Das Gefecht vor Havanna, 1. Oktober 1748. Später erfuhr Knowles, daß in Havanna die Silberflotte von Vera Cruz erwartet würde. Er ging mit 5 Linienschiffen in See und kreuzte bei den Tortugasbänken. Kurz vorher hatte ein nach England bestimmter Konvoi, gedeckt durch ein Linienschiff, Jamaika verlassen und war wegen der Windverhältnisse gleichfalls durch die Floridastraße gesegelt, anstatt wie üblich durch die Windwardpassage. Dieser Konvoi traf am 29. September auf ein spanisches Geschwader; der Führer des Linienschiffes befahl seinen Schutzbefohlenen, sich zu zerstreuen, während er selber Knowles aufsuchte und auch schon am nächsten Tage fand. Das englische Geschwader — 1 Schiff zu 80 Kanonen (das Flaggschiff), 1 zu 70, 4 zu 60, 1 zu 50 — stieß am 1. Oktober zwischen den genannten Bänken und Havanna auf das spanische — 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 4 zu 64, 1 Fregatte zu 36 unter Kontreadmiral Spinola — griff sofort an und trug den Sieg davon.

Die Spanier nahmen den Angriff in guter Ordnung, Kiellinie beim Winde, auf, während von den Engländern zwei Schiffe noch zurückstanden; als um 2 Uhr nachmittags das Nahgefecht begann, scheint der Kampf anfangs nicht günstig für die Engländer verlaufen zu sein. Das englische Flaggschiff wurde von dem spanischen so warm empfangen, daß es schon nach einer halben Stunde die Linie verlassen mußte. Während es ausbesserte, trieb durch Zufall auch ein beschädigtes spanisches Schiff (64 Kanonen) in seine Nähe und wurde nun nach hartnäckiger Verteidigung durch das weit überlegene englische genommen. Dieser Erfolg wird besonders dem Umstande zugeschrieben, daß der Spanier dreimal durch Mörserfeuer[61] des Engländers in Brand geschossen wurde. Inzwischen hatten die zurückgebliebenen englischen Schiffe in[99] den Kampf eingegriffen und der spanische Admiral brach um 8 Uhr abends das Gefecht ab. Die Spanier verloren 86 Tote und 197 Verwundete, die Engländer 59 und 120. Erstere erreichten Havanna, büßten aber noch ein zweites Schiff ein, das wegen seiner Beschädigungen vor dem Hafen ankern und zwei Tage später verbrannt werden mußte, als sich die Engländer näherten.

Der Sieg war aber bei etwa gleichen Kräften für die Engländer ungewohnt schwer zu erringen gewesen. Admiral Knowles wurde denn auch vor ein Kriegsgericht gestellt unter der Anklage, angegriffen zu haben, ehe sein Geschwader zusammen und in der vorgeschriebenen Ordnung gewesen sei (also ähnlich wie Mathews bei Toulon). Er kam aber mit einem Verweise davon, obgleich man ihm auch noch vorwarf, daß er nach dem Ausfall seines Flaggschiffes nicht auf ein anderes Schiff übergegangen sei.

Nach dem Gefecht kreuzte das Geschwader weiter, um die Silberflotte abzufangen, bis der Befehl eintraf, die Feindseligkeiten wegen bevorstehenden Friedensschlusses abzubrechen.

Ostindien[62]. Hier stand Frankreichs Sache vor Ausbruch des Krieges sehr günstig. Die französische Kompagnie schien der englischen den Rang ablaufen zu wollen; um 1740 beschäftigte sie 40 Schiffe, und auch der Handel mit China hatte bedeutend zugenommen. Ihr Besitz bei Pondichery war unter dem Gouverneur Dumas in den Jahren 1739–1741 auf friedlichem Wege durch Gewinnung der Stadt Karikal bei Negapatam sehr erweitert; die Station Chandernagor am Ganges hatte unter Dupleix große Fortschritte gemacht; die Inseln Isle de France und Bourbon waren unter Labourdonnaye leistungsfähige Stützpunkte auf dem Wege nach Indien geworden. 1741 übernahm Dupleix an Stelle des erkrankten Dumas die Station Pondichery; in ihm und Labourdonnaye besaß Frankreich bei Ausbruch des Krieges zwei hervorragende Männer in Indien. Wenn diese in richtiger Weise zusammengearbeitet hätten und von der Heimat genügend unterstützt worden wären, so hätten sie die englischen Niederlassungen vielleicht zugrunde richten können, beides aber traf nicht zu.

Bertrand François Mahé de Labourdonnaye, Offizier der ostindischen Kompagnie und seit 1735 Gouverneur der Maskareneninseln, befand sich 1740 in Frankreich. Da der Krieg mit England vorauszusehen war, stellte er der Regierung vor, wie wichtig es sei, sich bei dessen Ausbruch mit starken Seestreitkräften sofort die Herrschaft in den indischen Gewässern zu sichern, um den Handel Englands lahmzulegen und die englischen Besitzungen wegzunehmen. Die Regierung ging hierauf ein und bewirkte, daß ihm die Kompagnie bei seiner Rückreise (April 1741) fünf große wohl ausgerüstete Schiffe mit 1200 Seeleuten zur Verfügung stellte. Dieses Geschwader sollte auch alsbald nützlich werden; mit seiner Hilfe wurde im Dezember 1741 Mahé befreit, das auf Betreiben der Engländer durch einige indische Fürsten bedroht war. Als aber Labourdonnaye dann wieder in Isle de France eintraf, erhielt er Befehl, die Schiffe nach Frankreich zurückzusenden. Die Kompagnie war nämlich dem Kriege abgeneigt. Sie hoffte, sich mit der englischen Kompagnie über Neutralität zu einigen;[100] sie fürchtete auch wohl, von der eigenen Regierung zu abhängig zu werden, wenn die Gouverneure, wie es bei Labourdonnaye geschehen war, zuviel Gewalt über die Beamten der Kompagnie erhielten. Die Regierung, schwankend, wie sie unter Ludwig XV. stets war, ließ sich davon überzeugen, daß sich bei dem Interesse, das beide Kompagnien am Frieden hätten, ein Kampf in Indien sicher vermeiden lassen würde. So sah sich Labourdonnaye bei Ausbruch des Krieges auf seine eigenen Kräfte angewiesen.

Der Gouverneur Joseph François Dupleix, Sohn eines Direktors der Kompagnie und in deren Verwaltungsdienste aufgewachsen, hatte gleichfalls große Pläne. Er beabsichtigte, ohne die Handelsbeziehungen außer acht zu lassen, in Indien ein Reich zu gründen, in dem Frankreich über eine große Anzahl eingeborener Vasallenfürsten herrschen sollte. Aber auch dieser Plan fand keinen Anklang bei der Kompagnie. Sie wollte sich möglichst auf den Handel beschränken und fürchtete auch wohl, daß ein derartiges Vorgehen die Erhaltung des Friedens unmöglich machen würde. 1743 erhielt Dupleix den Befehl, alle Ausgaben für Bauten, Befestigungen usw. tunlichst einzuschränken. So war auch er auf eigene Kraft allein angewiesen; die von ihm auf höhere Anordnung 1744 eingeleiteten Unterhandlungen mit dem englischen Gouverneur in Madras behufs eines Neutralitätsabkommens wurden abgelehnt, da die Engländer eine Flotte erwarteten.

Labourdonnaye und Dupleix gerieten im Verlauf der Ereignisse durch eine ernste Meinungsverschiedenheit über die Maßregeln zur Durchführung des Kampfes in Zwiespalt. Labourdonnaye sah als Seeoffizier den Kampf um die Seeherrschaft als die erste und wichtigste Aufgabe an, Dupleix hatte mehr die Eroberungen am Lande im Auge. Es ist wohl sicher, daß die Seeherrschaft nicht nur für den Krieg, sondern auch für die großen Pläne Dupleix' überhaupt nötig war; auch ein französischer Autor, der sonst diese Pläne hoch einschätzt, Henry Martin, sagt in seiner „Histoire de France“: „Schwäche zur See war der Hauptgrund, der die Fortschritte Dupleix' hemmte.“

Anfangs waren beide Männer von feurigem Patriotismus beseelt, einig, und beide bereiteten sich mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf den Krieg vor. Dupleix befestigte auf eigene Faust und zum Teil auf eigene Kosten Pondichery und knüpfte enge Verbindungen mit indischen Fürsten. Der Nabob von Carnatic erklärte infolgedessen, daß Pondichery unter dem Schutz des Mogul stehe und daß dieser jeden Angriff der Engländer auf französische Besitzungen an der Koromandelküste verbiete, aber allerdings auch die Franzosen hindern werde, gegen die englischen Niederlassungen vorzugehen. Labourdonnaye hielt in Isle de France alle Schiffe an, rüstete die dazu geeigneten so gut wie möglich zum Kriegsdienste aus und bildete sich aus den Besatzungen Kriegsschiffsmatrosen sowie Soldaten heran. Da dies jedoch geraume Zeit erforderte und da auch die Engländer sich vorläufig noch nicht stark genug zum Angriff fühlten, verliefen die Jahre 1744 und 1745 ohne besondere Ereignisse. Die englische Kompagnie hatte wohl die Absicht gehabt, gegen Pondichery vorzugehen, gab sie jedoch infolge der Drohung des Nabob von Carnatic auf; ein englisches Geschwader unter Kommodore Barnet, das 4 Linienschiffe und 2 Fregatten stark 1744 eingetroffen war, begnügte sich damit, im Golf von Bengalen französische Schiffe aufzubringen und Pondichery von der See abzuschneiden.

Als Anson nach England zurückgekehrt war, sandte man Barnet den Befehl, wenn möglich auch 1744 die spanische Galeone wegzufangen, die jährlich zwischen Manila und Mexiko fuhr, wie es ersterem 1743 geglückt. Die Verhältnisse in Indien gestatteten aber dem Kommodore nicht, sich so weit zu entfernen, jedoch es gelang ihm im Januar 1745, in der Bankastraße drei große Schiffe der französischen Kompagnie zu nehmen, deren bevorstehende Rückkehr von China man erfahren hatte.