Die Eroberung von Port Mahon 1756. Die Expedition war sehr geheim gehalten. Truppen, Artillerie-parks und Munition waren unter mannigfachen Vorwänden in Toulon und Marseille gesammelt. Der bezügliche Befehl erging an Richelieu, den derzeitigen Oberbefehlshaber der Truppen an der Mittelmeerküste, erst am 16. März, an Gallissonnière am 22., sonst hatten selbst die höheren See- und Landoffiziere keine Kenntnis vom Zweck der Rüstungen. Die Schiffe waren schnell und gut ausgerüstet, man hatte dazu Arbeiter aus Genua und Venedig herangezogen. Die Einschiffung erfolgte vom 4. bis 8. April; die Gesamtflotte ging am 10. in See; sie mußte zwar wegen Gegenwindes wieder ankern, setzte aber am 12. die Reise fort und erreichte am 18. Minorka, ohne von einem englischen Schiffe gesehen zu sein. Des herrschenden Windes wegen wählte man Ciudadela als Landungsplatz; vom 18. abends bis zum 20. wurden die Truppen ausgeschifft.
Die Flotte blieb dann noch vor dieser Stadt liegen, um die Landung des Trains zu decken. Man hat dies dem Admiral zum Vorwurf gemacht; er habe die Deckung Fregatten überlassen können. Er versäumte nämlich dadurch die Gelegenheit, einige englische Schiffe abzufangen, die in Port Mahon lagen. Aus seiner Verteidigung[79] geht jedoch hervor, daß er sich genau an die ihm gewordene Order gehalten hat. Diese lautete: „Die Ausschiffungsstelle nicht zu verlassen, ehe der Marschall völlig zum Angriff auf Port Mahon bereit sei; seine Kräfte nie zu teilen und nur zum Schutz der Expedition zu verwenden.“ Erst vom 24. April ab kreuzte er dementsprechend vor der belagerten Stadt.
Marschall Richelieu besetzte die Stadt Port Mahon am 22. Die Garnison hatte sich in das Fort San Felipe zurückgezogen; sie war nur schwach, viele Offiziere befanden sich auf Heimatsurlaub und der sonst tüchtige Gouverneur, General Blakney, war alt und krank. Auf dessen Anfrage, was die Landung bezwecke, antwortete der Marschall: Das gleiche wie das Wegnehmen französischer Schiffe durch die englische Flotte. Die Beschießung des Forts und seiner Außenwerke begann erst am 11. Mai, da das Gelände die Belagerungsarbeiten sehr erschwerte; auch war noch Material verschiedener Art aus Frankreich nachzusenden. Man mußte mit dessen Beschaffung eilen, da täglich die Verbindung mit der Heimat durch englische Seestreitkräfte unterbrochen werden konnte. Eine englische Flotte erschien gegen Ende des Monats, wurde aber zurückgeschlagen. Die Besatzung kapitulierte nach tapferer Gegenwehr am 29. Juni unter ehrenvollen Bedingungen; sie wurde auf französischen Handelsschiffen nach Gibraltar gebracht.
Die Seeschlacht bei Minorka am 20. Mai 1756. In England hatte man mit Rücksicht auf die französischen Rüstungen im Norden das Mittelmeer ganz aus dem Auge gelassen, obgleich schon im Oktober 1755 das Gerücht von einem Plane des Feindes gegen Port Mahon aufgetaucht war und Schiffe genug zur Verfügung standen, um die nur schwache Mittelmeerstation zu verstärken. Auch war die Gefahr einer Landung in England keineswegs besonders drohend. Einige Kriegsschiffe, die im Januar 1756 Kauffahrer aus dem Kanal geleitet hatten, stellten auf ihrer Rückreise fest, daß in Brest sowie Rochefort nur 16 Linienschiffe bis zum Mai seeklar sein würden. Bis dahin aber konnte man mit Sicherheit über 50 bis 60 Linienschiffe verfügen. Erst am 6. April sandte man auf Drängen der öffentlichen Meinung den Vizeadmiral John Byng und den Kontreadmiral Temple-West nach dem Mittelmeer. Deren Flotte zählte aber nur 11 Linienschiffe, obgleich schon um diese Zeit 27 im Kanal und der Biskaya kreuzten und 28 in den Häfen lagen (außerdem waren gegen 40 Fregatten im Dienst). Byngs Schiffe hatten ein Regiment zur Verstärkung Port Mahons an Bord; um die Soldaten besser unterbringen zu können, waren die Seesoldaten der Besatzungen zurückgelassen. Am 2. Mai traf der Admiral in Gibraltar ein und erfuhr hier von dem bisherigen Befehlshaber im Mittelmeer, Kommodore George Edgcumbe, die Landung der Franzosen.
Edgcumbe, der nur drei Linienschiffe und einige kleinere Kriegsfahrzeuge befehligte, hatte bei der Landung der Franzosen in Port Mahon gelegen, wohin er genommene französische Kauffahrer gebracht hatte; er hätte also leicht abgefangen werden können. Es gelang ihm aber, nach Gibraltar zu entschlüpfen, nachdem er noch seine Seesoldaten sowie eine Anzahl Seeleute der Garnison überwiesen hatte. Nur eins seiner Schiffe wurde durch französische Fregatten in Palma blockiert und erst durch die englische Flotte auf ihrer Fahrt nach Minorka befreit. Die Division Edgcumbe trat zu Byngs Flotte, zwei ihrer Linienschiffe finden wir in der Schlacht.
Admiral Byng versuchte in Gibraltar als Ersatz für die fehlenden Seesoldaten Landtruppen zu erhalten, der Gouverneur konnte jedoch bei der Schwäche der Garnison diesem Wunsche nicht voll entsprechen. Am 8. Mai ging die Flotte weiter und sichtete am 19. bei Tagesanbruch Minorka; Byng sandte Fregatten voraus, um mit Fort Philippe in Signalverbindung zu treten, mußte sie aber zurückziehen, als die französische Flotte herankam. La Gallissonnière hatte am 17. durch eine Fregatte das Nahen des Gegners erfahren und sich daraufhin dicht bei der Insel gehalten; da der Wind vom 18. an nördlich war, blieb er nordöstlich der Stadt, um sich die Luvstellung gegenüber dem Feinde zu sichern. Er benutzte die Zeit des Wartens, um seine Schiffsbesatzungen vom Lande her zu verstärken. Richelieu ließ am 18. mehrere Kompagnien auf Küstenfahrzeugen einschiffen, aber infolge flauen Windes und grober See erreichten nur einige von ihnen die Flotte; eins fiel sogar am 20. den Engländern in die Hände. Der 19. Mai, teilweise nebelig und fast windstill, verging mit Manövrieren der Flotten, um aneinander heranzukommen, wobei die Engländer die Luvstellung zu gewinnen, die Franzosen sich diese sowie ihre Lage zwischen dem Feinde und der Stadt zu erhalten suchten. Byng benutzte den Tag, um die Besatzung schwachbemannter Linienschiffe durch Leute der Fregatten zu ergänzen, sowie ein minderwertiges Schiff von 20 Kanonen zum Brander vorzubereiten. Am 20. Mai bei Tagesanbruch war es noch unsichtig und flau, als aber gegen Mittag der Wind nach Osten drehte und auffrischte, griff Byng an.
Admiral The Hon. John Byng.
Die englische Flotte zählte: 1 Schiff zu 90 Kanonen (das Flaggschiff Byngs „Ramillies“), 1 zu 74, 1 zu 68 („Buckingham“, Flaggschiff Temple-Wests), 8 zu 60–66, 2 zu 50, insgesamt 13 Schiffe mit 834 Kanonen in der Linie; außerhalb dieser 1 Schiff zu 40, 3 zu 20, 1 zu 14 Kanonen. Die französische Flotte zählte: 1 Schiff zu 84 Kanonen (das Flaggschiff La Gallissonnières „Foudroyant“), 2 zu 74 („Redoutable“ und „Couronne“, Flaggschiffe der Chefs d'Escadre de Glaudevez, Vorhut, und de La Clue, Nachhut), weitere 2 zu 74, 5 zu 64, 2 zu 50, insgesamt 12 Schiffe mit 760 Kanonen in der Linie; außerhalb der Linie 1 Schiff zu 46 sowie 4 zu 26 Kanonen.