Friedrich II. war zu schwach, um allen Gegnern gleichzeitig und gleich kräftig entgegenzutreten, er strebte deshalb dahin, mit seiner Hauptmacht stets an der bedrohtesten Stelle zu erscheinen, dann errungene Vorteile durch die Grenzkorps festhalten zu lassen und sich selber gegen die nächste größte Gefahr zu wenden. Seine Feldherrnkunst, die Unterstützung durch tüchtige Generale, die Beherrschung der kürzeren inneren Linien sowie die erstaunliche Marschfähigkeit seiner Truppen ermöglichten ihm, die schwierigsten Lagen zu überwinden und die Gegner schließlich zu ermüden, obgleich auch er schwere Niederlagen erlitt. Zugute kam ihm, daß die Kräfte der Gegner nicht in einer Hand und daß ihre Führer oft uneinig waren, endlich auch deren Langsamkeit. Die Heere waren nach damaligem Brauch bei ihren Bewegungen an Magazine gebunden; der große König machte sich zuweilen durch unmittelbare Beitreibungen hiervon frei. Man sagt, er habe den Nutzen dieses Verfahrens voll gewürdigt, aber nur im äußersten Notfalle davon Gebrauch gemacht, um es nicht seine Gegner zu lehren, die ihn dann erdrückt haben würden.
1757 hatten Friedrichs Feinde 500000 Mann aufgebracht, denen dieser nur 250000 (einschließlich seiner Verbündeten und der Festungsbesatzungen) entgegenstellen konnte. Die Russen drangen in Preußen ein, zwangen mit Hilfe einer Flotte Memel zur Übergabe (5. Juli), siegten bei Groß-Jägersdorf (30. August) und bedrohten Königsberg; sie mußten aber im Herbst zurückgehen, da sie sich in dem verwüsteten Lande nicht halten konnten. Ein Vorstoß der Schweden in Pommern wurde zurückgeworfen. Die Franzosen griffen Westfalen an, schlugen die Hannoveraner (Herzog von Cumberland) bei Hastenbeck (26. Juli) und breiteten sich in Hannover und Braunschweig aus. Die Reichsarmee im Verein mit einem französischen Korps unter Prinz Soubise hatte durch einen Angriff über Thüringen auf Sachsen die Umklammerung Preußens schließen sollen; ihr galt der erste Stoß des Königs. Er kam von Kolin mit einem Teil des Heeres durch Sachsen heran — der andere Teil deckte Schlesien — und zerstreute die Verbündeten durch den Sieg bei Roßbach (5. November); dann befreite er durch die Schlacht bei Leuthen (5. Dezember) das schon fast ganz verlorene Schlesien bis auf Schweidnitz. Er hatte also in diesem Jahre seine Staaten sowie Sachsen behauptet. Das hannoversche Heer wurde im Winter, jetzt auch durch englische Truppen verstärkt, neu aufgestellt (Herzog Ferdinand von Braunschweig).
1758 stellten die Verbündeten 320000 Mann auf. Österreich sollte gegen Schlesien sowie Sachsen vorgehen, den Russen im Osten, den Franzosen im Westen die Hand reichen; Friedrich verfügte über 236000 Mann. Ferdinand von Braunschweig trieb im Februar die Franzosen über den Rhein und siegte am 22. Juni bei Krefeld; wenn er auch dann durch den Vormarsch eines französischen Korps von Hessen her zum Zurückgehen gezwungen wurde, so behauptete er sich doch das Jahr über in Westfalen. Ebenso wurden die Schweden, die fast schon Berlin erreicht hatten, bis Ende des Jahres nach Stralsund zurückgetrieben. Nur die Russen hatten im Januar Preußen besetzt und waren dann in Pommern bis Kolberg, in der Mark bis Küstrin vorgedrungen. Friedrich selber eröffnete den Feldzug mit der Eroberung von Schweidnitz, rückte in Mähren ein und belagerte Olmütz. Das seine Verbindungen bedrohende Vorgehen der Österreicher unter Daun zwang ihn, die Belagerung abzubrechen, doch gelang es ihm,[122] unbehindert Schlesien zu erreichen, um den Russen entgegenzutreten. Diese wurden durch den Sieg bei Zorndorf am 25. August aus der Mark sowie Pommern vertrieben und zogen sich bis hinter die Weichsel zurück. Der König eilte nach Sachsen, wo Prinz Heinrich von der Reichsarmee und Daun arg bedrängt war. Er zog diesen, dessen Verschanzungen unangreifbar waren, durch Bedrohung seiner Magazine nach der Lausitz, erlitt aber durch den Überfall bei Hochkirch (14. Oktober) eine schwere Niederlage. Trotzdem entsetzte er das belagerte Neiße und verhinderte Daun an einem zweiten Vorstoß auf Sachsen. Wieder hatte er seine Staaten bis auf die Provinz Preußen erhalten und Schwedisch-Pommern sowie Westdeutschland bis zum Rhein gewonnen.
1759 stellten die Verbündeten 392000 Mann, Preußen und England-Hannover 252000 auf. Die ersteren planten einen konzentrischen Stoß auf Berlin: Russen und Österreicher von der Oder her, Reichsheer und Franzosen über Sachsen, die Schweden von Norden, Franzosen über Hannover; ein zweites österreichisches Heer (Daun) sollte den König im Süden festhalten. Die vom Süden kommenden Franzosen besetzten schon am 2. Januar Frankfurt a. M. und schlugen Herzog Ferdinand bei Bergen (13. April). Dieser siegte jedoch bei Minden (1. August) über die von Westen heranrückenden Franzosen, sowie im November über die Württemberger; er behauptete das Jahr über Westfalen. Die Schweden breiteten sich in Schwedisch-Pommern aus. Für Friedrich wurde dies Jahr das unheilvollste. Er mußte abwarten, wo sein Eingreifen am nötigsten war oder wo die Gegner sich eine Blöße gäben. Die Russen unter Soltikof und die Österreicher unter Laudon vereinigten sich bei Frankfurt a. O.; der General Wedell wurde von den ersteren bei Key (23. Juli) geschlagen. Als der König dort hineilte, erlitt er die furchtbare Niederlage bei Kunersdorf (12. August). Dresden ging an das Reichsheer verloren. Da aber Daun und Soltikof nicht einig waren, versäumten sie die Gelegenheit, Friedrich zu erdrücken. Prinz Heinrich hielt Daun, der König Soltikof und Laudon fest, bis letztere im Oktober nach Polen abzogen; ein Versuch des Königs, Dresden wiederzugewinnen, gelang jedoch nicht. So blieben ein Teil Sachsens, Schwedisch-Pommern sowie Preußen in der Gegner Hände; der Feldzug 1759 hatte außerdem des Königs Heer stark gelichtet.
1760 konnte Friedrich II. sein Feldheer nur auf 90000 Mann, dazu 70000 unter Herzog Ferdinand, bringen, während die Verbündeten 430000 zählten; dennoch verlief das Jahr verhältnismäßig günstig. Herzog Ferdinand behauptete sich, wenn auch mit wechselndem Waffenglück, weiter, und die Schweden machten keine Fortschritte; die Russen in Pommern mußten eine Belagerung Kolbergs zu Wasser und zu Lande aufgeben. In Schlesien und in Sachsen stand es anfangs schlimm; hier standen Daun und das Reichsheer, dort strebten Russen und Laudon aufs neue nach Vereinigung. Laudon schlug Fouqué bei Landshut. Der König wandte sich von Sachsen nach Schlesien, Daun folgte ihm, kehrte dann aber plötzlich zur Eroberung Dresdens zurück. Da jedoch Laudon Glatz nahm, Breslau bedrohte, und die Russen gleichfalls im Anmarsch waren, mußte der König doch nach Schlesien gehen. Unmittelbar rechts vor und hinter ihm folgten zwei österreichische Korps (Daun und Lascy), während Laudon ihm entgegenkam; doch der große Feldherr zerriß dieses Netz durch den Sieg über Laudon bei Liegnitz am 15. August. Auch zu einer völligen Vereinigung der Österreicher mit den Russen kam es nicht. Nur eine abgezweigte russische Abteilung drang mit Lascy vereint bis Berlin vor (Einnahme am 9. Oktober), mußte aber wieder abziehen, als der König heranrückte; dieser trieb dann Daun, der inzwischen ganz Sachsen besetzt hatte, durch den Sieg bei Torgau (3. November) wieder auf Dresden zurück. Friedrich stand mithin nicht schlechter da als zu Ende 1761.
1761 waren die Streitkräfte der Gegner etwa die gleichen wie im Vorjahre und auch der Plan der Verbündeten war nahezu derselbe. Größere Ereignisse im Felde brachte das Jahr nicht. Der König konnte die Vereinigung der Russen unter Butturlin und der Österreicher unter Laudon in Schlesien nicht hindern, wich ihnen jedoch geschickt aus und bezog endlich eine sichere Stellung im Lager von Bunzelwitz; Uneinigkeit der[123] feindlichen Feldherren führte zum Abzug der Russen. Es gelang aber den Österreichern am 9. Oktober Schweidnitz, und den Russen am 16. Dezember Kolberg zu nehmen; damit hatten sie in Schlesien sowie Pommern festen Fuß gefaßt.
1762. Immer kleiner war das Gebiet geworden, das Friedrich noch behauptete, und jetzt fielen durch Pitts Rücktritt auch die englischen Hilfsgelder fort. Schon sahen die Gegner der Niederlage Preußens mit Zuversicht entgegen, da wandte sich das Blatt. Nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth am 2. Januar schloß ihr Nachfolger Peter III. von Rußland Frieden mit dem König (Petersburg, 6. Mai) und stellte ihm sogar ein Hilfskorps unter Czernitschew in Schlesien zur Verfügung. Friedrich griff Schweidnitz an, das Daun in einer festen Stellung auf den Höhen bei Reichenbach deckte. Nach der Entthronung Peters wurde Czernitschew zurückberufen, ließ sich aber bestimmen, unter Geheimhaltung der Order noch einige Tage zu bleiben, damit Daun mit ihm rechnen müsse. Der König siegte bei Burkersdorf am 21. Juli über diesen und wies dann noch einen weiteren Entsatzversuch Dauns bei Reichenbach am 16. August zurück. Am 9. Oktober fiel Schweidnitz, Schlesien war wiedergewonnen. Prinz Heinrich hatte im Sommer in Sachsen die Reichstruppen von den Österreichern getrennt und nach Franken vertrieben; als sich beide in Böhmen wieder vereinigt hatten, schlug er sie bei Freiburg (29. Oktober). Herzog Ferdinand erfocht über die von Kassel aus vordringenden Franzosen zweimal einen Sieg bei Wilhelmsthal am 24. Juni, bei Lutterberg am 23. Juli. Kaiserin Katharina von Rußland zog sich vom Kriege zurück, bestätigte den Frieden Peters und räumte Preußen.
Der Krieg war zu Ende! England und Frankreich schlossen am 2. November den Präliminarfrieden zu Fontainebleau. England gab dabei Preußen völlig preis, es zog seine Truppen zurück und gestattete Frankreich, Kleve, Wesel sowie Geldern besetzt zu halten. Nur der Umstand, daß dieser Staat auch des kostspieligen Landkrieges müde war, bewahrte Preußen vor den Folgen der englischen Treulosigkeit, denn Österreich verzagte daran, allein Friedrich II. niederzuwerfen, schloß Waffenstillstand und trat in Friedensverhandlungen ein.
Der Frieden zu Hubertusburg, 15. Februar 1763, stellte den Besitzstand vor dem Kriege wieder her: Österreich verzichtete auf Schlesien und Glatz, Preußen räumte Sachsen. Friedrich II. versprach außerdem seine Stimme für die Kaiserwahl des Erzherzogs Joseph. Des großen Königs überlegener Geist, sowie die opferwillige Hingabe seines tapferen Volkes hatten den preußischen Staat und mit ihm die Zukunft Deutschlands gerettet.