Insgeheim wurde eine Flotte von 16 Linienschiffen, zahlreichen kleineren Fahrzeugen sowie Transportern mit 10000 Soldaten ausgerüstet; die Flotte befehligten Admiral Hawke, Vizeadmiral Knowles und Kontreadmiral Broderick, die Truppen standen unter Generalleutnant Sir John Mordaunt. Die Expedition segelte am 8. September und erschien am 20. überraschend in der Durchfahrt zwischen den Inseln Oléron und Ré. Noch am selben Tage ging Knowles mit 2 Mörserbooten gegen Ile d'Aix vor, zwei französische Schiffe, die auf der Rhede lagen, liefen in die Charente ein und alarmierten. Am 23. wurden die Befestigungen der Insel beschossen, leicht niedergekämpft, besetzt und zerstört. In der Zwischenzeit suchten kleinere Fahrzeuge einen geeigneten Landungsplatz auf dem Festlande. Sie fanden jedoch die Landung überall schwierig, bei Widerstand sogar unmöglich; ein Kriegsrat am 25. beschloß daher, von dem Unternehmen abzusehen. In einer zweiten Versammlung am 28. wurde zwar doch der Angriff wieder ins Auge gefaßt, obgleich der Gegner jetzt manche Verteidigungsmaßregeln[144] getroffen hatte, aber am 29. wehte heftiger Landwind, und man stand abermals davon ab. Am 1. Oktober ging die Flotte unter Segel und traf am 6. in Spithead ein.
Nach französischen Auffassungen hätte das Unternehmen gelingen müssen. So sagt ein Autor (Lacour I, der die Ereignisse Seite 305 genauer beschreibt): „Die Macht der Engländer war stark genug, den Erfolg sicherzustellen. Man fing 1757 eben an, die Insel Aix zu befestigen... Die Werke Rocheforts waren in dem Zustande, wie sie Clark beschrieben hatte... Im Fort Fouras war keine Batterie in Ordnung, und es lagen nur 300 Mann dort... Der Marinekommandant und der Intendant dieses Hafens waren so überrascht und von der Einnahme der Stadt so überzeugt, daß sie nur an die Rettung der Dokumente und Akten, nicht aber an Verteidigungsmaßregeln dachten. (Rettung der Kassen wird nicht erwähnt, in ihnen war wohl nichts?)... Aber was die Verteidiger aus Kopflosigkeit sowie Kleinmut verfehlten, das hoben die Angreifer durch Mangel an Tatkraft und schnellem Handeln auf. Der Befehlshaber der Truppen, Generalleutnant Langeron, gewann Zeit, die Garnison von Fouras zu verstärken, sowie an einigen Stellen am Strande Schanzen aufzuwerfen, auch verstand er es, seine schwachen Kräfte stärker erscheinen zu lassen; so wagten die Gegner nicht, etwas gegen das Festland zu unternehmen.“
Kurz nach der Rückkehr der Expedition ging Admiral Hawke am 22. Oktober aufs neue mit 15 Linienschiffen in See, um die französische Flotte abzufangen, die unter Dubois de La Motte von Louisbourg zurückerwartet wurde. Seine Schiffe wurden jedoch in der Biskaya durch einen Sturm zersprengt, und ehe sie sich wieder vereinigt hatten, lief der Gegner am 23. November in Brest ein.
Im Jahre 1758 fanden in England schon im Winter große Indienststellungen statt. Im Februar verließ Admiral Boscawen Portsmouth mit einer Expedition von 20 Linienschiffen, 18 Fregatten, vielen kleineren Fahrzeugen sowie über 100 Transportern mit 12000 Mann (14000?), die Louisbourg nahm. Kleinere Geschwader gingen nach West- und Ostindien sowie nach Westafrika ab. Die Admirale Lord Anson und Hawke wurden zur Blockade von Brest und zur Beobachtung der Kanalhäfen entsandt; man sammelte ein kleineres Geschwader unter Kommodore Richard Howe sowie Truppen auf Wight zu Vorstößen gegen die feindliche Küste. Endlich kreuzte Kommodore Holmes mit einigen Schiffen an der holländischen Küste.
Die Division Holmes griff durch die Eroberung Emdens unmittelbar in den Siebenjährigen Krieg ein. Die Stadt war am 4. Juli 1757 von den Franzosen besetzt, jetzt wurde sie im März 1758 mit Unterstützung der Seestreitkräfte zurückerobert.
Frankreich gelang es wiederum, von den atlantischen Häfen Verstärkungen nach Kanada zu senden, und zwar während der Wintermonate, als der Gegner die Blockade noch nicht in vollem Maße aufgenommen hatte oder sie auch wegen der Stürme nicht streng durchführen konnte. In drei Abteilungen — unter Führung der Kapitäne Des Gouttes, Beaussier de L'isle und Comte de Du Chaffault — segelten insgesamt 9 Linienschiffe ab, von denen aber nur 4 voll, die anderen als Flüten armiert waren, 2 Fregatten, ein schweres Schiff der Indischen Kompagnie, sowie einige Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial. Im April sollte ein weiterer Transport von Ile d'Aix aus folgen, wurde jedoch durch Hawke festgehalten.
Angriff auf französische Schiffe bei Ile d'Aix 1758. Am 3. April erschien Hawke vor der Insel; auf der Rhede lagen 5 Linienschiffe, 2 Fregatten und etwa 40 Transporter. Als er am 4. nachmittags herankam, kappten die Franzosen ihre Ankertaue und setzten sich auf Strand. Die Engländer mußten gleichfalls der geringen Wassertiefe halber ankern und vermochten sich auch am 5. bei Flut nicht so weit zu nähern, daß sie die feindlichen Schiffe hätten vernichten können. Die französischen Kriegsschiffe erleichterten sich dann durch Überbordwerfen der Kanonen und liefen in die Charente ein; ihre Gegner mußten sich damit begnügen, die Bojen auf den Kanonen zu entfernen. Immerhin war die Abfahrt der Verstärkung verhindert, was vielleicht die Eroberung Louisbourgs erleichtert hat.
Nun folgte eine Reihe von Angriffen auf französische Kanalhäfen. Ihr Zweck war angeblich, zugunsten Friedrichs II. französische Truppen vom Kriegsschauplatz in Deutschland abzuziehen, doch wollte wohl England, wie in den früheren Kriegen, hierdurch die Ausgangshäfen der französischen Freibeuterei vernichten. Der Flotte unter Anson, dem Hawke als zweiter im Kommando zur Seite stand, fiel die Aufgabe zu, jede Störung durch französische Seestreitkräfte von den atlantischen Häfen aus zu hindern; zur Ausführung war unter Howe ein Geschwader von Schiffen bestimmt, die besonders für die Küstengewässer geeignet waren; die Landungstruppen, 14000 Mann, befehligte General Herzog von Marlborough, an dessen Stelle im Juli General Bligh trat. Da die Ereignisse wenig Bemerkenswertes bieten, sollen sie nur kurz behandelt werden[81].
Angriffe auf französische Kanalhäfen 1758. Howes Geschwader zählte 1 Linienschiff, 4 Schiffe zu 50 Kanonen, 10 Fregatten, 5 Sloops, 2 Brander, 2 Mörserboote, viele kleine Fahrzeuge zu besonderen Zwecken sowie 100 Transporter für die Truppen; die Schiffe hatten eine große Zahl flachgehender Boote für Landungen an Bord. Am 1. Juni segelte Anson von England, um sich mit Hawke vor Brest zu vereinen, bald darauf ging Howe in See. Am 5. Juni nachmittags ankerte die Expedition in einer Bucht 6 Seemeilen östlich von St. Malo, 3 Fregatten sowie 1 Sloop setzten die dort befindliche Strandbatterie außer Gefecht und vertrieben am Strande befindliche Truppen, so daß die Landung ohne Verlust vor sich gehen konnte; sie war am 6. beendet und am 7. wurde auf St. Malo marschiert. Die Einnahme der Stadt zeigte sich jedoch undurchführbar, und am 11. sowie 12. schiffte man die Truppen wieder ein, nachdem die Umgebung gebrandschatzt war; das Unternehmen hatte 30 Tote und Verwundete gekostet. Durch ungünstigen Wind aufgehalten, langte die Expedition erst am 26. vor Le Havre an. Hier versuchte man eine Landung nicht erst, da der Gegner zu gut vorbereitet war. Man ankerte am 29. Juni zwei Seemeilen entfernt vor Cherbourg. Hier vereitelte aufkommender Sturm die schon vorbereitete Landung. Da die Wetteraussichten für die nächste Zeit ungünstig erschienen, und da auch auf den überfüllten Schiffen Krankheiten ausgebrochen waren, ging Howe nach Spithead zurück; eine französische Fregatte war während der Unternehmungen genommen.
In England wurden zunächst die Truppen zur Erholung ausgeschifft. Einen Teil derselben sandte man später zum Heere in Deutschland, mit dem Rest ging die Expedition am 1. August aufs neue in See. Am 6. wurde vor Cherbourg erkundet, am 7.[146] und 8. in einer Bucht 6 Seemeilen westlich der Stadt fast ungestört gelandet und diese dann ohne ernsten Widerstand besetzt. Stadt sowie Werke waren von den Franzosen geräumt. Man zerstörte nun die Befestigungen, Magazine und Schiffe im Hafen, doch war der Erfolg mehr moralischer Art, da Cherbourg damals nur eine unbedeutende Marinestation war; in kleinen Scharmützeln hatte man 20 Tote sowie 30 Verwundete eingebüßt. Am 16. nahm man die Truppen wieder an Bord und ankerte am 18. bei Portland, da aber der Regierung der Erfolg nicht genügte, wandte man sich wieder gegen St. Malo.