Die Einnahme von Louisbourg gilt als eins der besten Beispiele für richtiges Zusammenwirken von Land- und Seestreitkräften bei Berennung einer Küstenstadt. Jede Waffe blieb in ihrem Wirkungskreise: die Landtruppen übernahmen die Hauptaufgabe; die Flotte versorgte, deckte und unterstützte sie. Der Fall der Festung hatte wichtige Folgen. Für England war es von großer Bedeutung, den Ausrüstungshafen für die Freibeuter, den Stützpunkt zur Beherrschung des Eingangs in den Lorenzgolf, genommen zu haben. Unter dem Eindruck des Erfolges bewilligten nun auch die Mittelstaaten reiche Geldmittel für den Krieg; das englische Parlament gestand den Kolonien den Ersatz ihrer Kosten für das Unternehmen zu und zeigte sich jetzt geneigt, einen Angriff auf Kanada tatkräftig zu unterstützen. Frankreich verlor mit der Stadt die ganze Insel Breton, auch fiel eine große Zahl von Handelsschiffen, die ohne Kenntnis der Ereignisse von Westindien nach Louisbourg kamen, in die Hände des Gegners, eine Beute von 25 Millionen Lstrl. Quebec befand sich in ernster Gefahr, seine Befestigungen wurden in Eile vervollständigt, sowie Bündnisse mit Indianerstämmen abgeschlossen, auch bat man dringend in Frankreich um Hilfe.
Wie bereits erwähnt, führte die Absicht auf der einen Seite, den Erfolg auszunützen, auf der andern, die Scharte auszuwetzen, im Jahre 1746 zu Rüstungen in den Marinen Englands und Frankreichs. Während aber die englische Unterstützung nicht abging, entsandte Frankreich, allerdings verzögert, eine große Expedition. Unter dem Befehl des Herzogs d'Anville verließen Ende Juni 1746 7 Schiffe zu 64 Kanonen, 4 zu 50–56, 3 Fregatten, 2 Korvetten und 52 Transporter mit 3500 Mann und reichem Kriegsmaterial Frankreich; man wollte Louisbourg wiedererobern, mit Hilfe der Kanadier ganz Akadien (vor allem Annapolis) wegnehmen und endlich Boston angreifen. Als Sammelplatz der gesamten See- und Landstreitkräfte war Chibouctu (das jetzige Halifax) bestimmt. Infolge verschiedener Umstände schlug das Unternehmen fehl; zwei vorausgesandte Kriegsschiffe trafen im Juli auf dem Sammelplatz ein, aber die große Flotte ließ lange auf sich warten und war dann leistungsunfähig.
Die Expedition d'Anvilles nach Kanada 1746. D'Anville war wohl nicht der geeignete Mann hierzu; zur Galerenflotte gehörig, deren Chef er zuletzt gewesen war, stand er der Hochseeschiffahrt fern. Die Ausrüstung der Expedition war sehr schlecht, teils infolge Geldmangels, teils weil sie dem Intendanten übergeben war, der durch seine Unzuverlässigkeit die erwähnte Meuterei in Louisbourg verschuldet hatte. Die Flotte verließ am 22. Juni Frankreich, erreichte aber erst am 10. September die Küste Neuschottlands. Hier wurde sie am 13. durch einen schweren Sturm zerstreut, der zwei Fregatten bis in die Mitte des Atlantiks trieb, von wo sie nach Frankreich zurückkehrten, einige Schiffe wurden bis zu den Antillen verschlagen. Die übrigen ankerten am 27. September vor Halifax. Sie befanden sich in traurigem Zustande; 800 Soldaten und 1500 Matrosen lagen krank an Skorbut und Pocken, der Rest konnte nicht vollen Dienst tun. D'Anville war am 25. einem Schlagfluß erlegen, unter seinem Nachfolger d'Estournelle wurde zunächst in einem Kriegsrate erwogen, ob man den Angriff auf Louisbourg durchführen oder die Kräfte zu einem solchen auf Annapolis sowie zur Deckung von Quebec teilen solle; der Streit hierüber erregte den erkrankten[96] Chef derart, daß er in Irrsinn verfiel und einen Selbstmordversuch machte. Der auf ihn folgende Oberbefehlshaber de la Jonquière raffte sich dann auf und führte Ende Oktober 4 Kriegsschiffe nebst einigen Transportern mit 1100 Mann gegen Annapolis. Als er aber Kap Sable umsegelte, litten die Schiffe sehr durch einen Sturm; er gab nun jede weitere Unternehmung auf und ging nach Frankreich zurück, wo nach und nach sämtliche Schiffe der Expedition, überfüllt mit Kranken, eintrafen.
Wenn so die Pläne Frankreichs scheiterten, Louisbourg wiederzunehmen und in Akadia einzudringen, hatte doch auch England mit seinen Absichten für das Jahr 1746 kein Glück. Unter Hinweis auf den allgemeinen Wunsch der Neuengländer, Kanada zu erobern, war es dem Gouverneur Shirley gelungen, die Kolonien und das Mutterland zu entschiedenem Vorgehen zu bewegen; die Nachrichten über Frankreichs Rüstungen, sowie über Angriffe der Kanadier auf die Grenzen hatten ihn dabei unterstützt. England versprach die Entsendung einer starken Flotte mit Truppen, um Quebec anzugreifen, gleichzeitig sollten die Milizen der Kolonien von New York aus zu Lande gegen Kanada vorgehen. Aber die Flotte blieb eben aus, nur einige Schiffe von Westindien unter Vizeadmiral Townsend trafen im Frühjahr ein; d'Anville würde diesem weit überlegen gewesen sein, wenn seine Flotte schlagfertig geblieben wäre. Als nun die französische Expedition erschien, sahen sich die Kolonien genötigt, die bei Albany am Hudson zum Vorstoß auf Kanada zusammengezogenen Milizen (10000 Mann) nach Akadia und nach Boston zu werfen. Man vermochte aber trotzdem nicht, die Kanadier völlig aus Neuschottland zu vertreiben, und mußte es außerdem hinnehmen, daß die Grenzgebiete der Staaten New York, Connecticut und Massachusetts durch die Franzosen sowie deren Indianerhorden fürchterlich heimgesucht wurden.
So war im Frühjahr 1747 die Lage für die Franzosen trotz ihrer geringen Zahl und trotz des Fehlschlagens der großen Expedition nicht ungünstig; kam jetzt rechtzeitig Hilfe aus Frankreich, so konnten die Pläne des Jahres 1746 noch ausgeführt werden. Bekanntlich war man in Paris hierzu entschlossen, aber das Geschwader de la Jonquières wurde bei Kap Finisterre durch Anson vernichtet (14. Mai). Später war dann Frankreich nicht mehr imstande, etwas für seine Kolonien zu tun, und Kanada hätte einem ernstlichen Angriff nicht widerstehen können, aber ein solcher erfolgte nicht; es kam in Nordamerika überhaupt nicht mehr zu größeren Feindseligkeiten. Die Kolonien waren nach dem Verrauchen ihres ersten Eifers ergrimmt über den Mangel an Unterstützung seitens des Mutterlandes. Sie beschuldigten dieses sogar, die Eroberung von Kanada gar nicht ernstlich zu wollen; tatsächlich scheint man in England durch die ungünstige Lage der Dinge in Indien zu sehr in Anspruch genommen und zum Frieden geneigt gewesen zu sein, um für Amerika noch weitere Aufwendungen zu machen.
Die Bedingungen des Friedens zu Aachen erregten die Entrüstung der englischen Kolonisten, da das durch ihre Milizen eroberte Louisbourg zurückgegeben wurde und nicht einmal die Grenzfragen Erledigung fanden. Sie sahen den Frieden geradezu als auf ihre Kosten geschlossen an; es soll allerdings in England die Ansicht laut geworden sein, daß nur die Furcht vor der Nachbarschaft der Franzosen die Kolonien noch an das Mutterland fessele, und daß man deshalb gut tue, sie nicht durch die Eroberung Kanadas noch mächtiger und übermütiger zu machen.
Westindien. Wie bereits erwähnt (Seite 70), behielt Westindien nach Ausbruch des förmlichen Krieges zwischen England und Frankreich 1744 als Kriegsschauplatz nicht mehr die Bedeutung, die es während des Krieges zwischen England und Spanien allein gehabt hatte. Engländer wie Franzosen sandten zwar des öfteren nicht unbedeutende Seestreitkräfte in diese Gewässer, doch hatte keine Partei jemals eine derartig überlegene Flotte draußen, um größere Schläge zu planen. Es muß besonders für England wundernehmen, daß es in den nächsten Jahren nicht imstande gewesen ist, die volle Seeherrschaft zu erringen. Aber die Streitkräfte der Jamaikastation waren meistens denen der Spanier bei Kuba und denen der Franzosen bei Haiti nur eben gewachsen und die Antillenstation war häufig sogar schwächer; von dieser wurden in den Jahren 1745 und 1746 mehrfach Geschwader zur Verwendung in Nordamerika abgezweigt.
So beschränkten sich denn die Gegner darauf, die eigenen Besitzungen, sowie abgehende und ankommende Konvois zu decken und den Verkehr des Feindes zu stören. Die Engländer waren wohl häufiger die Angreifer, und es gelang ihnen auch zuweilen, größere französische Konvois zu nehmen oder doch zu zerstreuen, mehrfach aber glückte es auch den Franzosen, Handelsgeschwader hinaus- oder heimzuführen. Hierin zeichnete sich besonders der Kapitän de Conflans aus; 1745 machten sie sogar einen Angriff auf die Insel Anguilla und landeten 600 Mann, die jedoch von den Einwohnern selber zur Wiedereinschiffung gezwungen wurden, obgleich diese nur über 100 Bewaffnete geboten. Auf die Bewegungen der kleinen Geschwader und der Konvois sowie auf die unbedeutenden Zusammenstöße näher einzugehen, würde ermüden; man findet sie in den Spezialquellen (z. B. Clowes, Band III, Troude, Band I, Lacour, Band I). Der Kleine Krieg, die Schädigung des feindlichen Handels durch Freibeuter und einzelne Kriegsschiffe, dürfte — wie es bis 1744 der Fall gewesen, weil die Engländer ihre Kräfte damals zu den Unternehmungen gegen spanische Städte zusammenhielten — weiter zu ihrem Nachteil ausgefallen sein, solange sich die Seestreitkräfte der Gegner ungefähr die Wage hielten, da der größere englische Handel eben mehr Angriffsgelegenheiten bot.
Erst im letzten Jahre des Krieges wurde es anders, als die Marine Frankreichs lahmgelegt war. Das Jahr 1748 bringt denn auch größere Unternehmungen der Engländer, und zum ersten Male seit langer Zeit läßt die spanische Flotte wieder von sich hören, und zwar Günstiges.
Angriffe der Engländer auf Port Louis und Santiago de Cuba. Im Februar 1748 verließ Kontreadmiral Knowles mit 7 Linienschiffen, 1 Schiff zu 50 Kanonen und 2 kleineren Jamaika, um Santiago de Cuba anzugreifen. Andauernde nördliche Winde hinderten ihn jedoch, dieses Ziel zu erreichen und er wandte sich gegen Port Louis an der Südküste Haitis. Hier konnten die Schiffe auf Pistolenschußweite an die Befestigungen herangeführt werden und kämpften diese bald nieder. Den 257 Kanonen einer Breitseite des englischen Geschwaders standen nur 78 in den Werken gegenüber; der Angriff eines spanischen Branders wurde durch Boote abgeschlagen, zwei andere Fahrzeuge dieser Art vernichtete man auf ihren Liegeplätzen, ehe sie zum Angriff kamen. Die Stadt kapitulierte am 8. März; die Angreifer hatten 70 Tote und Verwundete verloren, die Spanier 160 von den 600 Mann der Garnison. Dann segelte Knowles nach Santiago de Cuba. Dies war stärker befestigt als zur Zeit der Berennung durch Vernon. Trotzdem wollte Knowles die Einfahrt erzwingen, mochte auch Vernon der Windverhältnisse wegen einen derartigen Versuch für aussichtslos gehalten haben. Als jedoch die dazu bestimmten Schiffe festgestellt hatten, daß die Einfahrt mittels einer Floßsperre und dahinter bereitgehaltener Brander verteidigt war, gab man die Angriffe auf und kehrte nach Jamaika zurück.