte der Feind nicht, vielleicht wollte er den Leuten nach dem nächtlichen Kampfe Ruhe gönnen.
Die Schiffe der Hochseeflotte hatten während der Nacht das Ankerlichten vorbereitet; die Segel waren nur mit leicht zerreißbarem Schiemannsgarn festgemacht, so daß sie gesetzt werden konnten, ohne Leute in die Takelage zu schicken und dadurch die Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen. Um 6 Uhr morgens verließen sie ihre Ankerplätze und setzten sich an die Spitze der in Marschordnung versammelten Schärenflotte. Um 7½ Uhr passierte der Leiter die russische Sperrlinie bei Krosserort. Hier lagen 5 Linienschiffe eng aufgeschlossen mit den Breitseiten quer zum Fahrwasser. Die Schweden brachen in der Mitte durch, wobei sie ihr Feuer mit solchem Erfolge abgaben, daß sämtliche Gegner die Flagge bereits gestrichen hatten, als das Flaggschiff passierte; von den etwa 4000 Mann dieser Schiffe sollen nur 3–400 unverwundet geblieben sein. Drei Seemeilen westlich von Krosserort lagen 6 russische Fregatten in Linie seitlich vom Fahrwasser, doch wurde deren Feuer durch Pulverrauch behindert.
Die Schweden würden mit verhältnismäßig geringem Verluste die freie See erreicht haben, wenn nicht ein besonderer Unglücksfall eingetreten wäre. Beim Passieren von Krosserort wurden ein Linienschiff und eine Fregatte durch einen eigenen Brander in Flammen gesetzt und flogen auf; der Führer des Branders hatte in trunkenem Zustande sein Fahrzeug ohne Grund angezündet. In dem dadurch entstehenden Rauche liefen verschiedene Schiffe auf Grund.
Nach dem geglückten Durchbruch nahm die schwedische Hochseeflotte Kurs auf Hogland. Die russische begann erst gegen 10 Uhr vormittags zur Verfolgung unter Segel zu gehen. Tschitschagoff scheint das Vorgehen der Schweden längere Zeit nur für ein Scheinmanöver gehalten und den eigentlichen Angriff in dem breiteren östlichen Fahrwasser erwartet zu haben; dann dauerte auch das Ankerlichten und Formieren der Flotte unverständlich lange. So gewann Herzog Karl einen großen Vorsprung und erreichte am 5. Juli abends die Rhede von Sweaborg; nur zwischen den vordersten russischen und einigen zurückgebliebenen schwedischen Schiffen kam es zum Kampfe, wobei zwei der letzteren genommen wurden.
Die schwedische Schärenflotte folgte zunächst der Hochseeflotte, hielt dann aber früher zur Küste ab und erreichte die Aspöschären. Auf dem Wege dorthin ward sie von einer Fregattendivisjon angegriffen, die bisher etwa 10 Seemeilen westlich der Wiborgbucht beim Pitkepasse das Schärenfahrwasser gesperrt und auch tatsächlich den Zuzug einiger Abteilungen schwedischer Fahrzeuge gehindert hatte. Diese Division brach in die Küstenflotte ein und zwang eine große Zahl von Fahrzeugen, die Flagge zu streichen, konnte aber nur einige von ihnen in Besitz nehmen.
Der Verlust der Schweden betrug in der Hochseeflotte 7 Linienschiffe, 3 Fregatten und 4000 Mann, in der Küstenflotte 21 Kriegs- und 30 Transportfahrzeuge, sowie rund 2000 Mann. Der Verlust der letzteren würde sicher noch viel größer gewesen sein, wenn der Gegner im Björkösunde sofort nachgedrängt hätte. Aber dies geschah erst spät und die vordersten Fahrzeuge hielten sich dann bei den festgekommenen schwedischen Schiffen auf.