Der Friede zu Paris. 10. Februar 1763.

Die Eroberung der Philippinen[70] war das letzte Ereignis dieses Krieges. Neun Monate hatten genügt, um Spanien niederzuwerfen; es bat um Frieden, und Frankreichs letzte Hoffnung war damit zertrümmert. Choiseul hatte schon 1761 Friedensvorschläge gemacht; es war ihm aber wahrscheinlich kaum Ernst damit und er wollte wohl nur England über seine Verhandlungen mit Spanien täuschen. Pitt durchschaute jedoch diese Absicht und war auch nicht gewillt, auf das Verlangen Frankreichs einzugehen, Preußen ganz fallen zu lassen; er rechnete im Gegenteil weiter damit, durch die Fortsetzung des Land- und Seekrieges Frankreich als See- und Kolonialmacht völlig zu vernichten. 1762 waren nun beide Gegner des Krieges müde, Frankreich war erschöpft und die englische Regierung glaubte, gegen Pitts und seiner Anhänger Ansicht, mit der augenblicklichen Vernichtung der feindlichen Flotten und Wegnahme der Kolonien genügend erreicht zu haben. Die Friedensverhandlungen gingen nach Pitts Rücktritt sogar von der schwachen englischen Regierung aus und wurden trotz der glänzenden Erfolge mit unwürdiger Hast zu Ende geführt. Georg III. und der nunmehrige Leiter der Politik, Lord Bute, wünschten den Frieden aus anderen Gründen: Mangel an politischer Einsicht, Abneigung gegen Friedrich II., Verlangen nach Frieden von außen, um sich gegen Widersacher der Regierung im Lande wenden zu können. Sie schlossen schon am 3. November 1762 einen Präliminarfrieden zu Fontainebleau mit Frankreich und Spanien unter weit bescheideneren Bedingungen[71] ab, als die Gegner erwarteten und England nötig gehabt hätte; der Vertrag wurde am 10. Februar 1763 zu Paris bestätigt.

Die Friedensbedingungen. Frankreich gab alle Ansprüche auf Kanada, Neuschottland und Neubraunschweig — mit Kap Breton sowie den anderen Inseln im St. Lorenzstrom — auf; es trat das Ohiotal und das ganze Gebiet östlich vom Mississippi an England ab. Es gab auch Minorka zurück, und da es die Insel Spanien versprochen hatte, entschädigte es diesen Staat durch die Gebiete Louisianas, westlich vom Mississippi, einschließlich der Stadt New Orleans. Es war aus Nordamerika vertrieben. — In Westindien erhielt Frankreich sämtliche Inseln bis auf Grenada zurück. Die neutralen Inseln wurden geteilt: St. Lucia fiel an Frankreich, St. Vincent, Tabago, Dominica an England. — In Ostindien bekam Frankreich Pondicherry nebst den Besitzungen an der Koromandelküste wieder, die es 1749 besessen hatte, es mußte aber auf die seitdem hier sowie in Orissa gemachten Erwerbungen und auf das Recht verzichten, in Bengalen Befestigungen anzulegen und Truppen zu halten. Es konnte in Indien wohl in beschränktem Maße Handel treiben, aber sein politischer Einfluß — der Traum eines großen Reiches hier — war zu Ende. — In Afrika wurden die Niederlassungen im Senegal (mit Ausnahme von Gorée) an England abgetreten. — Das Recht, an den Küsten Neufundlands, sowie in einigen Teilen des Lorenzgolfes zu fischen, ward Frankreich zugestanden und ihm zu diesem Zweck die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon als Fischerstationen belassen. — Dünkirchen, der gefährliche Stützpunkt der Freibeuterei, mußte, wie nach dem Aachener Frieden, wieder entfestigt werden.

Spanien bekam Havanna sowie die Philippinen zurück, trat aber Florida an England ab und erhielt die französischen Teile von Louisiana. Von dem beanspruchten Rechte der Fischerei bei Neufundland wurde es ausgeschlossen. Es gestand zu, daß England in Honduras Holz holen dürfe, und erklärte sich mit der Aburteilung der Prisenfälle in England einverstanden.

England kam mithin durch den Frieden in den Besitz eines nordamerikanischen Reiches, das Kanada sowie die sämtlichen jetzigen Vereinigten Staaten östlich des Mississippi umfaßte. Es gewann einige westindische Inseln und Senegal. In Ostindien wurden der englischen Kompagnie alle Eroberungen stillschweigend zugestanden; England war hier unbedingt die Vormacht geworden. Fast noch wichtiger als diese Gebietserweiterungen waren das Übergewicht zur See und das Ansehen, das England durch den Krieg erlangt hatte. Aber England hätte weit bedeutendere Forderungen durchsetzen können: solche, wie sie Pitt und seine Anhänger wünschten, um Frankreich aus der Reihe der Kolonialmächte zu streichen. Diese versuchten denn auch, die übereilten Friedensvorschläge rückgängig zu machen, das Parlament war jedoch größtenteils in der Hand der Regierung und bestätigte sie[72].

Captain Mahan äußert sich hierzu (Band I, Seite [309]; hier gekürzt wiedergegeben): Pitt sagte: Frankreich ist uns hauptsächlich als See- und Kolonialmacht gefährlich. Was wir in dieser Hinsicht gewinnen, ist uns durch den Schaden wertvoll, den Frankreich davon bat. Jetzt läßt man ihm die Möglichkeit, seine Marine wieder ins Leben zu rufen. Die Zurückgabe der Kolonien in West- und Ostindien sowie des Rechtes der Fischerei in Nordamerika gaben Frankreich die Möglichkeit und den Antrieb, Schiffahrt, Handel und Marine wieder herzustellen, und waren geeignet, es von dem Pfade des Ehrgeizes auf dem Festlande, der so günstig für das Wachsen der Macht Englands auf den Ozeanen gewesen war, abzulenken. Die Opposition in England war auch der Ansicht, daß das noch öde Florida ein schlechter Ersatz für das wichtige Havanna sei; Portoriko war als solcher vorgeschlagen, Florida wurde angenommen.

Das Ministerium rechtfertigte seine Nachgiebigkeit mit dem ungeheuren Wachsen der Staatsschuld durch den Krieg (von 78 Millionen Lstrl. im Jahre 1748 auf 122); aber gerade weil dieser Wechsel auf die Zukunft gezogen war und sich dies durch die Erfolge im Kriege bewährt hatte, mußte man beim Friedensschluß alles nehmen, was man erhalten konnte. Auch brauchte England in dieser Hinsicht nicht in Sorge zu sein. Der zunehmende Handel und die wachsende Industrie, für die der große Kolonialbesitz ihm den Absatz sicherte, während im übrigen Europa Seehandel und Industrie daniederlagen, boten ihm genügende Garantie. Aber das Volk hatte keine Vertretung in der Regierung; der einzige Mann, der der Ausnutzung der günstigen Lage gewachsen war, Pitt, stand in Ungnade bei Hofe.“

Frankreich war über die geringen Forderungen erstaunt. Man hätte hier das reiche Martinique, Guadeloupe sowie das handelspolitisch und strategisch wichtig gelegene St. Lucia[73] geopfert; Guadeloupe gab aber Lord Bute sogar über den Kopf des Premierministers hin fort. Die ostindische Kompagnie war empört, daß sie die fast nur auf ihre Kosten eroberten Philippinen nicht behalten durfte; nicht einmal der volle Betrag der auferlegten Kontribution wurde ihr von Spanien gezahlt. Die Entrüstung auf Bute wuchs so rasch im Lande, daß er schon im April 1763 zurücktrat; man sagte ihm sogar nach, er sei von Frankreich bestochen worden.

Die Streitmittel.[74]