Admiral Edward Lord Hawke.
Admiral Hawke hatte am 12. Torbay wieder verlassen, sobald das Wetter besser geworden, war aber nochmals zur Umkehr gezwungen; er trat dann auch am 14. die Fahrt nach Brest an und hörte vor dem Hafen, daß der Feind im Süden mit östlichem Kurse gesehen sei; er schloß richtig, daß er zur Quiberonbucht wolle, und folgte unter einem Preß von Segeln.
Die Schlacht bei Quiberon, 20. November 1759[88]. Marschall de Conflans hoffte zwar eine Schlacht zu vermeiden, mußte aber eine solche sogar suchen, wenn er auf die englische Flotte stieß und dennoch die Expedition mit den Transportern durchführen wollte; die Vereinigung allein mit diesen in der Quiberonbucht würde sonst nur eine weitere Blockade von Flotte und Konvoi zur Folge gehabt haben, nunmehr in einem Hafen, also eine leichtere Aufgabe für den Gegner. In einem ausführlichen Flottenbefehle betonte er, daß man wahrscheinlich bald mit dem Feinde zusammenstoßen würde, und er erließ ausführlichste Gefechtsvorschriften für alle möglichen Verhältnisse, unter denen dies erfolgen könnte. Stets war mit tönenden Worten auf ein schneidiges Vorgehen hingewiesen. Mit Vorstehendem aber stimmte der weitere Verlauf der Dinge durchaus nicht; Conflans traf weder Maßregeln, um sich durch Aufklärer vor Überraschung zu sichern, noch trat er dem Feind entgegen, als dieser erschien. Südöstliche Winde hemmten die Fahrt der Flotte und versetzten sie westlich; erst am 19. November abends stand sie etwa 70 Seemeilen südwestlich von Belle-Ile.
Jetzt drehte der Wind nach Westen und Conflans nahm Kurs auf die Quiberonbucht; da der Wind schnell auffrischte, mußte er aber kleine Segel führen, um nicht während der Nacht vor der Einfahrt anzukommen. Bei Tagesanbruch am 20. wurden voraus einige Segel gesichtet. Es war die Division des Kommodore Duff, der die Quiberonbucht bewachte: 1 Linienschiff, 4 50-Kanonenschiffe, sowie 3 oder 4 Fregatten. Duff hatte hinter Belle-Ile vor Anker gelegen und war in wenigen Minuten, nach Kappen der Ankertaue, unter Segel gegangen, als er durch eine vor der Einfahrt kreuzende Fregatte das Nahen der Franzosen erfuhr. Conflans, der in Brest stets Nachrichten von der Morbihanküste erhalten hatte, schloß ganz richtig, daß er es nur mit Duff zu tun habe, und befahl allgemeine Jagd. Die englische Division teilte sich; einige Schiffe segelten über Backbordbug beim Winde nach Süden, die anderen unter Duff hielten raum wieder auf die Küste zu. Diesen folgte Conflans mit Vorhut und Mitte seiner Flotte, da sie den größeren Teil des Feindes ausmachten und auf seinem Kurse lagen; gegen den kleineren Teil sandte er die Nachhut. Bald darauf aber meldete diese zahlreiche Schiffe im NW und auch das Flaggschiff sichtete sie; es war Hawkes Flotte, die unter vollen Segeln herankam. Duff ging nun an den Wind und vereinigte sich mit Hawke; Conflans rief seine Nachhut zurück und gab Befehl zum Bilden der Kiellinie, sowie für Vorbereitung zum Gefecht.
Wenn er wirklich zunächst die Absicht gehabt hatte, den Kampf auf offener See anzunehmen, so gab er sie doch bald auf, da es mit allen Anzeichen aufkommenden schweren Wetters hart aus WNW wehte und da die Flotte dicht unter einer Leeküste einem überlegenen Feinde gegenüber in Lee stand. Er entschloß sich, einzulaufen, in der sicheren Voraussetzung, daß Hawke nicht wagen würde, bei den Wetterverhältnissen ohne Lotsen und genaue Karten in das mit Bänken und Riffen besetzte Gewässer zu folgen. Er hoffte noch unbehelligt hineinzukommen und wollte dann dicht unter dem westlichen Ufer der Bucht ankern. So dachte er den Gegner, falls dieser doch folgen sollte, zu zwingen, zum Angriff nun seinerseits die Leestellung mit der Küste in Lee einzunehmen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff an die Spitze der Flotte, um sie zu führen; auf seinen Platz für die Gefechtsformation in der Mitte beabsichtigte er erst später wieder zu gehen.
Aber keine seiner Voraussetzungen traf ein. Das Bilden der Linie dauerte lange, die Engländer kamen schnell näher, und Hawke ließ sich keinen Augenblick durch die vor ihm liegenden Gefahren beirren. Als erfahrener Seemann würdigte er sie vollauf, aber er war ein ruhiger und tapferer Mann und er schätzte den Schneid sowie die Erfahrung seiner, durch die harte Schule langer Blockaden erprobten Offiziere und Mannschaften höher ein als die der Franzosen; er wußte, daß sein Land die Vernichtung der feindlichen Flotte erwartete — wurde er doch, während er hier dieses Werk vollbrachte, in England in effigie verbrannt, weil er diese aus Brest hatte entschlüpfen lassen. Zweifellos rechnete er auch damit, daß die vorausfahrenden Franzosen ihm als Lotsen dienen oder zuerst auf den Grund kommen würden. Er nahm die Verfolgung auf, erreichte die feindliche Flotte noch in der Einfahrt und setzte sie durch einen Kampf in der Melée unter den schwierigsten Umständen — Sturm, schwere See, sowie Leeküste; eine ungeheure Zahl von Schiffen auf kleinem, gefährlichem Raum — für den weiteren Verlauf des Krieges außer Gefecht.
| Die Stärke der Flotten: | |||||||||
| Kanonenzahl | 100 | 90 | 80 | 74 | 70 | 64 | 60 | ||
| Englische Schiffe | 1 | 3 | — | 7 | 5 | 2 | 5 | = 23 | Linienschiffe |
| Französische Schiffe | — | — | 4 | 6 | 4 | 7 | — | = 21 | „ |
Hinzu traten auf englischer Seite: 4 50-Kanonenschiffe (Division Duff), 6 Fregatten zu 28–36 Kanonen; auf französischer Seite: 2 oder 3 Fregatten zu 30 Kanonen, 2 Korvetten mit 6 und 16 Kanonen.
Französische Flaggoffiziere: Vorhut Chef d'Escadre de Bauffremont, Prince de Linois; Mitte Marschall de Conflans; Nachhut Chef d'Escadre St. Andrée du Verger.