Frankreich trat dank den Bemühungen der Minister Maurepas und Rouillé mit einer größeren Zahl von Schiffen in den Siebenjährigen Krieg ein als in den vorigen.

Der Schiffsbestand betrug 1756: 6 Schiffe zu 84 Kanonen, 29 zu 74, 3 zu 70, 29 zu 64, 5 zu 60, mithin 72 Linienschiffe; ferner 10 Schiffe zu 50 sowie 6 zu 36–46 Kanonen, gewöhnlich Fregatten genannt, und an richtigen Fregatten 17 zu 32 sowie 24 zu 22–26 Kanonen, endlich 12 Korvetten zu 10–16 Kanonen und etwa 100 kleinere Fahrzeuge. Fast alle diese Schiffe, besonders aber die Linienschiffe, waren seit 1748 neu erbaut.

Zu den Linienschiffen zählen von dieser Zeit an nur solche, die über 50 Kanonen führen, doch stellte Frankreich noch manchmal 50-Kanonenschiffe in die Linie ein (England nur sehr selten). Frankreich scheint auch in diesem Kriege noch keine Dreidecker gehabt zu haben, dagegen die neuen, sehr starken Zweidecker zu 84 Kanonen (vgl. Seite [12] und [14]). Mehrere Quellen geben für 1756 nur 60–70 Linienschiffe an.

Auch die Zahl der Seeoffiziere war von 660 um 1740 wieder auf 900 gewachsen, aber wie bei Beginn des vorigen Krieges fehlte ihnen die Übung, und bei den Mannschaften war dies noch mehr der Fall. Die traurigen Verhältnisse unter den späteren Ministern machten eine Stärkung der Marine während des Krieges unmöglich; der Aufschwung unter Choiseul (1761) kam zu spät. Im Siebenjährigen Kriege erhielt die königliche Marine noch Unterstützung durch die Ostindische Kompagnie, deren Schiffe und Offiziere jedoch nicht vollwertig waren (vgl. Seite [57]).

Der Verlust an Schiffen betrug 20 Linienschiffe und 34 Fregatten, vom Feinde genommen, 14 und 22 Schiffe dieser Arten vernichtet oder sonst verunglückt; eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge trat hinzu. Die Marine war also um 1763 wieder bis auf 40 Linienschiffe und, trotz einiger Neubauten, auf vielleicht 10 Fregatten zurückgegangen, wozu dann die 15 Linienschiffe im Bau, die die Nation der Regierung schenkte, traten.

Spanien hatte gleichfalls seine Marine seit 1748 sehr verstärkt. 1759 besaß es 49 Linienschiffe, nämlich: 2 zu 80 Kanonen, 6 zu 70, 30 zu 68, 8 zu 60, 3 zu 58. Hinzu kamen 2 Schiffe zu 50 Kanonen, 22 Fregatten zu 22–30 und 14 Korvetten. Die Schiffe waren fast sämtlich neu, jedenfalls die Linienschiffe erst nach 1750 erbaut. Es liegen aber keinerlei Andeutungen vor, die darauf hinweisen, daß die Schiffe besser imstande gehalten wären, noch daß das Personal auf einer höheren Stufe gestanden habe, als bisher. Spanien verlor in dem Kriege 9 Linienschiffe sowie 5 Fregatten, vom Feinde genommen, und beim Angriff auf Havanna (1762) waren 3 Linienschiffe zur Sperrung der Einfahrt versenkt.

In England war der Schiffsbestand um 1756: 5 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 6 zu 74, 27 zu 70, 5 zu 64, 36 zu 60, mithin 89 Linienschiffe; 30 Schiffe zu 50 Kanonen sowie 38 zu 40–44 (die letzteren oft Fregatten genannt); 59 Fregatten zu 20–24 Kanonen und viele kleinere Fahrzeuge. Insgesamt 274 Segel. Der Verlust betrug 15 Linienschiffe (aber nur eins vom Feinde genommen), 4 50-Kanonenschiffe, 3 zu 40 und 14 zu 20–28 Kanonen. Trotz dieses Verlustes und obgleich während des Krieges eine ziemlich große Zahl als abgenutzt aus den Listen gestrichen wurde, war doch durch Neubau oder Einstellung genommener Schiffe der Gesamtbestand um 1763 auf 340 Segel gewachsen. Die schon früher gegebene Tabelle (Seite 18) weist für 1762 an Linienschiffen 141 nach; aus ihr ist ferner zu ersehen, daß besonders Schiffe der dritten Klasse (zu 74 und 64 Kanonen) sowie Fregatten zu 28–38 Kanonen erbaut oder eingestellt sind, während man die verlorenen 50- oder 44-Kanonenschiffe nicht ersetzt hat. Auch begann man gegen Ende des Krieges in England nach dem Muster genommener französischer großer Zweidecker solche zu 80 Kanonen zu erbauen.

Im Gegensatz zum vorhergegangenen Kriege würde die englische Marine nicht überlegen gewesen sein, wenn das Bündnis zwischen Frankreich und Spanien sofort in Kraft getreten wäre. Auch nach den niedrigsten Angaben hätten diese Staaten über 100 Linienschiffe den englischen 89 (oder mit Einschluß der 50-Kanonenschiffe 120) entgegenstellen können. Gegen Frankreich allein trat England allerdings überlegen auf, und als Spanien (1761) den Krieg erklärte, hatte die französische Marine schon die angegebenen ungeheuren Verluste erlitten, die englische war dagegen bedeutend gewachsen.

Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges.[75]

Die Ereignisse vor der Kriegserklärung.