Was wollte dies jedoch gegen die Übermacht sagen, mit der England auftrat. Als der Angriff erfolgte, standen in Louisbourg nur 3000 Soldaten, mit den Schiffsbesatzungen und einigen Milizen wahrscheinlich 7000 Verteidiger insgesamt; Montcalm verfügte in Kanada über 6000 Reguläre und 15000 Milizen, die auf viele weitentlegene Stationen verteilt waren, sowie über Indianerhorden. Er konnte daher nicht mehr angriffsweise vorgehen und hielt auch die Kolonie ohne schleunige Hilfe oder Friedensschluß für verloren. Wohl wollte Frankreich noch weitere Verstärkungen senden, aber Hawke machte dies durch sein Auftreten auf der Rhede von Ile d'Aix am 3. April 1758 (Seite 145) unmöglich. Dennoch verlor Montcalm den Mut nicht; am 16. Juni schrieb er nach Paris: „Wir werden fechten und uns unter den Trümmern der Kolonie begraben lassen.“ — Trotz der üblen Lage der Gegner gelang den Engländern nur der Angriff auf Louisbourg vollständig; im Landkriege ward nur ein Teilerfolg erzielt.

Die Einnahme von Louisbourg[94] 1758. Lage sowie Befestigungen der Stadt sind bereits Seite 93 beschrieben. Die Befestigungen waren jetzt besser im Stande als damals, besonders auf der Seefront, aber der Gouverneur, Kapitän zur See Chevalier Drucourt, verfügte nur über 3000 Soldaten und einige Milizen. Im Hafen lagen 5 Linienschiffe, davon 3 als Flüten armiert, 2 Fregatten und 2 Korvetten. Diese vier kleineren Schiffe wurden in der Hafeneinfahrt versenkt und die Linienschiffe hinter der so hergestellten Sperre mit der Breitseite nach See zu verankert. Die letzte Abteilung der obenerwähnten Verstärkung, Kapitän Du Chaffault, war angelangt, als der Hafen schon gesperrt war; er gab die für die Festung bestimmten Truppen sowie Vorräte ab und ging nach Quebec weiter.

Die englische Expedition unter Admiral Boscawen hatte im Februar Portsmouth verlassen; sie zählte 20 Linienschiffe, 18 Fregatten, einige leichtere Schiffe sowie über 100 Transporter; insgesamt 167 Segel mit 12000 Mann Landungstruppen. Diese befehligte Generalmajor Jeffrey Amherst, unter ihm stand als Brigadegeneral James Wolfe, der spätere Held von Quebec. Auf der Überfahrt durch[170] Sturm teilweise versprengt, fand sich die Expedition erst am 2. Juni in der Gabarusbucht wieder zusammen. Mehrere Tage lang verhinderte starke Brandung das Landen, erst am 8. gelang es. Fregatten und Sloops hielten den Strand unter heftigem Feuer; an zwei Stellen wurde eine Scheinlandung vorgetäuscht, an einer dritten setzte Wolfe Truppen an Land. Obgleich mehrere Boote kenterten und ihre Besatzungen teilweise ertranken und obwohl fast alle Munition naß geworden war, trieben die Gelandeten den Feind mit dem Bajonett zurück und faßten festen Fuß. Abends waren alle Truppen ausgeschifft; — zum Glück, denn bald frischte der Wind auf und die Verbindung mit den Schiffen wurde auf mehrere Tage unterbrochen.

Am 13. Juni begann die regelrechte Belagerung der Festung, wozu man auch die Seesoldaten der Flotte heranzog. Das Feuer der Linienschiffe hinter der Sperre belästigte die Angreifer sehr, aber am 21. Juli wurde das stärkste von ihnen in Brand geschossen, flog auf und entzündete noch zwei andere. In der Nacht zum 25. ließ Boscawen die beiden letzteren durch 600 Mann in Booten angreifen; trotz heftigen Feuers der Schiffe sowie der Befestigungen gelang es, das eine zu verbrennen, das andere zu nehmen und von der Sperre wegzuschleppen. Dies führte zur Entscheidung. Als Boscawen Vorbereitungen traf, mit Linienschiffen in den Hafen einzudringen, trat Drucourt in Verhandlungen ein und übergab am 27. Juli die fast in Trümmern liegenden Befestigungen[95]; gegen 800 Mann waren gefallen oder schwer verwundet, 1200 lagen krank. Die Garnison und die Schiffsbesatzungen, gegen 4000 Mann, wurden kriegsgefangen, 216 Kanonen sowie einige Mörser erbeutet; die Einwohner der Stadt (wahrscheinlich auch die Milizen) sandte man nach Frankreich. Die Engländer sollen nur 400 Mann verloren haben. Erwähnenswert ist, daß es einem französischen Freibeuter gelungen war, während der Belagerung in den Hafen einzulaufen und ihn auch wieder zu verlassen.

Mit Louisbourg fiel die ganze Insel Kap Breton und auch die benachbarte, St. Jean (englischerseits später Prince Edwards Insel benannt), und den Engländern stand die Mündung des St. Lawrencegolfes offen; den Franzosen war damit einer ihrer besten Fischgründe sowie ein Ausgangspunkt der Freibeuterei genommen, die bisher den Handel der Kolonien schwer geschädigt hatte. Der Angriff auf Quebec wurde aber noch vertagt, weil die Jahreszeit zu weit vorgeschritten erschien und weil der General Amherst durch ungünstige Nachrichten vom General Abercromby zu dessen Unterstützung abgerufen wurde. Admiral Boscawen ließ nach dem Fall von Louisbourg zunächst französische Niederlassungen auf den Magdaleneninseln sowie auf dem Festlande von Neubraunschweig zerstören, die Insel St. Jean besetzen und den General Amherst nebst einigen Bataillonen nach Boston bringen. Später segelte er mit dem größeren Teile der Flotte nach England, nur wenige Schiffe blieben unter Kontreadmiral Durell in Nordamerika. Daß Boscawen vor dem Kanal zufällig mit der aus Kanada heimkehrenden Division Du Chaffault zusammenstieß, ist bereits erzählt (Seite 146).

Auf dem Landkriegsschauplatze 1758 hatte General Abercromby 15000 Mann, darunter 6000 Reguläre, am Lake George zusammengezogen, um Fort Carillon (später Ticonderoga genannt) am Nordende dieses Sees, sowie dann Crown Point zu nehmen und sich so den Weg nach Montreal zu bahnen. Montcalm, der sich persönlich in Carillon befand, war zwar nur ein Viertel so stark, aber infolge falscher Maßnahmen der Engländer auf dem Marsche und besserer Geländekenntnis gelang es ihm, diesen im Juli eine Niederlage beizubringen und dann einen Sturm so kräftig abzuschlagen, daß sie sich mit großem Verluste zurückzogen und nichts weiter wagten. Nur einen kleinen Erfolg errangen sie. Einer Truppe von New York, 3000 Mann, war es geglückt, im August das fast ganz von Verteidigern entblößte Fort Frontenac zu nehmen. Sie konnte sich dort zwar nicht halten und mußte sich mit der Zerstörung des Werkes begnügen, aber dieser Erfolg zog den Fall des Forts Duquesne nach sich, das mit seiner Versorgung ganz auf Frontenac angewiesen war. Brigadier Forbes, der Duquesne angreifen sollte, hatte längere Zeit mit dem Bau einer Straße zum Ohio verloren und war bereits entschlossen, den Angriff für dieses Jahr aufzugeben; von Waldläufern über die traurige Lage des Forts unterrichtet, sandte er Washington mit Milizen hin. Dieser fand das Werk schon verlassen und aufgesprengt vor; der Ort ward mit Garnison belegt und nunmehr Pittsburg benannt. Abercromby wurde im Herbst abberufen und General Amherst übernahm den Oberbefehl an seiner Statt.

England erobert Quebec, 17. September 1759. Der teilweise Mißerfolg des Vorjahres hinderte Pitt nicht an der Verfolgung seines Planes. Das Parlament bewilligte ihm 12 Millionen Lstrl. und früh im Jahre 1759 wurde eine neue starke Flotte unter Vizeadmiral Sir Charles Saunders mit Truppenverstärkungen abgesandt; begeistert für Pitt und unter dem Eindruck der englischen Erfolge in Westindien boten auch die Kolonien alle ihre Kräfte auf. General Stanwix wurde mit der Unterwerfung des Gebietes westlich von Pittsburg bis zum Eriesee beauftragt; Brigadier Prideaux erhielt Befehl, das Fort Niagara zu nehmen; Amherst wies man an, über den Champlainsee nach Montreal vorzudringen; Wolfe sollte, unterstützt durch die große Flotte, Quebec erobern. — Montcalm sah jetzt das Ende voraus; er soll schon beabsichtigt haben, sich nach Louisiana zurückzuziehen, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Aber er tat, was in seinen Kräften stand; er verstärkte die Stellung am Champlainsee mit 2000, die am Ontariosee mit 900 Mann und hielt sich bereit, mit 14000 Mann Quebec zu verteidigen.

Montcalms Bitten um Unterstützung hatten keinen Erfolg, man war in Frankreich nur mit dem Einfall in England und mit dem Festlandskriege beschäftigt. 1759 lief kein Kriegsschiff nach Kanada aus, nur einigen Freibeutern gelang es, 600 Rekruten sowie wenige Vorräte hinüberzuschaffen. Der Kriegsminister schrieb an Montcalm, der König sei außerstande, genügend Truppen zu senden, um den Engländern gewachsen zu sein, Verstärkungen würden diesen ja doch nur in die Hände fallen oder, falls sie glücklich ankämen, nur die Hungersnot in Kanada steigern.

Die englischen Vorstöße hatten trotz tapferster Gegenwehr überall Erfolg. Stanwix und Prideaux erfüllten ihre Aufgaben. Auch Amherst nötigte seinen Gegner, Bourlamagne, Carillon sowie Crown Point zu räumen; dann allerdings verschanzte sich dieser beim Fort Isle aux Noix am Flusse Richelieu und hielt hier Amherst stand. Dieser aber ging zur Winterruhe nach Crown Point zurück; er war ohne Kenntnis von dem Stande des Angriffes auf Quebec, dem er über Montreal hatte die Hand reichen sollen.

Die Einnahme von Quebec 1759. Das Gros der Flotte unter Admiral Saunders hatte England am 17. Februar verlassen, nachdem einige Schiffe unter Kontreadmiral Holmes bereits im Januar gesegelt waren, um in Halifax Vorbereitungen für die Expedition zu treffen; diese sammelte sich dann in Louisbourg. Mit Einschluß der Schiffe Durells, die vom Vorjahre her auf der Station waren, zählte die Flotte 20 Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 17 Fregatten und Sloops, 8 Brander und Mörserboote sowie zahlreiche Transporter. An Truppen verfügte General Wolfe über 10 Bataillone Infanterie und einige Kompagnien Artillerie; insgesamt 9200 Mann. Am 1. Juni ging die Expedition nach dem Lorenzstrome in See und erreichte am 23. die Insel Bic, etwa 120 Seemeilen von Quebec. Hier lag seit dem 23. Mai die Division Durell, die bereits im Frühjahr, sobald die Witterung es erlaubte, in den Fluß eingedrungen war. Die Gesamtflotte ging nun weiter stromauf. Bei der Insel Condres, etwa 60 Seemeilen von Quebec, wurde Durell zurückgelassen, noch durch einige Linienschiffe (wahrscheinlich die schwersten weil tiefgehendsten) verstärkt, um hier den Fluß abzusperren. Saunders setzte seine Flagge auf einem kleinen Linienschiff (64 Kanonen) und führte die Flotte bis zur Insel d'Orleans, die wenige Seemeilen vor der Stadt den Fluß in zwei Arme teilt; auf dieser Insel wurde das Lager für die Truppen aufgeschlagen.