Dupleix war jetzt Herr des eroberten Madras und blieb es während der Dauer des Krieges trotz verschiedener Bedrohungen. Schon Ende des Monats Oktober sandte der Nabob von Carnatic, durch die Engländer veranlaßt, ein Heer von 10000 Mann, da die Franzosen keine Miene machten, die Stadt auszuliefern; Dupleix würde dies getan haben, wenn Labourdonnaye die Befestigungen geschleift hätte, so aber fürchtete er, daß sie wieder in die Hand der Engländer fielen. Er befahl indes, einen Zusammenstoß mit den Indern zu vermeiden. Als diese dann aber eine französische Verstärkung von 1000 Mann auf ihrem Marsche von Pondichery nach Madras angriffen, wurden sie am 4. November blutig zurückgewiesen; dies war der erste entscheidende Sieg von Europäern über Truppen des Mogul. Nun fühlte sich Dupleix sicher in Madras; er erklärte den Vertrag Labourdonnayes für ungültig, beschlagnahmte aufs neue Vorräte und Waren und wies die Engländer aus, die Frankreich nicht huldigten. Diese zogen nach Fort St. David ab.
Angriff der Franzosen auf Fort St. David 1747. Hier und in der benachbarten Stadt Cuddalore befand sich jetzt die englische Verwaltung der Koromandelküste, und von hier aus wurde weiter gegen die Franzosen beim Nabob intrigiert. Dupleix wollte deshalb diese letzten englischen Plätze nehmen. Er sandte im Dezember 1746 von Pondichery 1600 Mann mit 12 Geschützen ab; wider Willen mußte er den Befehl dem General de Bury, als dem dienstältesten Offizier, übertragen, einem wenig befähigten und überalterten Manne. Die Engländer verfügten nur über 300 Europäer und 1000 Inder; sie würden wohl unterlegen sein, aber de Bury ließ sich durch den Nabob überfallen und zum Rückzug nötigen.
Als im Januar 1747 die Schiffe von Atchin zurückkamen, hätte ein Angriff wohl Erfolg gehabt, Dupleix sah aber, wohl im Hinblick auf die geringe Befähigung seines Generals, vorläufig davon ab. Er benützte zunächst die Anwesenheit der Schiffe zur Einschüchterung des Nabobs. Dieser, trotz des letzten Erfolges entmutigt und des Krieges müde, ließ sich auch bestimmen, auf die Rückgabe der Stadt Madras zu verzichten und sich von den Engländern loszusagen. Nun erst beschloß Dupleix, vorzugehen. Die Schiffe, die den englischen Seestreitkräften doch nicht gewachsen gewesen wären, schickte er zwar nach Goa, aber er setzte beim Rate die Ernennung eines jungen und befähigten Offiziers — des Schweizer Paradis, von Beruf Ingenieur — zum Oberbefehlshaber durch und ließ ihn am 13. März gegen St. David marschieren. Der günstige Augenblick war jedoch verpaßt. Als die Truppen vor dem Fort erschienen, fanden sie auf der Rhede ein starkes englisches Geschwader — 3 Schiffe zu 60, 3 zu 50, 3 zu 40, 1 zu 20 Kanonen — vor; zu den Schiffen in den bengalischen Gewässern war nämlich kurz vorher eine Verstärkung unter Kontreadmiral Thomas Griffin gestoßen, der auch den Oberbefehl an Peytons Stelle übernommen hatte. Paradis mußte nach Pondichery zurück, das nun selber bedroht schien. Die Engländer fühlten sich jedoch zu einem Vorgehen auf dem Lande zu schwach und begnügten sich damit, die französischen Besitzungen von der See abzuschneiden. Dupleix beorderte seine Schiffe in Goa nach Isle de France, um dort Verstärkungen zu suchen. So verging das Jahr 1747 ohne besondere Ereignisse.
Im Juni 1748 erschien ein französisches Geschwader, 9 Schiffe stark, von Isle de France an der Koromandelküste; es bestand aus den bei der Insel bereits befindlichen Schiffen und den fünf, die unter dem Befehl des Kapitäns Bouvet de Lozier der Vernichtung bei Kap Finisterre (vgl. Seite [88]) entgangen waren. Wieder überwog das englische Geschwader an Gefechtswert, aber Bouvet gelang es, durch geschickte Manöver, den englischen Führer Griffin zu täuschen. Er landete unbelästigt 300 Mann, Vorräte sowie eine größere Geldsumme in Madras und kehrte dann nach Isle de France zurück, weil er Kenntnis von der bevorstehenden Ankunft eines weiteren starken englischen Geschwaders hatte. Während Griffin in See gewesen war, um Bouvet zu treffen, hatte Dupleix den Versuch gemacht, St. David zu überrumpeln; er mißlang, da der neue Kommandant, Major Lawrence, kurz zuvor mit geringen Verstärkungen aus England eingetroffen, auf seiner Hut gewesen war.
Angriff der Engländer auf Pondichery 1748. Jetzt wurde die Lage der Franzosen in Indien bedenklich. Sie waren von Frankreich abgeschnitten und konnten bei dem Zustand der Marine keine Verstärkung ihrer Seestreitkräfte mehr erwarten; der Gegner beherrschte die See und sah neuem Zuzug entgegen. Wäre der letzte Überfall auf St. David gelungen, so hätten die Engländer wenigstens keinen Stützpunkt am Lande gehabt. Aber Dupleix verlor den Mut nicht. Er befestigte Pondichery weiter und schuf zwei Meilen von der Stadt einen wichtigen Außenposten, Ariancopan, den er Paradis unterstellte.
In England hatte der Fall von Madras Empörung erregt und nicht nur die Kompagnie, sondern auch die Regierung zu großen Aufwendungen veranlaßt. Ende 1747 ging Kontreadmiral Boscawen mit 10 Linienschiffen sowie 11 Schiffen der Kompagnie, die viele Vorräte und 1500 Soldaten an Bord hatten, in See; am Kap der Guten Hoffnung schlossen sich 6 Schiffe der holländisch-ostindischen Kompagnie mit 400 Mann an. Eine derartig große europäische Flotte hatte der Osten bisher noch nicht gesehen.
Boscawen sollte zunächst die Inseln Isle de France und Bourbon wegnehmen. Er erschien am 4. Juli 1748 vor Isle de France, da er jedoch nach seinen Erkundungen die Insel für zu stark befestigt und besetzt hielt, segelte er drei Tage später nach Indien weiter, zumal da die Jahreszeit für Unternehmungen an der Koromandelküste schon reichlich vorgerückt erschien. Allerdings hatte man in Isle de France alles mögliche für die Befestigungen getan, aber es standen nur 500 Soldaten und 1000 Seeleute zur Besetzung bereit; ein Angriff wäre mithin nicht aussichtslos gewesen. Am 11. August erreichte die Flotte St. David und vereinigte sich mit dem dort schon befindlichen Geschwader. Nachdem man einige Schiffe von diesem, die schon lange draußen waren, heimgesandt und einige andere zu besonderen Zwecken abgezweigt hatte, verfügte Boscawen an Kriegsschiffen über 1 zu 74, 1 zu 64, 4 zu 60, 4 zu 50, 4 zu 8–24 Kanonen und mit den vielen armierten Ostindienfahrern insgesamt über 30 gefechtsfähige Segel. Am Lande standen, einschließlich der Seesoldaten der Schiffe, gegen 5200 Mann Fußtruppen (darunter 3700 Europäer) und etwa 2000 eingeborene Reiter. Dupleix hatte nur 1800 Europäer und 3000 Inder. Trotzdem wurde der Angriff auf Pondichery abgeschlagen.
Admiral Boscawen leitete den Angriff am Lande. Am 18. August rückten die Truppen von St. David gegen Pondichery vor und schlossen die Stadt ein, die durch die Flotte unter Kapitän Lisle blockiert wurde. Dupleix verteidigte sich mit größter Bravour und verlor auch den Mut nicht, als Truppen des Nabob zu den Engländers stießen (wohl die schon erwähnte indische Reiterei). Ein Angriff auf das Außenwerk Ariancopan wurde blutig zurückgeschlagen und bei einem Ausfall aus ihm sogar der tüchtigste englische Offizier, Major Lawrence, gefangen genommen; leider fiel auch Paradis dabei. Das Fort mußte dann allerdings infolge einer Explosion geräumt werden; die weitere Berennung der Stadt machte jedoch keine Fortschritte, obgleich sich noch die Flotte an der Beschießung beteiligte. Die Schiffe konnten des flachen Wassers halber nicht nahe genug herankommen; die englischen Quellen schieben die Schuld im übrigen auf die Unfähigkeit der Landoffiziere, insbesondere der Ingenieure. Als die Regenzeit einsetzte und die Truppen schwer unter Krankheit litten, mußten die Engländer die Belagerung aufgeben; sie gingen am 14. Oktober nach St. David zurück. Die Franzosen hatten 200 Europäer und 50 Eingeborene verloren, die Engländer büßten 1065 Tote ein. Bemerkenswert ist, daß bei dieser Belagerung der Fähnrich Clive, der später so berühmte Gouverneur von Indien, zuerst von sich reden machte.
Dieser Mißerfolg war ein großer Schlag für die Engländer. Das Ansehen der Franzosen, insbesondere des Generalgouverneurs Dupleix, wuchs bei den eingeborenen Fürsten ungemein; viele dieser sandten Glückwünsche. Dupleix rüstete nun seinerseits wieder zum Angriff. Zu Anfang des Jahres 1749 trafen 200 Soldaten sowie einige Geldmittel von Frankreich ein, auch kamen 7 Schiffe von Isle de France nach Madras; ehe jedoch die Feindseligkeiten wieder aufgenommen wurden, erhielt man Kenntnis vom Friedensschluß. Die englische Flotte, die nach der Belagerung von Pondichery während der schlechten Jahreszeit nach Atchin und Ceylon gegangen war, kehrte im Januar 1749 gleichfalls nach St. David zurück; sie beschränkte sich jedoch, von dem Frieden schon unterrichtet, auf die Beobachtung des französischen Geschwaders in Madras.
Im Frieden zu Aachen wurde, wie schon bekannt, Madras gegen Louisbourg an England ausgeliefert. Die Übergabe erfolgte im August 1749 und war ein schwerer Schlag für Dupleix, der schon bedeutende Mittel für bessere Befestigung aufgewendet hatte. Die Engländer ernteten nun die Früchte seiner Arbeit und besetzten auch sogleich noch den ehemalig portugiesischen Platz Sao Tomé, vier Meilen südlich von Madras gelegen.