König Friedrich II. von Preußen, der soeben den Thron bestiegen hatte, war stark genug, allein vorzugehen, und nahm sofort von Schlesien Besitz (1740). Bayern, selbst nicht kräftig genug zum Kampfe gegen Österreich, gewann nach längeren Unterhandlungen (1741) die Unterstützung Frankreichs; dieses hoffte Österreich zu schwächen und die eigene Macht nach Osten auszudehnen. Spanien schloß sich sofort an; später traten auch Preußen, Kurpfalz und Kurköln, sowie Sachsen für die ersten Jahre des Krieges, auf seiten Bayerns. Frankreich veranlaßte endlich Schweden zu einem Krieg mit Rußland, um diesen Staat an einer Betätigung zugunsten Österreichs zu hindern[38].

Jedoch auch Österreich gewann Bundesgenossen. Die Stimmung in England neigte zugunsten Österreichs, und dies war natürlich, denn England stand bereits im Kampfe mit Spanien, einem der Gegner Österreichs, und ein Wachsen der Macht Frankreichs, etwa durch die Erwerbung Belgiens, lag keineswegs in Englands Wünschen. Das Aufblühen des französischen Seehandels und der Kolonien Frankreichs in Ost- und Westindien verfolgte man mit Besorgnis; in Nordamerika lag der Kampf um die Grenzen der beiderseitigen Besitzungen gewissermaßen in der Luft. König Georg II. war zunächst zur Unterstützung Österreichs bereit, da er als Kurfürst von Hannover eifersüchtig auf Preußens Wachsen sah. Bald aber glaubte er sein Kurfürstentum durch Preußens Bündnis mit Frankreich bedroht, wollte sich deshalb neutral halten und erklärte sich für die Kaiserwahl Karl Alberts. Infolge des nicht gerade günstigen Verlaufes des Seekrieges mit Spanien, und da die englische Flotte die Überführung eines spanischen Heeres nach Oberitalien (1741) nicht gehindert hatte, wuchs jedoch die Opposition gegen Walpole; er mußte sein Amt niederlegen (Februar 1742), und nun trat England durch Geldhilfe und die Stellung eines Heeres in Belgien offen für Österreich ein. Unter Englands Einfluß tat Holland das gleiche; hier fürchtete man die alte Gefahr, Frankreich als Nachbar und dadurch die belgischen Seestädte als Nebenbuhler im Handel zu bekommen[39]. Auch Sardinien, später (1743) Sachsen und endlich selbst Rußland (1744) wurden durch England für Österreich gewonnen.

So war nach und nach ein allgemeiner europäischer Krieg entstanden, der neben dem Englisch-Spanischen Seekriege einen Englisch-Französischen See- und Kolonialkrieg mit sich brachte.

Als sehr bemerkenswert muß hier eine eigentümliche Auffassung internationaler Beziehungen jener Zeit erwähnt werden. Während der ersten Jahre führte Frankreich den Krieg gegen Österreich nur zur Unterstützung Bayerns, und England sowie Spanien traten auch nur als Helfer Maria Theresias auf. Eine Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und England erfolgte erst 1744, an Holland gar erst 1747; obgleich ihre Heere schon vorher gegeneinander fochten, betrachteten sich doch diese Staaten nicht als im Kriegszustand, sondern, mit Ausnahme der im Felde stehenden Truppen, als noch im Frieden befindlich. Ebenso galt es auf See. Zwischen Frankreich und Spanien bestand ein Defensivbündnis, nach dem Frankreich in bestimmten Fällen (siehe auch Band I, Seite [598]) Spanien eine Hilfsflotte zu stellen hatte.

Diese Hilfe sollte allerdings keine Feindseligkeit gegen England in sich schließen, die den Frieden zwischen England und Frankreich verletzte. Französische Kriegsschiffe waren danach, so lange sie mit der spanischen Flotte den Abmachungen des Vertrages gemäß zusammenwirkten, Feinde Englands, nicht aber der französische Staat und seine sonstigen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Auf Grund dieses Vertrages sandte nun Frankreich schon 1740 ein Geschwader nach Westindien, mit dem Befehl, die spanischen Schiffe und Kolonien zu schützen; 1741 deckten französische Kriegsschiffe[49] im Verein mit der spanischen Flotte einen Truppentransport von Spanien nach Italien und Frankreich gewährte dann der spanischen Flotte Unterschlupf in Toulon; 1744 wurde, sogar noch ehe der Krieg erklärt war, die erste Seeschlacht vor Toulon mit den Engländern geschlagen, als eine französische Flotte die spanische nach Spanien begleitete. Da mutet es denn seltsam an, wenn sich französische Geschichtsschreiber mit großem Ernst über einzelne Angriffe englischer Schiffe auf französische vor 1744 unter dem Einwurfe beklagen, daß kein offener Krieg bestanden hätte; anderseits hatte ja allerdings England diese eigentümliche Auffassung in dem französisch-spanischen Vertrage gewissermaßen dadurch als berechtigt anerkannt, daß es aus dem beschriebenen Auftreten der französischen Seestreitkräfte keinen casus belli machte.

Der allgemeine Verlauf des Krieges.

Da der Seekrieg nur in loser Verbindung mit dem großen europäischen Landkriege stand, so genügt es, über diesen einen Überblick zu geben. Ein solcher ist jedoch wünschenswert, um zu zeigen, inwieweit die Gegner im Seekriege durch den Landkrieg in Anspruch genommen waren und inwieweit der erste auf den zweiten einwirkte; auch werden dabei die Gründe für die Gruppierung der Staaten etwas klarer werden. Der Verlauf des Seekrieges wird hierbei zunächst nur angedeutet werden.

Der Englisch-Spanische Seekrieg 1739–1744 wurde nur von den Engländern angriffsweise geführt, die in erster Linie gegen die spanischen Besitzungen in Westindien vorgingen; hier war Spanien am leichtesten zu verwunden. Schon im Juli 1739, noch vor der Kriegserklärung, lief die erste Expedition aus, und die Jahre 1739–1744 brachten dann eine Reihe von Angriffen auf die wichtigsten spanisch-westindischen Küstenstädte. Mit ungenügenden Mitteln unternommen und nicht tatkräftig durchgeführt, blieben sie jedoch sämtlich ohne entscheidenden Erfolg. In den europäischen Gewässern beschränkte sich die Tätigkeit der englischen Marine auf die Überwachung der spanischen Küsten — um die feindlichen Kriegsschiffe und Freibeuter festzuhalten, sowie den Handel zu unterbinden — und auf die Aufgaben, die der Landkrieg in Italien für die Seestreitkräfte im Mittelmeer brachte; aber auch hierin war man nicht überall und nicht andauernd glücklich. Selbst im kleinen Kriege errang England keine Vorteile; die Spanier fügten in den westindischen und in den europäischen Gewässern dem viel bedeutenderen englischen Seehandel mehr Schaden zu als sie von England überhaupt erleiden konnten. Der Schutz, den die französische Marine der spanischen zuteil werden ließ, lähmte allerdings wohl etwas die Tätigkeit der englischen, aber noch mehr trugen verschiedene andere selbstverschuldete Übelstände dazu bei, daß England bis zum Jahre 1744, als der förmliche Krieg mit Frankreich ausbrach, Spanien gegenüber noch nichts erreicht hatte.

Der Österreichische Erbfolgekrieg von 1740–1748 (einschließlich des ersten Schlesischen Krieges). Im November 1740 rückte Friedrich II. in Schlesien ein, bot aber gleichzeitig Maria Theresia gegen Abtretung dieser Provinz die Hilfe seiner Waffen und Geldunterstützung zur Erhaltung ihres übrigen Erbes sowie auch seine Stimme für die Kaiserwahl ihres Gemahls Franz Stephan an. Die hochherzige Frau wies das Anerbieten schroff zurück. Da in Schlesien nur wenige Truppen standen und die Festungen verwahrlost waren, bekam Friedrich die Provinz in kurzer Zeit bis auf Neiße in seine Hand und schlug auch den Feldmarschall Neipperg, der von Böhmen heranrückte, wieder aus dem Lande (Schlacht bei Mollwitz, 17. April 1741).