Frankreich sandte am 25. August von Toulon den Chef d'Escadre de la Rochalart mit 12 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Westindien ab (im Oktober in Martinique); ihm folgte am 1. September von Brest der Vizeadmiral des Atlantik d'Antin mit 14 Linienschiffen und 5 Fregatten. Von dem ersten Geschwader wurden in Gibraltar 4 Schiffe zurückgerufen, auch das zweite zweigte einige Schiffe zum Kreuzen an der spanischen Küste ab, von denen jedoch ein Teil bald wieder nachkam; die Vereinigung beider Geschwader fand im Dezember in St. Domingo statt, wo nun im Januar 1741 d'Antin über etwa 22 Linienschiffe verfügte. Die französisch-spanischen Streitkräfte in den westindischen Gewässern waren mithin außerordentlich stark, gegen 40 Linienschiffe.

Die Berichte über die Stärke und Bewegungen der französischen und spanischen Geschwader lauten unbestimmt. Einige führen ausdrücklich an, daß d'Antin die Spanier von Ferrol aus begleitet habe; dies stimmt aber nicht mit den Ankunftszeiten in Westindien, doch könnten sie durch einen Sturm, den auch die Franzosen erwähnen, getrennt sein. — Aus anderen Angaben muß man ferner schließen, daß außer de Torres noch ein spanisches Geschwader von Cadiz direkt nach Cartagena gegangen ist (5–6 Linienschiffe), und wir finden auch später sechs Linienschiffe in diesem Hafen und 12 in Havanna.

Vernon nahm nach Instandsetzung der Schiffe in Jamaika seine Tätigkeit wieder auf. Er beschoß im März 1740 aus Mörserbooten Cartagena, allerdings mit nur wenig Erfolg, aber dann auch Chagres (Landenge von Panama) und diese Stadt ergab sich; eine Beute von über 70000 Pfund Sterling fiel den Engländern in die Hände, die Befestigungen wurden geschleift. Im Juni machte er von Jamaika aus vergeblich den Versuch, ein spanisches Geschwader von 5 Schiffen (das eben erwähnte zweite Geschwader von Cadiz?) abzufangen, wurde aber durch Mangel an Vorräten aller Art festgehalten. Diese trafen zwar, von 2 Linienschiffen begleitet, im September ein, zugleich mit Truppen aus Nordamerika, aber der Admiral fühlte sich jetzt zu schwach, ohne die zugesagte große Verstärkung etwas zu unternehmen, nachdem er die Ankunft des spanischen Geschwaders (de Torres) in Cartagena und die des französischen (Rochalart) in Martinique erfahren hatte.

Die große Verstärkung hatte England im August verlassen, wurde aber durch Sturm zurückgetrieben und dann zurückgehalten, weil sie den nach Westindien entsandten französischen und spanischen Geschwadern gegenüber zu schwach an Linienschiffen erschien. Erst Anfang Oktober lief sie unter Kontreadmiral Sir Chaloner Ogle aus. Sie bestand aus 1 Schiff zu 80 Kanonen, 20 Linienschiffen der dritten Klasse, 4 der vierten Klasse, einigen Fregatten, Brandern und Mörserbooten; auf Transportern waren 9000 Soldaten (die erwähnten 8 Regimenter Infanterie und Seesoldaten, sowie technische Truppen) eingeschifft. Der Chef der Truppen, General Lord Cathart, ein sehr tüchtiger Offizier, starb leider auf der Ausreise zu Dominica, im Dezember; sein Nachfolger General Thomas Wentworth konnte ihn nicht ersetzen. Am 20. Januar 1741 traf die Flotte in Jamaika ein; eine derartig starke englische Macht war noch nie in Westindien aufgetreten, sie hätte sehr viel ausrichten können. Laird Clowes führt den Ausspruch eines älteren englischen Schriftstellers an: „Vernons Hände waren nicht gebunden, wie die der Admirale in den europäischen Gewässern. Wäre er sofort gegen Havanna vorgegangen, so würde er die Stadt vor der Orkanzeit genommen haben. Seine Instruktionen wiesen stark darauf hin, und seine Freunde in England rieten sehr dazu. Es wäre besser gewesen, wenn er strikte Befehle in dieser Hinsicht gehabt hätte.“ Von den Franzosen drohte ihm in der Tat keine Gefahr mehr. Der Verlust Havannas wäre ein großer Schlag für Spanien gewesen, aber die englischen Führer wählten einen anderen Platz zum Angriff.

Auf der Fahrt Ogles von Dominica nach Jamaika ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen Engländern und Franzosen. Auf der Höhe von Kap Tiburon (Westende von Haiti) sichtete die englische Flotte am 18. Januar 1741 vier große Schiffe; Ogle sandte sechs Linienschiffe zur Erkundung ab. Die Fremden heißten ihre Flagge, aber die Engländer argwöhnten, es seien Spanier, und gingen näher heran. Auf Anruf (um zehn Uhr abends) in englischer, dann in französischer Sprache erfolgte keine Antwort; nun griffen die sechs Engländer, weit schwerere Schiffe, die vier Franzosen an und es wurde mehrere Stunden scharf gefochten. Am andern Morgen entschuldigten die Engländer das Vorgehen mit dem Ausbleiben der Antwort auf ihren Anruf; die Franzosen behaupteten aber, Auskunft erteilt zu haben. — Ein ganz ähnlicher Fall trug sich in demselben Jahre in der Straße von Gibraltar zu. Vier Engländer stießen auf drei Schiffe, die auf Anruf antworteten, sie seien Franzosen, die aus Westindien zurückkämen. Als die Engländer ein Boot absandten, um sich davon zu überzeugen, wurde das Anbordkommen nicht erlaubt; auch hier folgte ein scharfes Gefecht von einigen Stunden[44].

Man kann über derartige Fälle kaum erstaunt sein. Bei der Haltung Frankreichs im allgemeinen waren die englischen Offiziere gewiß nicht geneigt, große Rücksicht auf die französischen Schiffe zu nehmen; die Franzosen ihrerseits waren sicherlich berechtigt, barsche Anforderungen zurückzuweisen.

Die Anwesenheit der großen französischen Flotte in Westindien hatte für Spanien nur den Nutzen, daß Vernon weder gegen die spanischen Kolonien noch gegen de Torres etwas unternahm, bis die große Unterstützung eintraf. Die französischen Quellen behaupten, daß d'Antin zwar den Befehl gehabt habe, die nach Westindien segelnden Schiffe und die Besitzungen der Spanier zu decken, aber nur zu fechten, wenn er selber angegriffen würde.

Englische Schriftsteller behaupten, der französische Admiral habe sich allein durch den Zustand seiner Schiffe zur Untätigkeit gezwungen gesehen; diese seien schlecht ausgerüstet und durch stürmisches Wetter auf der Fahrt von Europa sowie später von Martinique nach Haiti sehr beschädigt gewesen. d'Antin habe außerdem Rückberufungsbefehl erhalten, als der Österreichische Erbfolgekrieg drohte; Fleury hätte den Bruch mit England vermeiden wollen, das ja noch zwischen den Parteien schwankte. Diese Auffassung scheint richtig zu sein; auch die französischen Quellen heben den schlechten Zustand der Schiffe hervor, auf denen außerdem das gelbe Fieber herrschte, und sprechen mit Bedauern aus, Fleury habe bald nur noch dem bevorstehenden Landkriege Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich hätte ja auch der französische Admiral triftigen Grund gehabt, angriffsweise vorzugehen; hatten doch die Engländer am Kap Tiburon die Feindseligkeiten eröffnet und auch sonst französische Schiffe aufgebracht. Tatsächlich segelte d'Antin am 7. Februar 1741 von Haiti nach Frankreich ab und ließ nur 6 Linienschiffe unter Comte de Roquefeuil in Westindien zurück; er sah seine Aufgabe als gelöst an und war auch wohl von der bevorstehenden Ankunft der großen englischen Flotte unterrichtet.