Der Krieg in den Kolonien 1744–1748[60].

Nordamerika. Mit der Kriegserklärung zwischen England und Frankreich entbrannten sogleich wieder die Kämpfe unter ihren Kolonien in Nordamerika. Die Franzosen waren hierbei die ersten auf dem Platze, obgleich um 1744 Kanada nur 50000 weiße Einwohner gegen eine Million — in den vier Neuenglandstaaten allein schon 400000 — in den englischen Kolonien zählte. Auch die militärische Macht Frankreichs war gering. Der Generalgouverneur von Kanada verfügte nur über 600 Soldaten und 1200 Milizen; die Grenzforts hatte man zwar verstärkt, aber ernsten Angriffen konnten sie kaum standhalten. Die Befestigungen Quebecs waren noch nicht vollendet. Als wirklich starke Festung konnte nur Louisbourg auf der Insel Breton gelten; hier standen 650 Soldaten und 800 Milizen.

Da aber die Kriegserklärung in Kanada weit früher bekannt wurde als in Neuengland, glaubte der Kommandant von Louisbourg, Duquesnel, dem Gegner durch Überraschung einen empfindlichen Schlag beibringen zu können. Er ließ im Mai 1744 den englischen Militärposten Canseau auf Neuschottland durch 400 Mann überrumpeln und die dortigen Fischereianlagen zerstören; der Versuch, sich auch der Stadt Annapolis, des ehemaligen Port Royal, zu bemächtigen, mißlang, die kleine Truppe mußte abziehen, als ein englisches Kriegsschiff sowie Verstärkungen aus Boston herankamen. Immerhin aber schien Neuschottland gefährdet, dessen Kolonisten vielfach zu Frankreich neigten, und auch die Wegnahme verschiedener englischer Handelsschiffe und Fischerfahrzeuge durch französische Freibeuter erregte die englischen Kolonien. Sie hatten anfangs keine kriegerischen Absichten und wären unter dem Einfluß religiöser Streitigkeiten, Zwiste der Kolonien mit den Gouverneuren sowie untereinander lieber neutral geblieben. Nur der Gouverneur von Massachusetts-Maine (Hauptstadt Boston), Shirley, hatte in Voraussicht eines Krieges Vorbereitungen getroffen und brachte jetzt auch die übrigen Neuenglandstaaten zu einem Angriff auf Louisbourg zusammen. Man bat die Regierung in England um Unterstützung durch Seestreitkräfte und zwar des schnelleren Eintreffens wegen durch die in Westindien stationierten; diesem Wunsche wurde entsprochen.

Die Einnahme von Louisbourg, Mai–Juni 1745. Louisbourg liegt am Eingange eines kleinen vorzüglichen Hafens an der Ostküste der Insel Breton. Die Umwallung der Stadt war für 148 Kanonen eingerichtet, von denen man jedoch nur 64 aufgestellt hatte. Dazu traten 2 Batterien mit 10 und 6 Mörsern, 2 Außenwerke mit 16 und 30 Kanonen (24-Pfünder), die auch den Landzugang deckten, sowie 2 Batterien zu 35 und 34 Kanonen (42-Pfünder), die den Hafen und seinen Eingang bestrichen[94] und deren eine auf einer kleinen Insel lag. Aber die Befestigungen auf der Landseite waren noch nicht ganz fertig, und das schlechte Material ihres Mauerwerkes konnte einer andauernden Beschießung nicht genügend widerstehen.

Die vier Neuenglandstaaten sammelten in Boston 4000 Mann Milizen unter dem Befehl Sir William Pepperels, eines reichen Kaufmanns in Maine, und führten diese, sobald die Nachricht vom Nahen eines Geschwaders eingetroffen war, Anfang April 1745 auf 80 Fahrzeugen, gedeckt durch 11 Freibeuter (zu je 20 Kanonen) nach Canseau. Hier wurden die Truppen eingeübt, bis zu Ende des Monats Kommodore Warren mit 4 Schiffen (1 zu 60, 3 zu 40 Kanonen) eintraf, zu denen im Laufe der Operationen noch einige stießen. In den ersten Tagen des Mai landeten dann die Engländer etwa vier Seemeilen südwestlich von Louisbourg in der Gabarusbucht; sie wurden nicht weiter belästigt, nachdem das Feuer ihrer kleineren Schiffe schwache feindliche Abteilungen vertrieben hatte.

Die Verhältnisse lagen für die Franzosen sehr ungünstig. Zunächst scheinen sie überrascht worden zu sein. In Frankreich hatte man zwar von dem beabsichtigten Angriff Wind bekommen und sofort eine der schnellsten Fregatten zur Benachrichtigung nach Louisbourg abgesandt, aber diese wurde durch die Freibeuter Pepperels gehindert, die Festung zu erreichen und ging nach Frankreich zurück. Ferner war einige Monate vorher infolge schlechter Behandlung und ungenügender Löhnungszahlung unter den französischen Soldaten eine nur mühsam unterdrückte Meuterei entstanden; der Kommandant wagte nicht, die unzuverlässigen Leute dem Feinde entgegenzuführen, um diesen am Landen und Festsetzen zu hindern. Endlich befanden sich auch die Befestigungen der Stadt — von den Franzosen stolz das „amerikanische Dünkirchen“ genannt — keineswegs in der Verfassung, die man nach den ungeheuren Ausgaben dafür (30 Millionen?) hätte erwarten müssen. Die beiden letzten Umstände waren dem Gouverneur Shirley bekannt und hatten ihn in seinem Plane bestärkt.

Die englischen Truppen nahmen die Belagerung auf, während die Schiffe den Hafen blockierten und jede Zufuhr abschnitten. Warrens Kräfte bestanden bald aus 3 Schiffen zu 60, 1 zu 50, 3 zu 40 Kanonen und mehreren kleineren, so daß er unbedingt Herr der See war. Er nahm verschiedene Schiffe, so auch ein Linienschiff zu 64 Kanonen, das Kriegsvorräte in die Stadt werfen sollte; dies war das einzige Kriegsschiff, das zur Unterstützung von Frankreich kam, nachdem die entsandte Fregatte die Nachricht vom Angriff dorthin überbracht hatte. Wahrscheinlich sah man sich außerstande, mehr zu senden, teils weil die Heimatshäfen blockiert wurden, teils weil in diesem Jahre zwei größere Divisionen nach Westindien abgegangen waren.

Warren versuchte, die Batterie auf der Insel mit Booten zu nehmen, aber der erste Angriff scheiterte infolge von Nebel und der zweite wurde blutig abgeschlagen, da die Franzosen die Besatzung beträchtlich verstärkt hatten. Dagegen erbaute die Flotte gegenüber der Stadt an der nur eine Seemeile breiten Einfahrt eine die Insel beherrschende Batterie, und die Truppen nahmen einige Werke der Landseite ein. In der Festung begannen Munition und Proviant knapp zu werden, auch erfuhr man, daß auf eine Unterstützung von der Heimat nicht zu rechnen sei, während die Belagerer Zufuhr an allem Nötigen erhielten. So kapitulierte denn die Stadt am 26. Juni, als die Belagerer nach wirksamer Beschießung einen allgemeinen Sturm vorbereiteten. Die Berennung hatte 44 Tage gedauert, 600 Bomben und 9000 Kugeln waren verfeuert; die Franzosen erlitten einen Verlust von 240 Toten, während die Engländer nur 100 Mann einbüßten.

Um Louisbourg besser als eigenen Stützpunkt verwerten zu können, entfernten die Engländer die gefangenen Soldaten sowie die Einwohner, schifften sie ein und landeten sie einige Monate später an der Küste der Bretagne. — In Anerkennung des Erfolges ward Pepperel die Würde eines Baronets verliehen und Kommodore Warren zum Kontreadmiral befördert.