Westindien 1755–1757. Dieser Kriegsschauplatz bietet in den ersten Jahren des Krieges wenig Bemerkenswertes, obgleich auch hier schon bald nach dem letzten Friedensschluß Streitigkeiten eintraten, so zunächst um die neutralen Inseln.
Wie bereits erwähnt, hatte man 1730 die Inseln Tabago, Sta. Lucia, St. Vincent und Dominica als neutral erklärt. Beim Friedensschluß 1748 erhielt Frankreich das Besitzrecht auf Sta. Lucia, wurde aber von England stets gedrängt, die Insel wieder aufzugeben; anderseits machten die Franzosen schon 1748 den Versuch, von Martinique aus Tabago zu besetzen und zu befestigen, den sie nur auf ernstliche Vorstellungen Englands unterließen. Im Frieden 1763 erhielt Frankreich aufs neue Sta. Lucia zugesprochen, während die drei anderen neutralen Inseln an England fielen; ebenso das bisher französische Grenada; Sta. Lucia kam erst 1814 endgültig an England.
Besonders eifersüchtig aber war England auf das Aufblühen der französischen Inseln in den letzten Jahren, so daß Frankreich wohl auf Angriffe gegen diese beim Ausbruch des Krieges gefaßt sein mußte. Es wurden deshalb überall die Befestigungen verstärkt und neue angelegt. 1755 stellte man auf allen Inseln Miliz- und Negertruppen auf und rüstete Kaperschiffe aus; um dem Mangel an Nahrungsmitteln vorzubeugen, wurden die Häfen neutralen Schiffen geöffnet. Anfang 1756 sandte man von Frankreich je ein Geschwader nach den beiden Stationen, St. Domingue und Martinique für die Antillen, die Truppen sowie Vorräte hinausbringen und den feindlichen Handel schädigen sollten.
England dachte jedoch vorläufig noch nicht an Unternehmungen gegen die feindlichen Kolonien; man hielt zunächst aus Besorgnis vor einer Invasion die Seestreitkräfte in Europa zusammen. Man verstärkte zwar die beiden westindischen Stationen (Jamaika und Barbados für die Kleinen Antillen) aber auch nur mit dem Zwecke, den Handel des Gegners lahmzulegen und seinen Inseln die Zufuhren abzuschneiden, in der Hoffnung, sie mit der Zeit auszuhungern.
Somit führte man nur den Kleinkrieg, denn keine Partei war zu größeren Unternehmungen genügend stark. Aber auch in diesem war keine ausgesprochen im Vorteile; wahrscheinlich litt England mehr, wie wir es meistens bei Beginn der Kriege gesehen haben. Wenn auch die Engländer viele Kauffahrer abfingen, so sorgten doch Holland und Spanien für die Einfuhr und Ausfuhr der französischen Inseln, und das Lahmlegen des französischen Handels wurde wenig fühlbar; anderseits fielen mehr englische Schiffe in Feindeshand, weil Englands Schiffahrt beträchtlich größer war als die der Franzosen und weil diese über mehr Freibeuter verfügten. Namentlich im Jahre 1756 scheinen die Engländer in den westlichen Gewässern schwere Verluste erlitten zu haben; die Jamaikastation war nur schwach besetzt, und die Schiffe wurden aus Furcht vor einem Angriff auf die Insel zusammengehalten. Außer Zusammenstößen einzelner Schiffe kam es in den ersten Jahren nur zu einem größeren Gefechte.
Seegefecht bei Le Cap[99] am 21. Oktober 1757. Im November 1756 war ein französisches Geschwader unter Kapitän de Kersaint von 3 Linienschiffen, 2 Fregatten und einer Korvette aus Brest über Westafrika nach Westindien ausgelaufen und hatte nach Berühren von Martinique im Sommer 1757 Le Cap erreicht; von hier sollte es einen Konvoi Handelsschiffe nach Frankreich geleiten. Um dies zu hindern, sandten die Engländer im Herbst von Jamaika den Kapitän Forrest mit drei Linienschiffen zum Kreuzen vor Le Cap, Kersaint hatte aber hier andere Schiffe vorgefunden und trat dem Gegner, wider dessen Erwarten, am 21. Oktober mit Überlegenheit entgegen. Es standen französischerseits 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 64,[177] 1 zu 50, 1 zu 44 und 2 zu 32 Kanonen gegen 1 Schiff zu 64 und 2 zu 60 englischerseits. Als die Franzosen in Sicht kamen, rief Forrest die beiden anderen Kommandanten zu sich an Bord und sagte ihnen: „Well, gentlemen, you see they are come out to engage us“, worauf Kapitän Suckling antwortete: „It would be a pity to disappoint them“. Dann griffen die Engländer um 3½ Uhr nachmittags an, wobei Suckling führte, und nach scharfem, zweistündigem Kampfe mußte sich Kersaint mit seinem Schiffe durch eine Fregatte aus dem Gefecht schleppen lassen, worauf auch die anderen Franzosen abbrachen.
Die Engländer verloren an Toten und Verwundeten 119 Mann; ihre Schiffe waren in der Takelage so beschädigt, daß sie zum Ausbessern nach Jamaika zurückfuhren. Die Franzosen sollen gegen 500 Mann verloren haben; Kersaint konnte jedoch seinen Konvoi nach Frankreich führen und hatte somit den strategischen Erfolg auf seiner Seite. Trotzdem gilt das Gefecht bei den Engländern als eines der ruhmreichsten ihrer Geschichte, und wohl mit Recht. Suckling war der Oheim Nelsons, und auf seinem Schiff trat dieser ein. Als 48 Jahre später am gleichen Datum Trafalgar geschlagen wurde, gedachte Nelson dieses Gefechtes und sah es als eine gute Vorbedeutung an.
Im Jahre 1758 brachte Pitts Einfluß auch in Westindien wie auf den übrigen Kriegsschauplätzen durch Belebung der Tatkraft einen Umschwung zugunsten Englands hervor. Zunächst erklärte dieses jegliche Zufuhr von Lebensmitteln in französische Kolonien seitens spanischer oder holländischer Schiffe für Neutralitätsbruch und handelte dementsprechend. Zwar beschränkte man sich noch auf den kleinen Krieg, wohl weil die Expedition gegen Louisbourg große Aufwendungen erforderte, aber man übertraf den Gegner doch schon an Zahl der Streitkräfte. Frankreich sandte 1758 nur insgesamt 6 Segel nach Westindien; ein größeres Geschwader unter de La Clue wurde durch die Engländer im Mittelmeer festgehalten. Gegen Ende des Jahres faßte man denn auch das Vorgehen gegen die französischen Inseln ins Auge.
England nimmt Guadeloupe und andere Inseln 1759. Im November 1758 segelten 8 Linienschiffe mit einem Transport von 8000 Soldaten nach Barbados und traten hier im Januar 1759 unter den Befehl des Kommodore John Moore, der nun über 10 Linienschiffe zu 60–80 Kanonen, 2 Schiffe zu 50 und 2 zu 44 Kanonen, sowie 4 Fregatten, 4 Sloops, 4 Mörserboote verfügte. Am 13. Januar ging die Expedition in See und wandte sich zunächst gegen Martinique, doch blieb dieser Vorstoß erfolglos. Am 15. ankerte die Flotte in der Bucht von Fort de France und am 16. beschossen die kleineren Schiffe ein Fort sowie einige schwächere Batterien an der zum Landen geeignetsten Stelle in der Bucht Cas des navires, etwa 5 Seemeilen von der Stadt; es wurden auch 4500 Mann gelandet. Als man aber erfuhr, daß die Stärke des Gegners einschließlich Milizen 10000 Mann betrüge, schiffte man die Gelandeten wieder ein. Die Flotte segelte nun vor den Hafen von St. Pierre, jedoch nur ein Schiff ging am 19. näher heran, wohl nur zur Erkundung, und wechselte einige Schüsse mit den Befestigungen. Dann aber ging Moore gegen Guadeloupe vor und hier mit Erfolg.