Die Russen büßten 4–5000 Mann ein und 11 ihrer Linienschiffe waren so beschädigt, daß sie für längere Zeit nicht verwendet werden konnten, einige wurden sogar völlig unbrauchbar.

Die zweite Schlacht im Svensksunde am 9. Juli 1790 war das letzte größere Ereignis des Krieges. Die schwedische Hochseeflotte — 14 Linienschiffe, 9 Fregatten — ward von der russischen — 19 Linienschiffe — in Sweaborg blockiert. Mit der Küstenflotte hatte sich König Gustav von den Aspöschären in den Svensksund zurückgezogen; sie zählte am 8. Juli 195 armierte Fahrzeuge mit 450 schweren Geschützen und 14000 Mann.

Sie nahm hier eine ähnliche Verteidigungsstellung ein wie 1789 unter Ehrensvärd (vgl. Seite [433]) und wurde am 9. Juli durch Nassau von Frederikshamn aus mit 160 Fahrzeugen angegriffen. Sie war zwar den Russen an Zahl überlegen, aber deren Schiffe waren im allgemeinen größer, schwerer armiert und stärker bemannt, sie führten 850 schwere Geschütze und 18500 Mann.

Nassau ließ den Nordostausgang des Sundes nur durch schwache Kräfte beobachten und richtete den Angriff gegen die Hauptmacht des Gegners im Südwesteingange, aus dem die Schweden im Jahre vorher durchgebrochen waren. Er führte bei südwestlichem Winde die Flotte in 3 Kolonnen an die schwedische Stellung heran. Die mittlere, 20 der größten Schiffe, ankerte vor der Mitte der feindlichen Linie, die beiden anderen vor deren Flügeln. Um 9½ Uhr vormittags begann der Kampf, und schon nach zwei Stunden sah sich der russische linke Flügel zum Rückzuge genötigt. Dies war um so verhängnisvoller, als der schwedische rechte Flügel einen Winkel mit seiner Mitte und dem linken bildete, mithin imstande war, die russische Mitte in der Flanke zu bedrohen. Zwar stießen die Gewichenen nochmals vor, aber wieder vergeblich, da die Schweden hier jetzt Verstärkung durch die Kräfte am Nordosteingange erhalten hatten, die nicht angegriffen waren.

Durch das Flankenfeuer der Schweden sah sich auch die russische Mitte gegen 4 Uhr nachmittags zum Rückzuge genötigt, und der rechte Flügel schloß sich an, da auch sein Gegner verstärkt worden war. Der Rückzug gelang den Ruderfahrzeugen verhältnismäßig gut, aber die größeren Segler konnten mit ihren zerschossenen Takelagen nur schwer gegen den Wind aufkreuzen. Durch Zusammentreiben entstand ein Gewirr, in das die schwedischen Kanonenschaluppen bis 10 Uhr abends hineinfeuerten; viele Russen kamen auf Grund oder trieben an den Strand. Die Nacht brachte eine Pause, aber am nächsten Morgen nahmen die Schweden die Verfolgung wieder auf und verjagten den Feind auch aus den Aspöschären, in die er sich zurückgezogen hatte; in Einzelgefechten wurden noch viele Fahrzeuge genommen.

Der Verlust der Russen betrug 5 Fregatten, 48 Fahrzeuge, 3000 Tote und Verwundete, sowie 6500 Gefangene; die Schweden büßten nach eigener Angabe nur etwa 300 Mann ein.

Die Kriegführung des Jahres 1790 zeigt auf schwedischer Seite ähnliche Fehler wie im Vorjahre. Wieder ließ man die zu dem beabsichtigten überraschenden Angriff günstige Zeit verstreichen. Hierdurch, sowie durch die Untätigkeit der Hochseeflotte nach der Schlacht bei Reval und durch das lange Verweilen der Schärenflotte vor Frederikshamn gewann Rußland Zeit, seine Rüstungen zu vollenden. Schwere Mißgriffe waren es, daß man die Revalflotte nicht zu vernichten suchte und später die gesamten Kräfte in Wiborg einschließen ließ. Diese Fehler werden zum größten Teile dem Könige zur Last gelegt, und wohl mit Recht. Er faßte große, ganz richtige Pläne, führte sie aber nicht tatkräftig durch und schadete seiner Sache durch persönliches Eingreifen, das oft militärische Einsicht vermissen ließ.

Die Russen verfuhren wie im Vorjahre richtig, indem sie sich zurückhielten, namentlich auf See, bis sie stark genug waren. Als einen Fehler muß man jedoch den Angriff beim Svensksunde bezeichnen, da sie dem Gegner alle Zufuhren abschneiden, auf den benachbarten Inseln Batterien einrichten und ihn so allmählich vernichten konnten, aber der Prinz von Nassau war zu siegesgewiß und wollte den Jahrestag der Krönung seiner Kaiserin durch einen großen Erfolg verherrlichen.

Der Friede zu Werelä, 14. August 1790. Die Niederlage beim Svensksunde machte tiefen Eindruck auf Katharina, und sie zeigte sich jetzt zu Unterhandlungen bereit. Sie verzichtete auf die demütigenden Forderungen einer Abbitte durch König Gustav, sowie einer Einmischung in die inneren Verhältnisse Schwedens. Schon am 14. August ward in Werelä der Friede geschlossen, nach dem der Besitzstand in Finnland wie vor dem Kriege hergestellt wurde.