2. die französischen Häfen am Atlantik, besonders Brest, wurden mit überlegenen Kräften blockiert, so daß sich auslaufende Flotten oder Geschwader schlagen mußten.

Eine vollständige Blockade von Brest wurde in diesem Kriege zum ersten Male planmäßig betrieben. Die Lage dieses Hafens erleichterte eine solche. Wenn die Blockierenden durch schwere Westwinde zu ihrer Unterbrechung gezwungen wurden, konnten auch die Blockierten nicht auslaufen; die Engländer gingen dann nach einem ihrer Kanalhäfen, waren aber sicher, mit östlichen Winden ihre Station wieder zu erreichen, ehe eine große und mangelhaft gehandhabte Flotte wesentlichen Vorsprung gewinnen konnte. Außer ihrem eigentlichen Zweck hatte nämlich eine strenge Blockade noch eine wichtige Folge: Die französische Marine wurde dauernd außerstand gesetzt, die Handhabung ihrer Schiffe und Schiffsverbände zu üben; in diesen wie in den Kriegen zu Ende des Jahrhunderts — dargestellt in unserem fünften Abschnitt —, in denen die Blockaden jahraus, jahrein meisterhaft durchgeführt wurden, waren daher die Franzosen, selbst bei gleicher Stärke, beim Zusammentreffen den Engländern nicht gewachsen, während diese gerade durch den schwierigen Blockadedienst zu vorzüglichen Seeleuten herangebildet wurden.

3. Fliegende Geschwader unternahmen Angriffe auf Frankreichs Küsten, bisweilen mit kleineren Landungen verbunden. Diese Vorstöße, deren Ziel der Gegner nicht voraussehen konnte, sollten ihn zwingen, an vielen Stellen Truppen bereit zu halten und damit dem Kriege in Deutschland zu entziehen.

4. In der Nähe von Gibraltar wurde eine Flotte gehalten, um die Seestreitkräfte von Toulon zu hindern, sich mit der Atlantikflotte zu vereinigen oder die auswärtigen Stationen zu verstärken. Dieser Teil der englischen Streitmacht war zwar selbständig, hatte aber etwaigen Anforderungen der Atlantikflotte Folge zu leisten.

Auf die Wiedereroberung des Hafens von Port Mahon, ja selbst auf eine Unterbindung des Verkehrs mit ihm, scheint man keinen Wert gelegt zu haben. Der Besitz der Seeherrschaft im Mittelmeer spielte nicht die Rolle wie in den früheren Kriegen, die Hauptinteressen lagen anderswo.

5. Es wurden Züge gegen die französischen Besitzungen in Westindien sowie Afrika unternommen und in Ostindien ein ständiges Geschwader unterhalten, um die Herrschaft in jenen Meeren zu sichern, den Franzosen die rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden und ihren Handel zu vernichten. Diese niemals ausgesetzte Tätigkeit nahm größeren Umfang an, als die französische Marine (1759) lahmgelegt war und als durch Spaniens Eintritt in den Krieg (1761) die Aussicht auf wertvolle Eroberungen sowie Beute größer wurde.

Frankreich versuchte in den ersten Jahren noch, seine auswärtigen Stationen zu verstärken, sowie die Kolonien zu unterstützen, und kleinere Geschwader schlüpften auch des öfteren, namentlich während der Wintermonate, durch die Blockade. Dem aber machte Englands Übermacht nach und nach ein Ende; selten nur noch gelang es, Kriegsschiffe oder Konvois nach den Kolonien abzusenden. In den europäischen Gewässern hatte man sich nach dem Vorstoß gegen Port Mahon auf den Kleinen Krieg mittels einzelner Kriegsschiffe und Kaper beschränkt. Erst als zu Ende des Jahres 1758 der feurige Choiseul ans Ruder gekommen war, raffte man sich auf. Herabgestimmt durch die Mißerfolge des Jahres im Landkriege, gereizt durch die englischen Küstenangriffe, faßte man den Entschluß, alle Kraft auf ein Ziel zu setzen und in Großbritannien zu landen; ein Plan, mit dem man sich vom Beginn des Krieges an getragen hatte. Gleichzeitig sollten Truppen nach Irland, England sowie Schottland geworfen und zu diesem Zwecke die gesamte Streitmacht zusammengezogen werden. Aber die Toulonflotte wurde auf dem Wege nach Brest von der englischen Gibraltarflotte vernichtend geschlagen (bei Lagos, August 1759). Trotzdem gab Choiseul den Plan nicht auf. Die Brestflotte lief aus, als die Blockade durch stürmisches Wetter unterbrochen war, aber auch sie wurde von dem rechtzeitig zurückkehrenden Gegner gestellt und aufgerieben. (Schlacht in der Quiberonbucht, November 1759.)

England errang inzwischen große Erfolge, da durch das Sammeln der französischen Seestreitkräfte die anderen Kriegsschauplätze für das Jahr 1759 ganz ohne Unterstützung geblieben waren. Schon 1758 war die wichtige Festung Louisbourg in Nordamerika gefallen; 1759 eroberte England auch Quebec, in Westindien Guadeloupe, in Afrika Gorée und in Indien räumte das französische Geschwader, nach mehreren nicht unbedingt verlorenen Gefechten, das Feld, worauf bis Januar 1761 (Übergabe von Pondicherry) ganz Französisch-Indien verloren ging. Die Streitkräfte Frankreichs draußen mußten sich eben aufzehren. Die beiden großen Niederlagen 1759 nahmen nun der französischen Marine jegliche Kraft, während England infolge der geringen Beanspruchung daheim in den fernen Gewässern noch tatkräftiger auftreten konnte. Spaniens Hilfe für Frankreich kam zu spät, und auch das sonst erfolgreiche Streben Choiseuls, der 1761 das Marineministerium mit übernahm, die Marine zu heben, konnte für diesen Krieg keine Früchte mehr tragen. Nicht imstande, zur See etwas zu unternehmen, griffen die Verbündeten (1762) Portugal zu Land an, wurden jedoch mit Englands Unterstützung zurückgeschlagen. England dagegen nahm im Jahre 1762 Frankreich noch Martinique, die Perle der Antillen und ein wichtiger Stützpunkt für Freibeuterei, den Spaniern Havanna und die Philippinen ab. Frankreich hatte alle Kolonien bis auf seinen Anteil an Haiti verloren.

Der Kleine Krieg gegen den Handel in allen Meeren spielte auch im Siebenjährigen Kriege eine bemerkenswerte Rolle; er zeigte fast dieselbe Eigenart wie in den früheren englisch-französischen Kämpfen. Obgleich er wiederum von Frankreich mit großer Kühnheit und Ausdauer geführt wurde, um so tatkräftiger, je mehr die Marine zurückging, brachte er schließlich doch wie im österreichischen Erbfolgekriege den Niedergang des französischen Handels bis zur Vernichtung, dagegen ein Aufblühen der englischen Schiffahrt und Industrie. Damit wurde für Frankreich eine wichtige Hilfsquelle verstopft, die für England desto reichlicher floß.