Admiral Boscawen[85] übernahm am 16. Mai das Kommando und blockierte sofort Toulon streng; am 7. Juni ließ er sogar durch 3 Linienschiffe 2 französische Fregatten auf der Äußeren Rhede angreifen, die englischen Schiffe gerieten aber unter den Befestigungen in Windstille und litten schwer. Um sie auszubessern, sowie um Wasser und Vorräte der Flotte zu ergänzen, ging der Admiral Anfang Juli nach Gibraltar; er gebrauchte aber die Vorsicht, auf der Höhe von Malaga, sowie vor Ceuta je eine Fregatte auszulegen.

De La Clue verließ am 5. August, als seine Schiffe endlich segelfertig und mit genügender Mannschaft versehen waren, Toulon, traf am 17. August vor der Straße von Gibraltar ein und wurde hier durch die eine der Fregatten gesichtet. Diese meldete den Feind schon um 7½ Uhr abends in Gibraltar. Der französische Admiral beabsichtigte, sich jedem Zusammenstoße zu entziehen, aber Boscawen ging mit äußerster Beschleunigung unter Segel und bereitete ihm, der von einem Teil seiner Schiffe im Stich gelassen wurde, in einem Verfolgungsgefechte am 18. und 19. August eine schwere Niederlage.

Schilderung der Schlacht bei Lagos. Boscawen war nicht völlig seeklar gewesen, sein Flaggschiff hatte nicht einmal Segel untergeschlagen, dennoch gelang es, noch vor 10 Uhr nachts die Flotte in zwei einige Seemeilen voneinander getrennten Gruppen in See zu bringen. De La Clue hatte mit östlichem Winde die Straße in Kiellinie passiert; er beabsichtigte nun, unter vollen Segeln mit westlichem Kurse in die offene See zu steuern, um sich einer Verfolgung zu entziehen. Er minderte auf dem[150] Flaggschiff Segel und gab das Signal für den neuen Kurs; als dies von den nächsten Hinterleuten beantwortet war, löschte er die Admiralslaternen am Heck, mehrte Segel und steuerte WNW. Die Kiellinie war wohl bisher nicht gut geschlossen gefahren, denn die Segeleigenschaft der Schiffe war sehr verschieden, die des Flaggschiffes besonders gut, und so kam es, daß die letzten 5 Linienschiffe sowie die Fregatten das Signal nicht bemerkten; als sie die Admiralslaternen aus Sicht verloren, steuerten sie NNW, um Cadiz zu erreichen, da dieser Hafen durch einen früheren Befehl als Sammelpunkt bei verloren gegangener Fühlung bezeichnet war.

Am 18. August gegen 7 Uhr vormittags sichtete Boscawen mit seiner vorn segelnden Gruppe, 8 Linienschiffen, de La Clue mit 7 Linienschiffen unter vollen Segeln in Kiellinie; er gab seinen drei besten Seglern den Befehl, Segel zu pressen und die letzten Schiffe der Franzosen festzuhalten. Um 2½ Uhr nachmittags kam der vorderste Engländer mit dem hintersten Feinde ins Gefecht; zum Vorteil der Verfolger flaute der Wind für die westlicher stehenden Schiffe ab, während die nachfolgenden noch Wind genug hatten, so daß bis bald nach 4 Uhr die ganze Gruppe Boscawens eingreifen konnte.

Um 4½ Uhr kam es zum Kampf zwischen den beiden Flaggschiffen, in dem das englische, „Namur“ mit 90 Kanonen, von dem französischen, „L'Océan“ mit 80 Kanonen, im Laufe einer halben Stunde durch Beschädigung der Takelage außer Gefecht gesetzt wurde, so daß Boscawen auf ein anderes Schiff gehen mußte. Hervorragend focht auch das letzte französische Schiff, „Centaure“, mit 74 Kanonen unter Kapitän de Sabran, der 11 Wunden davontrug; es hielt stundenlang gegen 5 englische Schiffe stand, bis es wrack und halb voll Wasser die Flagge strich. Dieser Opfermut gab den anderen Franzosen Gelegenheit, ihre Flucht fortzusetzen. Boscawen warf später einigen seiner Kommandanten vor, nicht tatkräftig genug eingegriffen zu haben, doch wurden sie anscheinend durch Windstille zurückgehalten. Während der unsichtigen Nacht retteten sich dann zwei Franzosen durch Ausbrechen aus ihrem Geschwader; der Rest wurde am 19. in die Bucht von Lagos gejagt. Das Flaggschiff setzte sich hier auf den Strand, die anderen ankerten unter den portugiesischen Batterien. Boscawen, dessen zweite Gruppe (Vizeadmiral Broderick) nun auch herangekommen war, nahm aber keine Rücksicht auf die Neutralität Portugals und griff an; 2 feindliche Schiffe wurden genommen, 2 verbrannt. Unter den letzteren war das Flaggschiff; den an beiden Beinen schwer verwundeten Admiral hatten seine Leute vorher an Land geschafft.

Der Verlust der Franzosen betrug 5 Linienschiffe, sowie gegen 200 Tote und Verwundete allein auf „Océan“ und „Centaure“. Die Engländer büßten 175 Mann ein, und zwar fast nur auf den Schiffen der ersten Gruppe. Aber auch die entwichenen französischen Schiffe waren außer Gefecht gesetzt. Die nach Cadiz gesegelten wurden hier bis zum Januar 1760 blockiert gehalten; die beiden später geflohenen erreichten auf Umwegen erst im Oktober Rochefort.

Die Schlacht bei Lagos kostete Frankreich seine Mittelmeerflotte und ist bemerkenswert als gutes Beispiel eines reinen Verfolgungsgefechtes. Die französischen Streitkräfte waren den englischen an Schlachtschiffen nur wenig unterlegen; es standen 12 Franzosen mit 806 Kanonen gegen 15 Engländer mit 998. Dennoch handelte de La Clue richtig, wenn er ein Zusammentreffen unbedingt zu vermeiden suchte; seine Aufgabe war, die Flotte ungeschwächt und schnell zur Vereinigung nach Brest zu führen. Sich dem Kampfe durch Einlaufen in Cadiz, dem von ihm für alle Fälle angegebenen Sammelpunkt, zu entziehen, wäre zwecklos gewesen, da er dann hier wie bislang in Toulon blockiert worden wäre.

Er hätte aber für Zusammenhalten der Flotte sorgen müssen, in der Nacht vor der Schlacht trennten sich jedoch die hintersten 5 Schiffe und segelten nach Cadiz. Von älteren französischen Quellen werden die Kommandanten dieser Schiffe des Ungehorsams, ja selbst der Feigheit, beschuldigt, neuere Schriftsteller urteilen mit Recht milder. Der Admiral mußte seine Absicht noch bei Tageslicht kundgeben oder hätte sich doch in der dunkeln Nacht erst überzeugen müssen, ob sein Signal allgemein verstanden sei, ehe er den beschleunigten Marsch antrat; bei dem noch unvollständigen Signalsystem[86] war dies unbedingt notwendig. Er hätte ferner schon vorher die Marschgeschwindigkeit der Flotte den langsamsten Schiffen anpassen müssen, um einem Zurückbleiben dieser vorzubeugen.

Den Nachteil, der einer Flotte durch ungleiche Marschfähigkeit ihrer Schiffe erwächst, wenn sie sich dem Kampfe entziehen will, nützte Boscawen richtig aus, als er am 17. folgte, ehe er seine Flotte aufgeschlossen hatte, und als er am 18. August ohne Rücksicht auf Ordnung durch seine schnellsten Schiffe die letzten des Gegners angreifen ließ, um diesen überhaupt festzuhalten. Der Kommandant des hintersten französischen Schiffes, Kapitän de Sabran, verdient das höchste Lob dafür, daß er hierbei durch heldenmütige Verteidigung und Aufopferung so viele Gegner festhielt, um seine Kameraden zu retten.