Die Einnahme von Belle-Ile, April/Mai 1761. Schon im Herbst 1760 befand sich eine Flotte mit Landungstruppen in Ausrüstung, die man anfangs gegen die Inseln Isle de France und Bourbon, später aber gegen die französische Küste verwenden wollte. Durch den Tod König Georgs II. (27. Oktober) traten jedoch Verzögerungen ein und Pitt verlor an Einfluß, so daß man die Sache für dieses Jahr aufgab. Im Frühjahre 1761 wurde sie mit Erfolg, allerdings auch mit großem Kraftaufwand, ins Werk gesetzt. Ein Geschwader von 13 Linienschiffen nebst drei Fregatten wurde vor Brest stationiert, um jede Störung von dort aus zu hindern, und eine Flotte von 15 Linienschiffen, 8 Fregatten, 3 Sloops, 2 Brandern, 3 oder 4 Mörserbooten und zahlreichen Transportern mit 10000 Mann segelte am 29. März (einige der Schiffe etwas später) von St. Helens, Insel Wight, ab, um Belle-Ile zu erobern. Die Flotte führte Kommodore Augustus Keppel, die Truppen General Hodgson. Am 6. April sichtete man die Insel und Keppel zweigte 6 Fregatten ab, um sie von der Verbindung mit dem Festlande abzuschneiden. Am 7. ankerte die Flotte vor dem Haupthafen Le Palais auf der Nordostseite der Insel. Diese Stadt wurde durch eine Zitadelle nebst einigen Außenwerken verteidigt, an anderen Landeplätzen lagen schwache Forts oder Batterien; Erkundungen ergaben, daß die beste Landungsstelle in einer kleinen Bucht an der Südostspitze der Insel sei.

Hier warf man am 8. Truppen an Land, nachdem die Batterie niedergekämpft war, sie fanden aber derartigen Widerstand, daß sie sich wieder zurückziehen mußten; das Wetter hinderte dann 14 Tage lang einen neuen Versuch. Dem Kommandanten von Belle-Ile, Chevalier de Saint-Croix, standen nur zwei Regimenter nebst einigen Bataillonen Miliz zur Verfügung, trotzdem benutzte man die Frist nicht, Verstärkungen vom Festlande (Lorient) heranzuziehen; auch französische Quellen können nicht angeben, ob man es nicht wagte oder nicht konnte. Am 22. landeten die Engländer aufs neue an drei Stellen der Bucht, zwei Landungen waren nur Scheinangriffe; die Franzosen wurden durch das Feuer der Flotte vertrieben und mußten sich auf Le Palais zurückziehen. Die Angreifer schritten nun zur regelrechten Belagerung der Stadt, am 13. Mai wurden die Außenwerke genommen und vom 16. an die Zitadelle auf das heftigste beschossen. Als am 7. Juni Bresche gelegt war und zum Sturm geschritten werden sollte, kapitulierte St. Croix mit allen militärischen Ehren. Die Angreifer verloren in den Kämpfen 310 Tote und 500 Verwundete, aber außerdem viele Leute durch Krankheiten.

Die englischen Quellen heben besonders hervor, daß bei diesem Unternehmen stets völliges Einverständnis zwischen dem Admiral und dem General geherrscht habe, ein bisher selten vorgekommener Fall. — Die Insel blieb bis zum Friedensschluß in den Händen der Engländer, diese hatten damit einen Stützpunkt für die Blockade der atlantischen Häfen Frankreichs gewonnen; französische Schriftsteller weisen darauf hin, daß Belle-Ile im Verein mit den Kanalinseln ihren Gegnern einen Einfall in die Bretagne möglich gemacht haben würde.

Bald nach der Landung hier hatte Keppel den Kapitän Sir Thomas Stanhope mit 7 Linienschiffen nach der Rhede von Ile d'Aix gesandt. Dieses Geschwader fand dort zwar keine feindlichen Schiffe vor, zerstörte aber am 21. und 22. Juni die Befestigungen der Insel. Der Versuch der Franzosen, dies von der Charente aus mit Kanonenschaluppen zu hindern, schlug fehl, ebenso ein Unternehmen im Dezember, die blockierenden Engländer mit Brandern zu vertreiben.

Für das Jahr 1762 sind keine Ereignisse von Bedeutung in den europäischen Gewässern zu verzeichnen, obgleich Spanien im Januar auf seiten Frankreichs in den Krieg eintrat. England beschloß, ohne Zaudern auf das schärfste gegen den neuen Gegner vorzugehen und ihn an seiner verwundbarsten Stelle, seinen Kolonien, anzufassen. Es sandte sofort eine bedeutende Verstärkung nach Westindien, zog dort unter Admiral Pocock eine Expedition gegen Havanna zusammen und schickte auch nach Ostindien Streitkräfte, um die Philippinen anzugreifen. In Europa beschränkten sich die Maßnahmen außer auf die Verstärkung der Mittelmeerflotte darauf, daß man den größeren Teil der bisher für die Blockade der französischen Küsten verwendeten Kräfte unter Hawke, später unter Admiral Hardy, in den spanischen Gewässern stationierte. 8000 Mann wurden nach Lissabon gesandt, mit deren Hilfe Portugal den Angriff der Franzosen und Spanier zurückwies.

Wie im Mittelmeer, so zeigte sich die spanische Marine auch nicht im Atlantik. Wohl weil die Blockadegeschwader in der Biskaya schwächer als bisher gehalten wurden, gelang es in diesem letzten Jahre des Krieges nochmals zwei französischen Geschwadern, bei Sturm durchzuschlüpfen. Früh im Jahre verließ der Chef d'Escadre de Blenac mit 7 Linienschiffen, 4 Fregatten nebst 7 Bataillonen Infanterie Brest und segelte nach Westindien; das englische Blockadegeschwader versuchte zwar, ihn einzuholen, mußte jedoch die Verfolgung aufgeben, da die Proviantbestände zu Ende gingen, und sich damit begnügen, den Admiral in Westindien von der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis zu setzen. Im Mai lief dann der Kapitän de Ternay mit 3 Linienschiffen, deren eins als Transporter (Flüte) diente, 1 Fregatte und 600 Soldaten von Brest nach Nordamerika aus und erreichte sein Ziel. Diese beiden letzten Anstrengungen Frankreichs, den Kolonien Hilfe zu bringen, hatten aber auf den Krieg in den fernen Gewässern keinen Einfluß mehr; dort war schon alles verloren.

Pläne für einen Einfall in England entwarf man auch noch in den Jahren 1761 und 1762. Es befinden sich Arbeiten darüber in den Archiven des französischen Marineministeriums und ebenso in einem Briefwechsel zwischen Choiseul, der im Oktober 1761 dieses Ministerium übernahm, und dem Gouverneur der Bretagne, Herzog d'Aiguillon, der schon 1759 zum Chef des Einfallheeres bestimmt gewesen war.

Näheres über einige dieser Arbeiten findet man in Lacour I, Seite 354. Ein Plan ist bemerkenswert, da er dem gleicht, der den Bestimmungen und Bewegungen der französisch-spanischen Seestreitkräfte vor der Schlacht von Trafalgar 1805 zugrunde lag. Aus den verschiedenen französischen und spanischen Häfen sollten Geschwader zu Vorstößen in den kolonialen Gewässern auslaufen, um England zur Teilung seiner Kräfte zu verleiten. Sie sollten sich aber an einem bestimmten Termin in Ferrol vereinigen, die in Europa verbliebenen Schiffe aufnehmen und dann dem Übergang eines Heeres über den Kanal den Weg freimachen.

Der Krieg in den Kolonien[92].

Nordamerika. 1748–1755. Hier blieben die englischen und die französischen Kolonien nach dem Frieden von Aachen 1748 eigentlich im Kriegszustande, während von ihren Mutterländern Verhandlungen über die unerledigt gelassenen Grenz- sowie Machtbereichsfragen geführt wurden, wie es beim Friedensschluß bestimmt war. Die englischen Kolonien mußten Wert darauf legen, daß Neuschottland stärker von Engländern besiedelt und die nicht zuverlässige alte französische Bevölkerung dort verdrängt würde. Die englische Regierung sträubte sich anfangs dagegen, sowohl der Kosten wegen als auch in der Besorgnis, Neuengland könne zu mächtig werden; sie mußte aber doch nachgeben, bot nun Auswanderern nach Neuschottland große Vorteile und baute 1749 die Festung Halifax.