Auch anderwärts stand die österreichische Sache ungünstig. Im Frühjahr 1745 waren die Franzosen mit starker Macht in Belgien aufgetreten. Sie nahmen wichtige Städte ein und der Marschall Moritz von Sachsen siegte bei Fontenay (11. April) über den Herzog von Cumberland; am 21. Februar besetzten die Franzosen Brüssel und bedrohten Holland selbst.

Im Mittelmeer fand am 22. Februar 1744 die Seeschlacht vor Toulon statt, als die französische Flotte die spanische von genanntem Hafen nach der italienischen oder spanischen Küste geleiten wollte. Sie blieb unentschieden.

In Norditalien eroberte ein französisch-spanisch-neapolitanisches Heer 1745 Piemont und fast die ganze Lombardei. Erst als nach dem Frieden von Dresden Österreichs Truppen in Deutschland frei wurden, konnte es in Italien das Gleichgewicht wieder herstellen. Das österreichisch-sardinische Heer vertrieb 1746 die Franzosen, die Spanier gingen von Genua aus in die Heimat zurück; die Sieger besetzten diese Stadt und drangen sogar in die Provence ein, in beidem von der englischen Flotte unterstützt. Ein von Frankreich begünstigter Aufstand in Genua rief sie dann aber zurück, und eine neue Belagerung dieser Stadt mußte aufgegeben werden, als die Franzosen wieder über Nizza (1747) vordrangen.

Die Erhebung Schottlands. Der Niedergang der österreichischen Sache in Belgien hing mit der Gefahr zusammen, die dem Hause Hannover in England durch eine Erhebung der Schotten zugunsten der Stuarts drohte. Jakob III. lebte nach seinem letzten Ringen um die Krone Großbritanniens (1708; vgl. Band I, Seite [522]) in Rom. Von hier ging 1743 sein Sohn Karl Eduard (gewöhnlich „der junge Prätendent“ genannt) nach Paris, um mit Frankreichs Hilfe einen neuen Versuch zu wagen; der Kampf Englands mit den Bourbons, die geringe Beliebtheit des Hauses Hannover in England, die Anhänglichkeit der Schotten an die Stuarts, sowie ihre Abneigung gegen eine Verbindung mit England ließen die Gelegenheit günstig erscheinen. Frankreich war dem Unternehmen geneigt, das England vom Festlandskriege abziehen mußte und wollte 1744 14 000 Mann nach Schottland übersetzen, aber diese Expedition — das einzige Angriffsunternehmen Frankreichs zur See in diesem Kriege — scheiterte infolge verzögerter Ausrüstung, ungünstiger Wetterverhältnisse und der Übermacht der englischen Seestreitkräfte.

Erst im Juli 1745 kam Karl Eduard mit nur wenigen Begleitern nach Schottland. Verschiedene Clans standen für ihn auf. England war völlig überrascht und hatte nur wenige Truppen zur Verfügung; seine schwachen Garnisonen räumten Schottland. Der Prinz bemächtigte sich Edinburghs (im September), rückte in England ein, schlug ein englisches Korps und drang bis auf acht Tagemärsche an London heran. Das englische Volk zeigte sich meist gleichgültig, teilweise sogar feindlich gegen die eigene Dynastie, deren Lage bei dem Mangel an Truppen gefährdet erschien, um so mehr da eine französische Landung vorbereitet wurde. In London begann der Kredit zu wanken, die Bank wurde fast gestürmt. Aber jetzt weigerten sich die Schotten weiterzumarschieren. Karl Eduard mußte nach Schottland zurück und wurde bei Culloden (16. April 1746) vom Herzog von Cumberland vernichtend geschlagen. Dieser war mit Truppen von Belgien herübergerufen; meist Hessen im Solde Hollands, das nach altem Vertrag verpflichtet war, England bei drohendem Einfall Truppen zu stellen. Der letzte Versuch der Stuarts war gescheitert, Karl Eduard irrte fünf Monate umher und floh dann nach Frankreich; aber sein Aufstand war doch von lähmendem Einfluß auf Englands Kriegführung zur See gewesen.

Das Ende des Erbfolgekrieges. Die Franzosen machten 1746 immer raschere Fortschritte in Belgien; alle wichtigen Städte, auch Antwerpen und Namur, fielen in ihre Hände; Moritz von Sachsen erfocht bei Rocourt (11. Oktober 1746) einen zweiten glänzenden Sieg über Cumberland und Karl von Lothringen. 1747 siegten die Franzosen nochmals bei Maastricht (2. Juli) und nahmen Bergen op Zoom (16. September); am 11. Mai 1748 fiel auch Maastricht. Schon vor Einnahme dieser wichtigsten Festung waren Friedensunterhandlungen im Gange, und als jetzt die Franzosen mit dem Einbruch in Holland drohten, kam es zum Frieden, zunächst zwischen Frankreich und England-Holland.

In dem See- und Kolonialkriege Englands gegen Frankreich und Spanien 1744–1748 behauptete England schließlich das Übergewicht. Wie Spanien schon bisher, so war auch Frankreich infolge der Schwäche seiner Marine genötigt, sich in der Verteidigung zu halten. Wie schon erwähnt, hatte es nur einmal, noch vor der Kriegserklärung, einen Offensivstoß versucht (einen Einfall in England zugunsten Karl Eduards), der aber nur bei völliger Überraschung des Gegners hätte gelingen können. Später beschränkte sich Frankreich auf den Schutz seiner Kolonien und auf den kleinen Krieg gegen den feindlichen Handel. England führte den Seekrieg zunächst nicht energischer als bisher gegen Spanien allein. Die Tätigkeit seiner Seemacht wurde durch verschiedene Umstände gelähmt — Vernachlässigung der Marine während der langen[55] Friedenszeit, Mangel an frischem Geiste in ihr, vor allem aber durch unrichtige und schwächliche Verwendung der überlegenen Flotte —, und so blieb natürlich der Erfolg aus. Es gelang nicht, die feindlichen Häfen zu sperren und so die Gegner von ihren Kolonien abzuschneiden.

In Westindien, worauf die Franzosen den Hauptwert legten, und wo auch die Spanier den größeren Teil ihrer Seestreitkräfte hielten, vermochten die Engländer nichts auszurichten; in Nordamerika eroberten zwar die englischen Kolonisten, von der Flotte unterstützt, die wichtige Festung Louisbourg und hielten sie bis zum Friedensschluß, mehr errangen sie jedoch nicht, da sie keine Unterstützung erhielten; in Ostindien gelang es sogar den Franzosen, Madras (1746) zu nehmen und den englischen Angriff auf Pondicherry (1748) abzuschlagen und so bei den indischen Fürsten das Ansehen Frankreichs über das Englands zu heben. Selbst im kleinen Kriege war England nicht imstande, seine Handelsschiffahrt vor großen Verlusten durch Freibeuter und einzelne Kriegsschiffe der Gegner zu bewahren, wenn es auch deren Handel gleichfalls großen Schaden zufügte.

Erst nach und nach, besonders vom Jahre 1747 an, wurde es besser. Die englische Marine erstarkte dauernd an Zahl der Schiffe und innerem Wert, die der Gegner gingen abwärts infolge von Verlusten und von Vernachlässigung, die französische Seemacht wurde schließlich durch die Vernichtung von zwei stattlichen Geschwadern in den Seeschlachten bei Kap Finisterre (im Mai und Oktober 1747) völlig lahmgelegt; auch die Freibeuter ihrer Gegner hatten die Engländer nach und nach größtenteils weggefangen. Jetzt war England imstande, Frankreich und Spanien von ihren Kolonien gänzlich abzuschließen, ihren Handel fast völlig zu vernichten, dagegen den eigenen Seehandel wirksam zu schützen, der übrigens in seiner Gesamtheit trotz der Verluste mit dem Schwinden des feindlichen stets zugenommen hatte.

Diese Umstände trugen wesentlich dazu bei, Frankreich dem Frieden geneigt zu machen.