Ruhm gewannen die Engländer bei diesem Unternehmen nicht. Moritz von Sachsen erhielt allerdings Befehl, Truppen nach der Bretagne zu werfen, doch inzwischen hatte er durch seinen Sieg bei Rocoux neue große Erfolge errungen und fühlte die Schwächung nicht. Bemerkenswert ist die berechtigte Klage französischer Quellen über die traurige maritime Verfassung Frankreichs, infolge deren eine so wichtige Küstenstadt fast widerstandslos gelassen war, und die nicht einmal starke feindliche Flotte wochenlang unter der Küste bleiben und mehrfach landen konnte, ohne von Brest oder Rochefort aus bedroht zu werden.

Im Mittelmeer beherrschten 1746 die englischen Seestreitkräfte, insgesamt etwa 30 Linienschiffe, die See und unterstützten das österreichisch-sardinische Heer bei der Einnahme von Genua und dem Vordringen in die Provence. Eine Flottille leichterer Fahrzeuge deckte im Dezember den Übergang über den Grenzfluß Var, die gegen 20 Linienschiffe starke Flotte zwang die Lerinischen Inseln zur Übergabe und beschoß die Stadt Antibes, die vom Heere berannt wurde. Die Franzosen setzten schleunigst die sehr vernachlässigte und nur schwach besetzte Stadt Toulon in notdürftigen Verteidigungszustand.

Im Jahre 1747 kam das Vordringen des verbündeten Heeres allerdings bald zum Stehen, da sich Genua in ihrem Rücken wieder empörte. Der Marschall Belle-Isle entsetzte dann am 3. Februar Antibes und trieb die Gegner über den Var zurück. Auch gelang es, trotz der englischen Flotte die Lerinischen Inseln im Mai wiederzunehmen, sowie einige Male über Corsica auf kleinen Fahrzeugen nach Genua Unterstützung zu bringen. Im allgemeinen blieben jedoch die Engländer bis zum Ende des Krieges (1748) Herren der See im Mittelmeer und hielten die spanischen und französischen Kriegsschiffe in ihren Häfen fest. Zur Unterbindung des Verkehrs zwischen Frankreich und Italien rüsteten sie eine große Anzahl kleinerer Fahrzeuge aus, die dicht unter der Küste kreuzten. Die Marinen ihrer Gegner unternahmen im Mittelmeer nichts. Französische Quellen sagen: „1748 war die Erschöpfung an Schiffen, Ausrüstungsgegenständen jeder Art, sowie an Personal in Toulon vollständig.“

Die beiden Seeschlachten bei Kap Finisterre 1747[56]. Auch in den atlantischen Gewässern wurde die französische Flotte in diesem Jahre völlig lahmgelegt. Die englische Admiralität scheint von nun an über die Absichten und Bewegungen des Feindes besser unterrichtet zu sein als bisher und war auch imstande, ihm kräftig entgegenzutreten. Zunächst hatten die Franzosen zwei Geschwader ausgerüstet, von denen das eine, 3 Linienschiffe, 2 Fregatten, unter dem Chef d'Escadre de la Jonquière etwa 30 Transporter von Brest nach Kanada begleiten, das andere, 3 Linienschiffe und einige größere Schiffe der ostindischen Kompagnie unter Grout de St. George, einem Offizier genannter Kompagnie, mit einigen Kauffahrern von Lorient nach Ostindien segeln sollte.

Beide Geschwader gingen im März 1747 in See, wurden jedoch durch Sturm genötigt, auf der Rhede von l'Ile d'Aix, zwischen der Mündung der Charente und der Insel Oléron, einem beliebten Anker- und Sammelplatz für größere Verbände, zu ankern. Sie beschlossen, der größeren Sicherheit halber, von hier aus vorläufig gemeinsam weiter zu segeln und liefen am 10 Mai aus. Ein Linienschiff unter Kapitän Bouvet de Lozier und 4 Ostindienfahrer des zweiten Geschwaders, die im Sturm abgekommen waren, hatten die Reise fortgesetzt und erreichten Indien. Von England waren Mitte April Vizeadmiral George Anson und Kontreadmiral Peter Warren mit 17 Schiffen in See gegangen; sie kreuzten auf der Höhe von Kap Finisterre und stießen am 14. Mai etwa 75 Seemeilen nordwestlich des Kaps auf die Gegner. Auffallenderweise haben die sonst bisher stets so gut unterrichteten Franzosen keine Kenntnis von der Anwesenheit Ansons in den spanischen Gewässern gehabt und in dem nun folgenden, höchst ungleichen Kampfe wurden sie vernichtend geschlagen.

Die erste Schlacht bei Kap Finisterre, 14. Mai 1747. Als die Gegner einander sichteten, standen die Engländer bei nördlichem Winde östlich von den Franzosen. De la Jonquière ließ durch eine Fregatte die Stärke des Feindes feststellen und befahl dann den Kriegsschiffen sowie den armierten Schiffen der Kompagnie, die Schlachtlinie zu bilden, der Konvoi sollte unter Deckung der einen Fregatte, eines kleineren Kriegsschiffes und eines Kompagnieschiffes mit raumem Winde das Weite suchen. Seine Linie bestand aus einem Schiffe zu 74 Kanonen (dem Flaggschiff Grouts), 1 zu 64 (das eigene Flaggschiff), 1 zu 52, 2 zu 50, 1 zu 40 und 5 Kompagnieschiffen zu 18–30 Kanonen.

Auch Anson hatte die Schlachtlinie angeordnet, sobald er aber die Schwäche des Feindes erkannte, befahl er „allgemeine Jagd“; seine Flotte — 1 Schiff zu 90, 1 zu 74, 9 zu 60–66, 3 zu 56, 1 zu 40 Kanonen sowie einige kleinere — ging nun ohne besondere Ordnung so schnell wie möglich an den Feind. Dieser blieb nicht lange in Ordnung; 2 Kompagnieschiffe brachen sofort aus, 2 andere sowie auch ein 50-Kanonenschiff strichen schon nach kurzem Kampfe die Flagge. So wurde es den Engländern leicht, die feindliche Linie an verschiedenen Stellen zu durchbrechen und den Rest der Franzosen von beiden Seiten anzugreifen. De la Jonquière gab nun den Befehl zum Rückzug mit raumem Winde; es folgte ein laufendes Gefecht in der Melée, in dem nach bewundernswerter Gegenwehr innerhalb von drei Stunden sämtliche französische Schiffe der Übermacht erlagen. Um 7 Uhr abends drehte Anson bei, ließ aber bis zur völligen Dunkelheit durch drei Schiffe den Konvoi verfolgen, wobei noch die beiden ausgebrochenen Kompagnieschiffe, das kleine Kriegsschiff und 6 Fahrzeuge des Konvois genommen wurden.

Der Verlust der Franzosen betrug also 5 Linienschiffe, 1 Fregatte, 1 Kriegsfahrzeug und 5 große Kompagnieschiffe. Von der tapferen Gegenwehr zeugten die großen Beschädigungen der Schiffe und der Verlust von 800 Toten und Verwundeten, unter den letzteren der Admiral und sein Flaggkapitän. Auch die Engländer büßten 520 Mann ein, aber die auf den feindlichen Schiffen gemachte Beute hatte einen Wert von 300 000 Lstrl.

Die zweite Schlacht erfolgte im Herbst. Am 6. Oktober 1747 verließen 250 nach Westindien bestimmte Kauffahrer die Rhede von l'Ile d'Aix; sie wurden gedeckt durch ein Brestgeschwader von 8 Linienschiffen, 1 Fregatte unter dem Chef d'Escadre de l'Etanduère[57]. Von England war am 20. August eine Flotte, 14 Linienschiffe und einige Fregatten, unter Kontreadmiral Edward Hawke[58] zum Abfangen des Konvois ausgesandt und sichtete ihn in der Biscaya am 25. Oktober — etwa 270 Seemeilen nördlich vom Kap Finisterre auf 47° 49′ Nordbreite. Der französische Admiral nahm den Kampf gegen den weit überlegenen Gegner auf, opferte seine Kriegsschiffe und rettete dadurch den Konvoi.

Die zweite Schlacht bei Kap Finisterre, 25. Oktober 1747. De l'Etanduère wußte um die Anwesenheit der englischen Flotte in der Nähe von Kap Finisterre. Er steuerte deshalb nach Verlassen der französischen Küste zunächst nordöstlich, um das Kap auf weitere Entfernung als sonst üblich zu umsegeln, wurde jedoch von zwei versprengten oder abgezweigten englischen Schiffen gesehen; diese riefen Hawke herbei. Als sich die Gegner am 25. Oktober in der Frühe sichteten, segelte der Konvoi mit raumem westlichen Winde zwischen zwei deckenden Kolonnen, von denen die eine in Lee aus den 8 Linienschiffen, die andere zu Luward aus einem 64-Kanonenschiff der westindischen Kompagnie, der Fregatte und 6 gut segelnden Kauffahrern bestand; diese Kolonnen sollten also wohl nur die große Zahl der Fahrzeuge zusammenhalten. Der Admiral gab dem Konvoi und der Luvkolonne den Befehl, sich in Lee der Linienschiffskolonnen zu begeben und dann nach NO hin auszuweichen; mit den Linienschiffen bildete er die Schlachtlinie über Steuerbordbug.