Kapitän de Sabran wurde während seiner Gefangenschaft in Gibraltar von den Engländern mit Auszeichnung behandelt und später in Toulon, in Paris sowie am Hofe sehr gefeiert. Den übrigen Kommandanten warf die öffentliche Meinung Ungeschick und Ungehorsam, ja sogar Feigheit und Verrat vor. Auch de La Clue fiel in Ungnade. Nach älteren Quellen soll er bald nach der Schlacht seinen Wunden erlegen sein, nach englischen Angaben schon in Lagos. Dies muß ein Irrtum sein, denn Lacour führt ausdrücklich an, er sei von Choiseul, der 1761 das Marineministerium übernahm, milder beurteilt und habe erst 1764 den Dienst verlassen.

Bezeichnend ist endlich noch das Auftreten des englischen Admirals an der Küste des neutralen Portugals; aber dieser Staat war so abhängig von England, daß man keine Rücksicht zu nehmen brauchte. Es erfolgte auch später nur eine förmliche Entschuldigung durch den englischen Gesandten; dieser war aber durch Pitt angewiesen, dabei keinen Zweifel zu lassen, daß man weder die genommenen Schiffe wieder ausliefern noch den Admiral tadeln würde.

Das Auslaufen der französischen Brestflotte 1759. Am 3. Juli erschien Kontreadmiral Rodney vor Le Havre mit einem Linienschiffe, 4 50-Kanonenschiffen, 5 Fregatten und 6 Mörserbooten, um die hier für die Expedition gebauten flachen Transportfahrzeuge, sowie die angehäuften Ausrüstungsgegenstände zu vernichten. Er überschüttete während 52 Stunden Stadt und Hafen mit 1900 Bomben und 1100 Brandgeschossen. Die Einwohner flüchteten; die Kauffahrer im Hafen, sowie die Magazine erlitten großen Schaden, und die flachen Boote, die in einem benachbarten kleinen Seinehafen Schutz gesucht hatten, wurden verbrannt, um sie nicht in Feindeshand fallen zu lassen.

Admiral Hawke hatte die Blockade von Brest im Juni mit 25 Linienschiffen nebst zahlreichen Fregatten aufgenommen. Er ließ hierbei seine leichten Schiffe dicht vor dem Hafen kreuzen, während er sich mit den schweren in sicherer Entfernung von der Küste hielt. Später zweigte er eine kleine Division unter Kommodore Robert Duff zur Beobachtung der Morbihanbucht ab, wo sich die französische Expedition sammelte, und sandte bald darauf noch eine zweite unter Admiral Geary vor die Quiberonbucht, um dem von Westindien zurückerwarteten Geschwader de Bompart (siehe Seite [148]) den Weg nach Rochefort zu verlegen. Nur einmal versuchten die Franzosen mit 4 Linienschiffen von Brest zur Morbihanbucht durchzubrechen; diese mußten jedoch wieder umkehren, da die innere Blockadelinie aufmerksam war und die Flotte heranrief.

Diese kleine französische Division unter Kapitän de Morogues sollte die unmittelbare Deckung des Transportes für den Einfall in England übernehmen. An diesem hielt man nämlich immer noch fest, obgleich die Rüstungen so langsam fortschritten, daß die Herbststürme herannahten, und obgleich mit der Mittelmeerflotte nicht mehr gerechnet werden konnte. Der Plan erlitt aber insofern eine Einschränkung, als von der Überführung eines Heeres über den Kanal abgesehen und nur die große Landung in Schottland, sowie die Diversion nach Irland im Auge behalten wurde. Auch diese Einschränkung scheint erst spät beschlossen oder überhaupt nur die Folge der weiteren Ereignisse gewesen zu sein, denn noch in einer Verfügung an Admiral Conflans in Brest vom 13. September ist von dem gegen England bestimmten Heere die Rede, als dessen Führer man jetzt den Prinzen Soubise nannte.

Das Mißgeschick bei Lagos sowie die sorgfältige Überwachung der Küsten durch die Engländer hätte wohl von dem ganzen Unternehmen abmahnen müssen. Aber man wünschte in Paris durch einen Erfolg auf dem Meere die im Landkriege erlittenen Scharten auszuwetzen und dadurch einen ehrenhaften Frieden herbeizuführen. Französische Quellen besagen, das Aufgeben des Planes nach den großen Vorbereitungen wäre für Frankreich ein volles Eingeständnis seiner maritimen Ohnmacht gewesen. Daraufhin aber sich in ein fast aussichtsloses Wagnis zu stürzen, spricht nicht für die Einsicht der leitenden Kreise. Doch kann dies kaum mehr wundernehmen als die Bestimmung des Prinzen von Soubise, der sich bei Roßbach ganz unfähig gezeigt hatte, zum Führer eines so schwierigen Unternehmens.

Im September hielt man das an der Morbihanbucht zusammengezogene Heer, sowie die Flotte in Brest für schlagfertig und erteilte am 15. d. M. dem Vizeadmiral der Levante, Marschall de Conflans[87], den Befehl, von Brest in See zu gehen, die Truppen abzuholen und am Clyde oder an der Ostküste Schottlands zu landen. Doch wieder traten Verzögerungen ein, weil die Ansichten über die Ausführung des Planes auseinandergingen. Der Marineminister Berryer erachtete den Admiral taktisch für nicht geschickt genug, um das Vorgehen des Feindes zu hindern und die Überfahrt der Transportflotte ohne entscheidenden Kampf zu sichern. Sein Plan war daher, für die unmittelbare Begleitung der Transporter nur 6 Linienschiffe zu bestimmen, die Flotte aber vorauszusenden, um die Schlacht vorher zu schlagen; brachte diese einen entscheidenden Sieg, so wäre der Weg frei, verlief sie ungünstig, so würde wenigstens der Transport nicht gefährdet.

De Conflans — der sich übrigens stets darüber beklagt hatte, daß Heer und Transporter nicht bei Brest gesammelt seien und daß er so bei Benutzung einer günstigen Gelegenheit für das Auslaufen zu einem zeitraubenden Umweg gezwungen sei — war anderer Ansicht; er bestand darauf, den Transport mit der ganzen Flotte zu begleiten und, wenn nötig, auch so einen Angriff abzuschlagen. Am 14. Oktober erhielt er denn auch eine neue Order (wörtlich bei Lacour I, Seite 366), die ihm freistellte, „ganz nach seiner Ansicht und Erfahrung zu handeln“. Der Augenblick war günstig, da die englische Flotte wegen eines Sturmes die Blockade für kurze Zeit hatte aufgeben müssen. Aber Conflans zögerte immer noch und zwar, wie er berichtete, weil die Ausrüstung der Flotte nicht abgeschlossen und die Besatzungen nicht vollzählig, sowie zu wenig eingeübt seien; die meisten Schiffe hatten seit drei Jahren den Hafen nicht verlassen. Am 9. November sah sich die englische Flotte wiederum durch das Wetter genötigt, die Blockade abzubrechen und nach Torbay zu segeln; diese Gelegenheit benutzte das gerade vor Westindien anlangende Geschwader Bomparts, um in Brest einzulaufen. Es zählte 8 Linienschiffe und würde die Brestflotte auf 27 solcher gegenüber 23 der englischen Blockadeflotte gebracht haben; Conflans zog sie aber hierzu nicht heran, sondern füllte mit ihren seeerfahrenen Besatzungen seine Schiffe auf. Diese Maßregel wird sehr verschieden beurteilt, muß aber wohl als zweckentsprechend angesehen werden; sie läßt auf den traurigen Zustand der übrigen Schiffe schließen. Conflans ging dann am 14. November mit östlichem Winde in See und steuerte südwärts.