Im übrigen Indien waren kriegerische Ereignisse nicht vorgekommen. In Bengalen, wo beide Völker Niederlassungen in naher Nachbarschaft besaßen, hatte dies der Nabob des Moguls verhindert; er erhob von beiden Seiten Kontributionen, von den Engländern etwa 100000 Lstrl. Der Handel der englisch-ostindischen Kompagnie hatte sich während des Krieges sogar gehoben, da die englischen Seestreitkräfte den der anderen Staaten lahmlegten. Die englische Ausfuhr nach Indien stieg von 568000 Lstrl. (1745) auf 834000 Lstrl. (1748).

Der Kleine Krieg.

Über den Kampf um den Handel — Schutz des eigenen, Schädigung des feindlichen — im Österreichischen Erbfolgekriege enthalten die Quellen nicht so genaue Angaben wie bisher. Gelegentliche Andeutungen rufen den Eindruck hervor, als ob diese Art der Kriegführung nach der langen Friedenszeit auf beiden Seiten nicht mit der gleichen Tatkraft betrieben worden sei wie in den früheren und auch wieder in den nächstfolgenden Kriegen[66]. In Frankreich fehlt das planmäßige Vorgehen mit eigens dazu gebildeten Divisionen, wie es die Minister Pontchartrin, Vater und Sohn, in den Kriegen 1688–1697 und 1702–1713 vorbereitet hatten; die Marine war bei ihrer jetzigen Schwäche durch die Bestrebungen zum Schutze der Kolonien vollauf in Anspruch genommen.

Auch England leistete im Kleinen Kriege nicht das, was man bei seiner Überlegenheit zur See hätte erwarten können; hier lag der Grund wohl in der zur Zeit herabgesetzten Leistungsfähigkeit der Marine. Der Kampf um den Handel in Westindien wurde, wie erwähnt, englischerseits nicht mit genügender Kraft durchgeführt, weil man bis 1744 die Seestreitkräfte zu schließlich doch unfruchtbaren Unternehmungen gegen spanische Niederlassungen zusammenhielt und weil man nach diesem Jahre den vereinigten Gegnern nicht überlegen genug war, um die See zu beherrschen.

Aber auch in den europäischen Gewässern waren die englischen Seestreitkräfte sowohl während des Krieges mit Spanien allein, wie später an der spanischen Küste und im Mittelmeer nicht imstande, den eigenen Handel genügend zu schützen; im Kanal und in der Biscaya war dies ja bei der günstigen Lage französischer Häfen als Stützpunkte für Kreuzer und Freibeuter auch früher schon schwierig gewesen. Erst von 1747 an wurde es überall leichter, als die Marine Frankreichs vom Meere verschwunden und auch seine Kaper größtenteils weggefangen waren. „20000 Matrosen, die Besatzungen der Freibeuter,“ sagt Bonfils, „schmachteten in englischen Gefängnissen.“ Andrerseits war nach und nach frischeres Leben in die englische Marine gekommen und man hatte die Zahl der für den Kleinen Krieg besonders geeigneten Schiffe wesentlich vermehrt.

Damit soll nun aber keineswegs gesagt sein, daß der Kampf um den Handel keine bedeutende Rolle in diesem Kriege gespielt habe. Bei der Schilderung der kriegerischen Ereignisse sind die Operationen und Kämpfe um größere Konvois bereits zur Sprache gekommen. Von beiden Seiten kreuzten außerdem zahlreiche Kriegsschiffe und Freibeuter, und in Frankreich wurden, wie schon in den früheren Kriegen, Schiffe der königlichen Marine Privatpersonen zu diesem Zwecke überlassen. Die Verluste an Handelsschiffen bezeugen den bedeutenden Umfang des Kleinen Krieges. Es verloren: die Spanier 1249, die Franzosen 2185 = 3434 Schiffe. Die Engländer durch Spanier 1360, durch Franzosen 1878 = 3238 Schiffe. Man darf jedoch aus diesen Angaben weder schließen, daß die Gegner Englands tätiger gewesen seien, noch daß der englische Handel im großen ganzen ebenso gelitten habe wie der seiner Feinde. Da die Schiffahrt Englands weit bedeutender war, bot sie mehr Angriffsgelegenheit, und aus gleichem Grunde steht die Zahl der verlorenen Schiffe für England in einem ganz anderen Verhältnis zur Gesamtzahl der Handelsfahrzeuge, als bei Spanien und Frankreich. Die Schiffahrt dieser Länder war durch den Verlust nahezu lahmgelegt, ihr Handel vernichtet, der englische durchaus nicht. Da ferner viele den Spaniern abgenommene Schiffe einen ungeheuren Wert hatten, war der durch die Prisen gemachte Gesamtgewinn Englands größer als sein Gesamtverlust; man nennt einen Überschuß von 2 Millionen Lstrl. Ferner hemmte der Ausfall der verlorenen Schiffe keineswegs den Handel des Landes; dieser nahm sogar zu, je mehr der der andern Völker abnahm. Nach Zimmermann (Band II, Seite 311) hatte der Gesamthandel Englands 1744 einen Wert von 17791000 Lstrl., im Jahre 1748 aber einen solchen von 20487000 Lstrl.

Die Ergebnisse des Kleinen Krieges haben sicher dazu beigetragen, beide Parteien dem Frieden geneigter zu machen. In Frankreich verschlechterten sie die ohnehin schon bedenkliche Finanzlage noch wesentlich, aber auch in England wurden trotz der günstigen Bilanz zwischen Gewinn und Verlust sowie der Zunahme des Handels im allgemeinen die betroffenen Kreise des Krieges müde.

Schlußbetrachtungen.

Der besprochene Seekrieg ist der Anfang einer fast ununterbrochenen Reihe von Kämpfen zwischen England und Frankreich im 18. Jahrhundert, aus denen England schließlich als Alleinherrscherin auf dem Meere und als erste Kolonialmacht hervorging. Er brachte in letzter Beziehung noch keine Ergebnisse von Bedeutung, wie denn der Österreichische Erbfolgekrieg überhaupt nahezu ergebnislos blieb. Auch die Kriegführung selber in ihm erweckt nicht das gleiche Interesse wie in den anderen großen Seekriegen. Er regt aber doch zur Betrachtung verschiedener Punkte an, die in geschichtlicher, insbesondere seekriegsgeschichtlicher Hinsicht bemerkenswert und lehrreich sind. Im Nachstehenden soll versucht werden, diesen kurz gerecht zu werden.

Das unmittelbare Eingreifen des Seekrieges in den Landkrieg war gering; es beschränkte sich auf den Kriegsschauplatz in Norditalien. Gemeinsame Waffentaten von Bedeutung, wie z. B. Angriffe auf Küstenstädte der See- und Landstreitkräfte, sind jedoch auch hier nicht zu verzeichnen und kommen nur im Kolonialkriege vor. Mehr tritt die Tätigkeit der Flotten bei den Versuchen Spaniens und Frankreichs hervor, die Verbindung ihrer in Italien fechtenden Truppen mit der Heimat aufrecht zu halten, sowie in dem Bestreben Englands, dieses zu verhindern. Der Einfluß der Seestreitkräfte auf den Verlauf des Landkrieges ist denn auch zu bemerken. Eine französisch-spanische Flotte deckte im Winter 1741/42 das erste Landen der Spanier in Italien. Aber schon das Versprechen Englands, im Mittelmeere eine starke Flotte halten zu wollen, brachte Sardinien auf die Seite Österreichs. Englische Geschwader hinderten dann tatsächlich 1742/43 den weiteren Nachschub von Verstärkungen für das spanische Heer und zwangen Neapel, seine Hilfstruppen zurückzuziehen; dem Vordringen der Spanier und Franzosen am Lande wurde um diese Zeit ein Ziel gesetzt. Nach der für Englands Seemacht nicht ruhmreichen Seeschlacht von Toulon (1744) dagegen, und als 1745 die verminderte englische Flotte im Mittelmeer ihre Aufgaben nicht voll zu lösen vermochte, beteiligte sich Neapel wieder am Kriege, und es gelang den Franzosen, ihr Heer in Italien auch über See zu unterstützen; wir finden die französisch-spanisch-neapolitanischen Truppen in Piemont und in der Lombardei im Vorteil.