Holland[41]. Der völlige Verfall der Marine von 1713–1740 ist bereits erwähnt (Band I, Seite [500]). Der Schiffsbestand um 1741 betrug 1 Schiff zu 90 Kanonen (42 Jahre alt), 5 zu 72 (3 davon zwischen 1715 und 1719 erbaut), 8 zu 64 (davon 2 unbrauchbar, 2 im Bau), 15 zu 52–58, 13 zu 44, 1 zu 36, 6 zu 22, 2 zu 12–16 Kanonen. Weit über die Hälfte gehörten zur Admiralität Amsterdam. Es hielt schwer, Mannschaften, besonders Unteroffiziere, zu erhalten; die Schiffe waren schlecht im Stande, die Offiziere ungeübt und überaltert. Während des Krieges wurden 12 Linienschiffe und 5 leichte Fregatten gebaut, aber eine wesentliche Unterstützung konnte die holländische Marine der englischen zu keiner Zeit bieten. 1744 verlangte England auf Grund des seit langen Jahren bestehenden Vertrages die Gestellung von 15 Linienschiffen und 5 schweren Fregatten; doch war dies nur mühsam zu bewirken und auch nicht während des ganzen Krieges durchzuführen. Der jüngste und tüchtigste Admiral jener Zeit urteilt, daß die Schiffe von ihrer ungeübten Besatzung schlecht bedient, daß die Kommandanten und Offiziere, ja selbst der Flottenchef, ohne jede Erfahrung in Flottenmanövern seien.

Der Verlauf des Seekrieges[42].

Der Krieg in Westindien 1739–1744.

Ende Oktober 1739 erklärte England den Krieg an Spanien. Schon im Sommer hatte man mit der Mobilmachung begonnen, Mannschaften eingezogen, Schiffe in Dienst gestellt, die auswärtigen Stationen verstärkt und Kaperbriefe ausgegeben. Das Hauptaugenmerk richtete man auf die spanisch-amerikanischen Kolonien; hier war Spanien am leichtesten zu verwunden, hier hoffte man auf reiche Beute. Man sendete eine Expedition nach Westindien und eine nach dem Stillen Ozean; die letzte unter Kapitän George Anson ging jedoch erst im Herbst 1740 ab, dagegen segelte der Vizeadmiral Edward Vernon schon am 24. Juli 1739 nach Westindien.

Vernon, geboren 1684 und seit 1706 Kapitän, stand in dem Rufe, die Verhältnisse in Westindien, besonders die Schwächen der Spanier, genau zu kennen, da er mehrere Jahre ein Schiff dort geführt hatte. Im Parlament erklärte er wiederholt, er würde imstande sein, Puerto Belo mit sechs Schiffen zu nehmen. Da er nun sehr populär, anderseits aber durch Ausfälle gegen die Regierung dieser unbequem war, gab man ihm jetzt das Kommando, um ihn für einige Zeit loszuwerden. Mit Überspringung des Kontreadmiralgrades wurde er Vizeadmiral und führte mehrere Jahre das Oberkommando in Westindien; nach England zurückgekehrt, wurde er 1745 Admiral und Chef eines Geschwaders im Kanal. In dieser Stellung protestierte er in schroffer Weise gegen Verfügungen der Admiralität und veröffentlichte auch gehässige Artikel über die Leitung der Marine. Obgleich er sonst ein tüchtiger und eifriger Offizier war, wurde er 1746 von der Liste der Flaggoffiziere gestrichen. Er starb 1757.

Ihm unterstanden neun Schiffe, von denen jedoch vier an der spanischen Küste abgezweigt wurden, um zurückerwarteten spanischen Silberschiffen aufzulauern. Am 23. Oktober erreichte Vernon Jamaika und übernahm das Kommando der Station. Auf die Nachricht hin, daß in Puerto Belo — dem Ausgangshafen der Silberflotte, auf der Landenge von Panama gelegen — die Bergwerksausbeute des letzten Jahres bereits von Panama zur Einschiffung eingetroffen sei, segelte er am 5. November mit sechs Schiffen — 2 zu 70 Kanonen; 3 zu 60; 1 zu 50 — und 200 Soldaten dahin ab. In der Nacht vom 20. auf 21. November ankerte das Geschwader vor der Bucht von Puerto Belo und nahm die Stadt am 22.

Die Einnahme von Puerto Belo Im November 1739. Die Stadt liegt an der Südostecke einer kleinen Bucht, die westöstlich läuft, gleichmäßig etwa zwei Seemeilen lang und eine Seemeile breit ist. Die Einfahrt wurde beherrscht durch ein Fort auf der Nordostecke, die Stadt selber schützten zwei Forts; die Befestigungen waren ziemlich stark. Vernon beabsichtigte, sein Geschwader in Kiellinie in die Bucht segeln zu lassen; die ersten drei Schiffe sollten das äußere Fort unter Abgabe ihrer Breitseiten passieren und sich vor die Befestigungen der Stadt legen, die anderen drei Schiffe, auf deren erstem sich der Admiral befand, vor dem äußeren Fort ankern, alle ihre großen Boote, im Schlepp und mit Soldaten bemannt, zu einer Landung bereit halten. Am 21. morgens wehte jedoch östlicher Wind und der Plan konnte nicht genau durchgeführt werden, da die Schiffe in die Bucht aufkreuzen mußten. Um zwei Uhr nachmittags eröffneten die ersten drei Schiffe das Feuer auf das Fort an der Einfahrt, das anfangs lebhaft, aber bald schwächer antwortete. Der Admiral, der noch nicht ganz heran war, rief die Boote zu sich und gab den Befehl zum Landen. Dann trat das Flaggschiff in den Kampf ein, die Schützen in den Marsen vertrieben die Gegner aus den unteren Batterien des Forts, die Gelandeten drangen ein und waren bald Herren der ganzen Befestigung. Mittlerweile war es dunkel geworden, ohne daß die drei ersten Schiffe bis zur Stadt hatten gelangen können; sie waren nach Westen (aus der Bucht hinaus) getrieben und mußten vor Anker gehen. Auch die Schiffe des Admirals ankerten jetzt; das Flaggschiff und sein Hintermann wechselten während der Nacht mit den Stadtforts Schüsse, die jedoch nicht viel Schaden taten. Am 22. morgens gab Vernon Befehl an alle Schiffe, sich in der kommenden Nacht an Puerto Belo heranzuwarpen[43]. Dieser[61] neue Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, weil sich die Stadt nach längeren Unterhandlungen noch an diesem Tage ergab. Der englische Verlust betrug nur sieben Tote und einige Verwundete. (Genaueres über diese Unternehmung vgl. Clowes Seite 55 und Colomb Seite 322.)

Die Garnison zog mit vollen militärischen Ehren ab; Schonung der Stadt und des Privateigentums wurde zugesichert. Im Hafen lagen nur einige kleine Fahrzeuge, aber die Engländer erbeuteten etwa 10000 Dollar Staatsgelder, die Vernon sofort an seine Leute verteilte; die Befestigungen wurden geschleift. Im Dezember ging das Geschwader nach Jamaika zurück. Der Erfolg erregte großen Jubel in England, und die Regierung beschloß, möglichst bald noch einige Schiffe, zwei Regimenter Infanterie, sechs neuaufgestellte Regimenter Seesoldaten nach Westindien zu senden, sowie auch 3000 Mann von den nordamerikanischen Kolonien dorthin zu ziehen, um Vernon weitere und größere Unternehmungen zu ermöglichen. Es verging jedoch das ganze Jahr 1740, bis diese Verstärkung eintraf. Vernon blieb auf die schwachen Kräfte angewiesen, die genau seiner Forderung im Parlament entsprachen; er kam dadurch fast in eine üble Lage.

Im Sommer 1740 versuchte eine Abteilung von wenigen Soldaten, unterstützt durch kleinere Schiffe der nordamerikanischen Station, von Südcarolina aus die spanische Stadt St. Augustine in Florida zu nehmen. Es wurden zwar zwei kleine Befestigungen am St. Johnsflusse besetzt und vor der genannten Stadt auf einer Insel Fuß gefaßt, aber das Unternehmen mußte doch aus Mangel an Streitkräften aufgegeben werden.

Spanien scheint 1739 keine Seestreitkräfte von Bedeutung in Westindien gehabt zu haben; was dort war, geleitete unter Admiral Pizarro die Silberflotte dieses Jahres wohlbehalten heim. 1740 aber traf man Vorbereitungen, die Kolonien zu schützen, und rief Frankreich, gemäß dem bestehenden Vertrage, um Unterstützung an; der Kardinal Fleury sah sich trotz seiner Friedensliebe durch die öffentliche Meinung gezwungen, diesem Anspruch zu willfahren. Im Juli 1740 verließ ein starkes spanisches Geschwader (wahrscheinlich 12 Linienschiffe) mit den Galeonen, die jährlich nach Amerika zum Abholen der Silberschätze segelten, unter Admiral de Torres Cadiz; es lief zunächst Ferrol an, traf im September in Portoriko ein, besserte dort längere Zeit seine durch Sturm beschädigten Schiffe aus, landete dann Truppen in Cartagena, ließ hier sechs Schiffe unter Don Blas de Leso und ging endlich nach Havanna.