Die Zahl der Offiziere, Deck- und Unteroffiziere war zwar in den letzten Jahrzehnten sehr verringert, reichte jedoch für die Schiffe aus, die in Dienst gestellt wurden. Ebenso machte sich kein Mangel an Mannschaften fühlbar, da die Inskription wieder geregelt war. Infolge der seltenen Indienststellungen im Frieden und später im Kriege fehlte jedoch dem Gesamtpersonal die Übung.

Eine Unterstützung, besonders auf dem ostindischen Kriegsschauplatze, fand die Marine in den großen Schiffen der Compagnie des Indes, die mehr Kanonen (bis zu 60) an Bord nehmen konnten, als sie gewöhnlich führten (20–30). Man darf sie aber nicht als vollwertige Kriegsschiffe betrachten; darauf gebaut, viel Ladung und wenig Geschütze an Bord zu nehmen, vermochten sie im umgekehrten Falle nur wenig Segel zu führen. Auf größeren Seereisen konnten sie nur 30–38 Kanonen führen und auch nur Kanonen der Mittelartillerie (8-Pfünder, 12-Pfünder, vereinzelt 18-Pfünder). Die Offiziere der Kompagnie waren gute Seeleute, aber keine Seeoffiziere; die Mannschaft war noch weniger militärisch geübt; die Disziplin ließ bei beiden zu wünschen übrig.

Der Verlust an Schiffen während des Krieges betrug: 22 Linienschiffe, 4 Schiffe zu 40–46 Kanonen, 13 zu 24–32, 7 zu 20 Kanonen, 9 kleinere Fahrzeuge; insgesamt 55 Segel. Einige Neubauten traten hinzu, und so war der Schiffsbestand um 1748: 31 Linienschiffe und 8 im Bau.

Spanien besaß um 1739 kaum 40 Linienschiffe. Unter diesen befanden sich einige sehr gute Neubauten, aber auch manche, die nicht als vollwertig gelten konnten, da sie für die Überführung der Schätze Amerikas eigentlich nur gegen Freibeuter armiert waren. Chabaud-Arnault (siehe [Quellenverzeichnis]) gibt 50 Linienschiffe an, von denen jedoch nur etwa die Hälfte brauchbar gewesen sei. Beiden Angaben entspricht der Umstand, daß nach der Schilderung der kriegerischen Ereignisse 20 bis höchstens 30 Linienschiffe gleichzeitig tätig waren. Die spanischen Seeoffiziere bewiesen sich tapfer, aber als Seeleute vielfach unfähig; die Mannschaften wurden aus allen Berufsarten gepreßt, schlecht gekleidet, verpflegt und bezahlt. Die Werften waren wenig leistungsfähig.

Die Schiffsverluste betrugen: 17 Linienschiffe und 5 Fregatten; die spanische Marine stand mithin beim Schluß des Krieges noch weit schwächer da als die französische.

England. Die völlige Vernachlässigung der französischen Marine von 1714 an wirkte dahin, daß man auch in England den Werften, der Erhaltung und dem Neubau der Schiffe nicht die bisherige Sorge zuwandte. Aber immerhin betrug 1739 der Bestand in Dienst gestellter oder zu Indienststellung bereiter Schiffe: 2 zu 100 Kanonen, 3 zu 90, 11 zu 80, 16 zu 70, 44 zu 50–60 Kanonen; also 81 Linienschiffe. Dazu traten 35 Fregatten zu 30–44 Kanonen und eine Menge kleinerer Fahrzeuge. Im ganzen waren 140 Schiffe mit mehr als je 20 Kanonen vorhanden. Die Hilfsmittel des Landes machten es leicht, die Flotte zu verstärken; schon 1744, beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich, waren 90 Linienschiffe und 84 Fregatten mit mehr als 20 Kanonen bereit.

Der Verlust im Kriege betrug: 13 Linienschiffe (nur zwei vom Feinde genommen), 10 Schiffe zu 20–44 Kanonen (2 davon genommen), 24 kleinere (4 genommen). Aber obgleich auch noch während des Krieges eine große Zahl von Schiffen als abgenutzt ausgemerzt wurde, war infolge von Neubau und Einstellung genommener Schiffe der Schiffsbestand um 1748 gewachsen auf: 4 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 18 zu 80, 24 zu 70, 6 zu 64, 33 zu 60, 36 zu 50 Kanonen; also 131 Linienschiffe. Weiter waren vorhanden: 42 Fregatten zu 44 und 84 zu 20–36 Kanonen und eine Menge kleiner Fahrzeuge; insgesamt zählte die Marine 313 Segel.

Die Fregatten mit 30–36 Kanonen waren sämtlich dem Feinde abgenommen worden; England selber hatte also noch keine „eigentliche Fregatte“ gebaut. Bemerkenswert ist ferner das Anwachsen der Zahl der Schiffe zwischen 20 und 44 Kanonen. Es war dies die Folge einer Denkschrift des alten Admirals Sir John Norris (siehe Band I), die auf den Mangel an Schiffen zum Schutz des Seehandels hinwies, als dieser große Verluste durch Freibeuter und Kreuzer erlitt, obgleich Englands „Flotten“ die See beherrschten.

Hieraus ergibt sich die große Übermacht Englands Frankreich und Spanien gegenüber schon um 1744; Spaniens Marine allein war in dem Kriege 1739–1744 der englischen gegenüber kaum zu rechnen und hatte bis 1777 schon mehrere Linienschiffe verloren (bei Cartagena, 1771, 6 sowie einige in Einzelgefechten beim kleinen Kriege in den europäischen Gewässern). Die französischen Schiffe und auch die neueren spanischen waren zwar teilweise den englischen der gleichen Klasse an Stärke der Armierung (Kaliber) überlegen, aber dafür war das englische Personal, wie erwähnt (Kapitel II), tüchtiger. Augenfällig aber ist das Überwiegen Englands gegen Ende des Krieges. Die Verbündeten hatten zusammen 38 Linienschiffe verloren und konnten trotz einiger Neubauten den 131 Schlachtschiffen der Engländer kaum über 50 entgegenstellen.

Troude (Teil I, Seite 323) beziffert den französischen Verlust auf nur 18 Linienschiffe; er hat vielleicht die Schiffe der indischen Kompagnie nicht mitgerechnet, denn Lacour-Gayet, eine neuere Quelle, gibt wie Charnock 22 an. — Chabaud-Arnault schreibt, 1747 seien 50 Linienschiffe vorhanden gewesen, davon neun im Bau. Wenn Frankreich auch wirklich zehn mehr gehabt hat, als Charnock angibt, so bleibt doch immer die große Übermacht Englands zu Ende des Krieges bestehen; übrigens führt auch hier Lacour nur 40 an, einschließlich zehn im Bau.