Frankreich hatte zwar nach dem Auftreten des Admirals Boscawen im Juli 1755 die Verhandlungen abgebrochen, verhielt sich aber sonst doch friedlich und ergriff nicht einmal Gegenmaßregeln, als England überall französische Schiffe aufbrachte. Aber nach Nordamerika sandte man doch Verstärkungen; im April 1756 traf General Marquis de Montcalm mit drei Fregatten und drei Flüten dort ein, die 1500 Mann nebst Kriegsmaterial und Geldmitteln erhielten. Der neue Oberbefehlshaber fand ungünstige Verhältnisse vor. Der Feldzug hatte die Kolonie erschöpft, da die Milizen der Bestellung der Felder entzogen gewesen waren; zwischen diesen tüchtigen, aber wenig disziplinierten Kriegern und den Regulären herrschte schlechtes Einvernehmen; die Beamten der Kolonie wirtschafteten unredlich.
Das Jahr 1756 brachte für England nur weitere Rückschläge. Loudoun zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Statt schleunigst zu handeln, lag er mit 10000 Soldaten und 7000 Milizen untätig in Albany. Die englischen Seestreitkräfte waren nur schwach; die von Boscawen zurückgelassenen Schiffe unter Kommodore Spry kreuzten zwar in den Gewässern bei Louisbourg, es gelang ihnen aber nicht, die französischen Schiffe mit Verstärkungen zu fassen. Der französische Oberbefehlshaber, Montcalm, war dagegen sehr tätig. Von den Forts Crown Point, Frontenac (am Niagara) und Niagara aus beunruhigte er die vorgeschobenen englischen Posten und deren Rückverbindungen; er nahm sogar Oswego sowie Ontario, wobei 1640 weiße Soldaten nebst 113 Kanonen und große Vorräte in seine Hände fielen. So faßte er festen Fuß am Ontariosee und bereitete weitere Angriffe vor, während verbündete Indianer die englischen Grenzgebiete verwüsteten.
Jetzt wäre es für Frankreich an der Zeit gewesen, Kanada mit aller Kraft zu unterstützen, aber man hatte in Paris mehr Vorliebe für Pläne gegen England in Europa und für den Krieg in Deutschland. Ganz ohne Erfolg blieben Montcalms Bitten um Hilfe indessen nicht. Bekanntlich gelang es im Frühjahr 1757 drei französischen Geschwadern mit Truppen und Material, die Blockade zu brechen. Bauffremont traf am 23. Mai mit 4 Linienschiffen, Durevest am 25. mit 4, und Dubois de la Motte am 19. Juni mit 9 in Louisbourg ein; von nun an waren die französischen Seestreitkräfte den englischen stets gewachsen, zuzeiten überlegen. Dubois verfügte im Juni über 18 Linienschiffe und 5 Fregatten, während die Engländer erst im Juli, nach Eintreffen einer Verstärkung, 15 Linienschiffe zählten.
Der Hauptplan Loudouns für 1757 ging denn auch durch die Überlegenheit der Franzosen zur See in die Brüche. Zu einem kräftigen Vorgehen gegen die Forts an den Seen war der General auch in diesem Jahre nicht geneigt, aber er hatte einen Angriff auf Louisbourg vorgeschlagen und dafür die Billigung der Regierung erhalten; diese bestimmte den Gouverneur von New York, Kontreadmiral Sir Charles Hardy, zum seemännischen Führer des Unternehmens. In New York wurden im Mai 3500 Mann zusammengezogen, aber erst im Juni nach Halifax übergeführt, weil sich bis dahin französische Schiffe dort gezeigt hatten; mit den Truppen in Halifax zählte das Angriffskorps nunmehr 11000 Mann. Es wurden aber Wochen mit Exerzitien und Paraden verloren, vielleicht wollte man auch die eben erwähnte Verstärkung erwarten, die längst in Aussicht gestellt war; hatte man Anfang Juni die französische Flotte für zu stark erachtet, um in See zu gehen, so war dies nach Dubois' Eintreffen noch mehr der Fall.
Es fällt auf, daß Dubois diese Gelegenheit nicht benutzte, seinerseits anzugreifen. Er hatte jedoch nach dem französischen Brauche zu jener Zeit wieder den gemessenen Befehl, „Louisbourg nur zu verteidigen; die feindlichen Seestreitkräfte nur anzugreifen, wenn er derartig überlegen sei, daß der Erfolg unbedingt sicher stände“; er hatte außerdem viele Kranke auf seinen Schiffen und war 65 Jahre alt. Am 7. Juli traf endlich die Verstärkung unter Vizeadmiral Francis Holburne ein, der den Oberbefehl zur See übernahm. Dieser ließ durch Fregatten die Kräfte der Gegner erkunden und daraufhin wurden die Truppen am 1. und 2. August eingeschifft, um sie in der Gabarusbucht, 6 Seemeilen westlich von Louisbourg, zu landen. Als man aber auf einer Prise Papiere fand, die höhere und richtigere Angaben über die Stärke der Franzosen enthielten, sah man doch von dem Unternehmen ab; die Truppen wurden wieder ausgeschifft und teilweise nach New York zurückgeführt.
Auf den anderen Kriegsschauplätzen brachte das Jahr 1757 den Engländern nur Verluste. Montcalm hatte schon im Winter versucht, sich des Forts William Henry am Georgesee zu bemächtigen, und im August gelang es ihm, dieses zu zerstören; dann stellte er allerdings die Operationen ein, da er die Milizen zum Einbringen der Ernte entlassen mußte, und da unter den Indianern die Blattern ausbrachen. Immerhin blieben die Franzosen Herren des Hinterlandes von New York und Loudoun tat auch nach Aufgabe des Angriffs auf Louisbourg hiergegen nichts. Er glaubte genügendes zu leisten, wenn er die über die mangelhafte Kriegführung entrüsteten Kolonisten zum Befolgen seiner Verordnungen anhielt und über etwaige Selbständigkeitsgelüste wachte. Die Entrüstung wuchs aber noch, als die englische Flotte bald heimsegelte.
Admiral Holburne hatte schwer durch Sturm gelitten. Er war am 26. August vor Louisbourg erschienen, um in Person die Verhältnisse zu erkunden, ging aber nach Halifax zurück, als Dubois Miene machte, herauszukommen. Hier fand er eine neue Verstärkung von 4 Linienschiffen vor, die seine Flotte auf 19 Linienschiffe und 2 50-Kanonenschiffe brachte. Jetzt dem Gegner überlegen, ging er abermals in See, um Dubois durch Abschneiden aller Zufuhren zum Kampfe zu zwingen. Aber als die Flotte am 24. September etwa 60 Seemeilen südlich von Louisbourg stand, kam ein schwerer Oststurm auf, der am 25. zum Orkan anschwoll; die Flotte wäre wahrscheinlich verloren gewesen, wenn der Wind nicht nach Norden gedreht hätte. So schon scheiterte ein Linienschiff, eine Sloop kenterte und die anderen Schiffe litten schwer, 12 wurden entmastet. Der Admiral sah sich genötigt, einen Teil der Flotte sofort nach England zu senden; er folgte bald darauf mit dem Rest und ließ nur eine kleine Division in Halifax, die Louisbourg die Zufuhren abschneiden sollte. Nun verließ im Oktober auch Admiral Dubois die Station, er entging dem Blockadegeschwader Hawkes und lief am 22. November in Brest ein. Den Gesundheitszustand auf seinen Schiffen kennzeichnet die Tatsache, daß er nach seiner Ankunft 4000 Kranke ausschiffte, wodurch in Brest eine Epidemie ausbrach, die täglich 50–80 Opfer forderte.
England erobert Louisbourg 1758. In diesem Jahre wandten sich die Verhältnisse zugunsten Englands: als Pitt ans Ruder gelangt war, der gerade auf den Kolonialkrieg Wert legte, kam ein anderer Geist in die englische Kriegführung.
Pitt änderte vor allem die innere Politik in Nordamerika: Loudoun wurde abberufen; alle gegen die Freiheiten der Kolonien gerichteten Maßregeln wurden aufgegeben;[169] den Milizoffizieren bewilligte man gleiche Rechte wie denen des Heeres; anstatt Kriegssteuern zu fordern, ersuchte man die Neuenglandstaaten, gegen Rückerstattung der Kosten so viel Leute als möglich ins Feld zu stellen. — Pitt wandte sich mit Erfolg an die Vaterlandsliebe der Kolonisten.
Pitt entwarf mit Benjamin Franklin, der sich gerade in England aufhielt, einen Kriegsplan: Mit einer Hauptmacht, einer starken Flotte unter Admiral Boscawen nebst 12000 (14000?) Mann Landungstruppen, sollten Louisbourg und dann Quebec genommen werden, eine weitere Expedition unter General Abercromby gleichzeitig gegen Crown Point und eine dritte unter John Forbes gegen Fort Duquesne vorgehen. Die Kräfte der beiden letztgenannten Unternehmen waren auf 50000 Mann, Reguläre und Milizen, veranschlagt. Aber auch Frankreich hatte in den Wintermonaten Verstärkungen hinausgesandt; in drei Abteilungen segelten 4 voll armierte Linienschiffe, 2 Fregatten, 5 als Flüten ausgerüstete Linienschiffe, sowie ein schweres Schiff der indischen Kompagnie mit Truppen und Vorräten nach Louisbourg und Kanada.