Deren erster Gouverneur begann dann sofort, die Indianer auszurotten und die französischen Ansiedler zum Anschluß an England oder zur Auswanderung unter Verlust ihres Eigentums zu zwingen. Noch wichtiger war es, dem Vordringen der Franzosen im Ohiotale Einhalt zu tun, das die Ausdehnung der Neuenglandstaaten über das Alleghanygebirge nach Westen hin unmöglich zu machen drohte, während den Nebenbuhlern die Aussicht erwuchs, durch den Mississippi mit der Kolonie Louisiana in Verbindung zu treten und so die englischen Kolonien ganz ein- und abzuschließen. Schon 1748 wurde deshalb in Virginia die Ohiokompagnie gegründet, deren Agenten und Kolonisten sich im Ohiogebiet zwischen den Flüssen Monongahela und Kenewka festsetzten.

Die französischen Gouverneure in Kanada, de la Gallissonnière (1747), de la Jonquière (1749), de Menneville (1752), bemühten sich eifrig, die französischen Interessen zu behaupten.

Ihre Agenten waren im ganzen Hinterlande Neuenglands tätig und bemühten sich, in Akadien die französischen Sympathien zu nähren; man baute sogar Befestigungen auf der Landzunge zwischen Neuschottland und Neubraunschweig, um das Vordringen der Engländer zu hindern, obgleich die Friedensbedingungen das Gebiet bis auf einen nördlichen noch strittigen Strich England zugesprochen hatten. Endlich wurde die Kette von Forts, die sich von Quebec zum Mississippi — am Ontario- und Eriesee, sowie am Ohio und seinen Nebenflüssen entlang — ziehen sollte, in den Jahren 1749 bis 1754 weitergeführt und ausgebaut. Es würde zu weit führen, näher auf die beiderseitigen Maßnahmen sowie auf die dabei vorgekommenen kleineren Zusammenstöße einzugehen; von ihnen soll aber derjenige erwähnt werden, der Frankreich für den Augenblick zum Herrn im Ohiotale machte und zum Ausbruch des offenen Krieges führte. Bei ihm tritt auch zum ersten Male Washington in der Geschichte auf.

Der erste Zusammenstoß im Ohiotale 1754. Im Jahre 1753 hatten sich die Verhältnisse bereits soweit zugespitzt, daß die englische Regierung gestattete, dem Eindringen der Franzosen in das Ohiogebiet mit Gewalt entgegenzutreten. 1754 führte der Milizmajor Washington etwa 500 Mann mit einigen Kanonen vor, um den Bau eines Forts der Ohiokompagnie am Zusammenfluß des Alleghany und des Monongahela zu schützen, wo jetzt Pittsburg liegt. Ehe er aber eintraf, hatten die Franzosen den Platz überfallen und sich dort festgesetzt (Fort Duquesne). Sie sandten dann Washington eine Abteilung mit der Forderung entgegen, das von Frankreich beanspruchte Gebiet zu räumen; es kam zu einem Gefechte, in dem der französische[165] Führer fiel und 21 seiner Leute gefangen wurden. Washington verschanzte sich nun in der Hoffnung auf Verstärkung, wurde aber vom Fort Duquesne aus durch 600 Kanadier nebst 100 Indianern angegriffen und am 3. Juli zur Übergabe gezwungen.

Nach diesem Ereignis, das in ganz Europa Aufsehen erregte, war an einen friedlichen Austrag der Streitigkeiten nicht mehr zu denken. England brach zwar die Verhandlungen noch nicht ab, rüstete aber stark zur See, und auf sein Betreiben faßten die nordamerikanischen Kolonien zum ersten Male den Plan einer Bundesverfassung sowie ein gemeinsames Vorgehen in ihrem Hinterlande ins Auge. Ende 1754 sandte die Regierung den General Braddock mit zwei Regimentern nach Virginia. Frankreich tat zunächst noch nichts, da die Kassen leer waren; man empfand aber wohl, daß Kanada den vereinten englischen Kolonien nicht gewachsen[93] war und suchte durch Fortführung der Verhandlungen Zeit zum Rüsten zu gewinnen.

Frankreich erbot sich im Januar 1755, die Verhältnisse dem Aachener Frieden (1748) gemäß herzustellen, England verlangte den Utrechter Frieden (1713) als Grundlage. Ersteres erklärte sich im Februar bereit, auch das Ohiogebiet preiszugeben; ernst war es ihm jedoch kaum damit, denn gleichzeitig wies es seinen Gouverneur an, die englischen Forts am Kennebec zu nehmen. Die englische Regierung, die dies wußte und zum Bruche entschlossen war, forderte jetzt, im März, daß Frankreich das Ohiogebiet räume, die Forts am Niagara schleife, die Neutralisierung des Ontario-, Erie- sowie des Champlainsees und auch des Südufers des St. Lawrencegolfes bewillige, endlich den noch strittigen nördlichen Teil von Neubraunschweig abtrete. Darauf konnte Frankreich nicht eingehen, setzte aber die Verhandlungen noch fort.

Der offene Krieg brach in Amerika bald aus. Braddock, der im Februar 1755 gelandet war, stellte im April im Verein mit den Gouverneuren der wichtigsten Kolonien einen Kriegsplan auf, nach dem der Gouverneur von Neuschottland die Gebiete bis zum Lawrencegolf besetzen, die Milizen von New York und New Jersey, Crown Point (Fort St. Frederic, am Südende des Champlainsees) nehmen, und der schon aus dem vorigen Kriege bekannte Gouverneur von Boston, Shirley, Fort Niagara (an der Mündung des Niagara in den Ontariosee) angreifen sollte, während Braddock mit der Hauptmacht sich die Unterwerfung des Ohiogebietes vorbehielt. In Akadien glückte der Plan. Im Juni wurden die französischen Forts auf der Landzunge genommen und 7000 Einwohner, die den vollen Untertaneneid verweigerten, unter Beschlagnahme ihres Eigentums, sowie ohne jede weitere Fürsorge gewaltsam nach südlicheren Kolonien geschafft. Braddocks Zug gegen das Fort Duquesne schlug jedoch völlig fehl; er fiel am 9. Juli in einen Hinterhalt und kam mit einigen hundert Mann ums Leben; ohne Washingtons Geschick wären alle verloren gewesen.

Inzwischen hatten auch die Franzosen Unterstützung erhalten. Im Mai 1755 hatte ein Geschwader unter Dubois de la Motte Truppen unter dem deutschen General Baron Dieskau (mit ihm kam als neuer Gouverneur de Vaudreuil nach Kanada) nach Louisbourg und Quebec gebracht, ohne daß das englische Geschwader unter Boscawen es hatte hindern können. Diese Verstärkung vereitelte auch die beiden anderen Vorstöße. Der Zug gegen Crown Point war zwar vorgedrungen und hatte am oberen Hudson sowie am Lake George Befestigungen angelegt, dann aber trat ihm Dieskau entgegen. Zwar erlitt dieser eine Niederlage, in der er selber fiel, aber auch die Engländer wurden so geschwächt, daß sie stehen blieben und nur ihr Lager, Fort William Henry am Lake George, ausbauten. Infolgedessen kam auch der Zug gegen Fort Niagara zum Stillstand. Hier hatte man den Ontariosee erreicht, begnügte sich aber nun damit, die dort befindlichen englischen Stationen, Oswego und Ontario, zu verstärken.

Frankreich hatte sich also 1755 außer in Akadien überall behauptet, obgleich es nur 2800 Reguläre und 5000 Milizen gegen 15000 Mann, worunter etwa 7000 Reguläre, ins Feld führen konnte.

Trotz alledem ward der Krieg noch nicht erklärt. In England erwog man wiederum, ob nicht in den Kolonien bei weiterem Wachsen ihrer Macht Selbständigkeitsgelüste auftreten würden. Gouverneur Shirley erklärte aber, eine Vereinigung der Kolonien sei bei der Verschiedenheit der Verfassung, der Interessen sowie der Stimmung in den einzelnen unwahrscheinlich, auch könnten derartige Bestrebungen leicht durch die Besatzungstruppen niedergehalten werden; es gelang ihm, die Regierung zur Vertreibung der Franzosen aus Kanada zu bestimmen. Shirley erhielt nun die oberste Leitung sämtlicher Milizen und faßte den Plan, 1756 Quebec von zwei Seiten anzugreifen, sowie gleichzeitig alle vorgeschobenen Forts der Franzosen im Westen zu nehmen. Die Mittel der Kolonien würden jedoch hierzu trotz ihrer Wohlhabenheit und starken Bevölkerung nicht hingereicht haben; den Milizen mangelten Übung und gute Offiziere. In England zweifelte man auch an der Befähigung Shirleys als Führer; man rief ihn deshalb unter dem Vorwande ab, seinen Rat nötig zu haben, und ersetzte ihn 1756 durch den Earl of Loudoun. Dieser sollte, unabhängig von den Gouverneuren, den Befehl über sämtliche Streitkräfte übernehmen, aber auch die Eigenwilligkeit der Kolonien brechen. Zu diesem Zweck erließ man Verfügungen, die in bestehende Vorrechte eingriffen. Anderseits brachte Loudoun eine Million Lstrl. mit, um den Kolonien die Kosten des Krieges 1755 zu ersetzen, sowie Mittel und Offiziere zur Errichtung zweier königlicher Regimenter.