Die Eroberung von Guadeloupe Januar/April 1759. Am 22. Januar erschien die englische Flotte vor der Stadt Basse-Terre, auf Basse-Terre, dem östlichen Teile[178] der Insel Guadeloupe gelegen. Schon am 23. wurden die Befestigungen durch sechs schwere Linienschiffe zum Schweigen gebracht und am 24. legten die Mörserboote die Stadt fast in Trümmer. Am gleichen Tage landeten die Truppen und besetzten sie, rückten aber so langsam vor, daß die Franzosen Zeit hatten, sich in die Berge zurückzuziehen. Es war überflüssig, die Schiffe dem Kampfe mit den Befestigungen auszusetzen, denn man hätte gleich im Norden der Stadt landen und diese einnehmen können, da sie nach Land zu nicht befestigt war; noch weniger Zweck hatte die Beschießung durch die Mörserboote. Moore ließ dann noch durch einige Schiffe am 23. Februar St. Louis, auf Grande-Terre, dem westlichen Teil der Insel, nehmen, aber der Kampf in den Bergen zog sich als Guerillakrieg noch lange hin; die Franzosen ergaben sich erst am 23. April auf Basse-Terre und am 1. Mai auf Grande-Terre.

Auch dieser Erfolg wäre fast noch in Frage gestellt worden oder hätte doch größere Opfer kosten können. Am 8. März war in Martinique der Chef d'Escadre de Bompart mit 8 Linienschiffen und 3 Fregatten nebst Truppen von Frankreich angekommen. Moore sah sich dadurch genötigt, mit seiner Flotte in die Prinz-Rupert-Bucht (Dominica) zu gehen, um von hier aus die Bewegungen Bomparts zu überwachen. Dieser wurde jedoch vom Gouverneur von Martinique, de Beauharnais, der wohl für seine Insel fürchtete, sechs Wochen lang festgehalten; als er am 23. April endlich segelte und bei Guadeloupe erschien, war dessen Schicksal schon entschieden. Moore versuchte vergeblich, seinen Gegner zu treffen; Bompart war sofort nach Martinique zurückgegangen, segelte später nach St. Domingue, wo er Truppen landete, und dann nach Frankreich zurück; hier traf er kurz vor der Schlacht in der Quiberonbucht im November ein.

Nach dem Fall von Guadeloupe ergaben sich die umliegenden kleineren Inseln, Marie-Galante, Les Saintes und Petite-Terre, gleichfalls den Engländern. Diese hatten nach Bomparts Abfahrt wieder die See frei, waren durch die letzte Verstärkung sehr viel mächtiger geworden und konnten mithin den kleinen Krieg mit gutem Erfolge führen. So blieb die Lage auch 1761, wo weiter keine Ereignisse von Bedeutung vorfielen.

England nimmt Dominica 1761 und Martinique, sowie den Rest der französischen Inseln 1762. Im Jahre 1761 verstärkten die Engländer ihre westindischen Stationen weiter durch Schiffe — besonders kleine Linienschiffe, sowie 50 Kanonenschiffe und Fregatten — und Truppen, die in Nordamerika freigeworden waren. Der kleine Krieg gewann noch an Kraft und von der Antillenstation aus besetzte man im April ohne jedes Hindernis die neutrale Insel Dominica. Im Spätherbst trafen auch noch Truppen von der Belle-Ile-Expedition ein. Am 22. November übernahm Kontreadmiral Rodney bei den Antillen den Oberbefehl zu einem Angriff auf Martinique. Er sandte sofort den bisherigen Stationschef, Kommodore Douglas, mit einer Division ab, um die Insel von jeder Zufuhr abzuschneiden, folgte mit der Hauptmacht am 5. Januar 1762 und vereinigte sich am 7. mit Douglas bei der genannten Insel. Am 1. März war Martinique im Besitz der Engländer.

Die Einnahme von Martinique Januar/Februar 1762. Rodneys Streitmacht zählte 13 Linienschiffe zu 60–84 Kanonen, 4 50- und 3 44-Kanonenschiffe, 11 Fregatten, 5 Sloops, sowie 4 Mörserboote; auf 150 Transportern waren gegen 14000 Mann unter General Monkton eingeschifft. Bei dem schwierigen Gelände der Insel wäre es richtig gewesen, zum Angriff auf die Stadt Fort de France, damals Fort Royal genannt, in deren möglichster Nähe zu landen; dieser Umstand war aber nicht genügend bekannt, und der Admiral wünschte, die Stadt ohne Kampf mit ihren Seebefestigungen zu nehmen. Er sandte daher nur eine kleine Division vor die Bucht von Fort de France, ließ einen Scheinangriff in der Bucht von La Trinité machen und ging mit der Hauptmacht in die Bucht von St. Anne. Hier wurden die schwachen Befestigungen bald niedergekämpft und die Truppen gelandet. Nun aber stellte sich heraus, daß der Marsch auf Fort de France sehr schwierig sein würde; man schiffte daher wieder ein, und die ganze Flotte ging zur Fort-de-France-Bucht. Am Vormittag des 16. Januar wurden die Befestigungen zum Schweigen gebracht, dann landeten die Soldaten in der Bucht Cas des Navires, 5 Seemeilen von der Stadt. Am Abend waren zwei Drittel des Landungskorps ausgeschifft, der Rest sowie die Seesoldaten folgten am nächsten Morgen. Gegen eine hartnäckige Verteidigung, die jeden Fels und jeden Baum, sowie auch künstliche Hindernisse benutzte, gelang es erst am 24., unterstützt durch die armierten Boote der Flotte, bis an die Stadt vorzudringen.

Am 25. begann die Beschießung der Zitadelle aus schnell aufgeworfenen Batterien, aber erst am 4. Februar ergab sie sich. Am 13. unterzeichnete der Gouverneur der Insel, der sich am 28. Februar von Fort de France nach St. Pierre begeben hatte, einen Waffenstillstand mit der Zusage, die Insel am 1. März zu übergeben, wenn er bis dahin keine Unterstützung erhielte. Und so geschah es; ein auf dem Wege befindliches französisches Geschwader kam 8 Tage zu spät.

Schon während der Belagerung von Fort de France sandte Rodney kleinere Divisionen gegen Grenada und Sta. Lucia, und auch diese Inseln mußten sich ergeben. Dagegen gelang es ihm nicht, ein französisches Geschwader abzufangen. 1762, als Spanien auf seine Seite getreten war, machte Frankreich noch einen letzten Versuch, den Kolonien Hilfe zu bringen, und der Chef d'Escadre de Blenac entschlüpfte aus Brest. Dieses Geschwader, 7 Linienschiffe und 4 Fregatten mit 7 Bataillonen, erschien am 8. März an der Ostküste von Martinique. Das Blockadegeschwader vor Brest hatte zwar Rodney von der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis gesetzt, aber sein Versuch, diesen zu treffen, schlug fehl. Blenac war schon am 10. nach St. Domingue weiter gesegelt, als er sich vom Falle Guadeloupes überzeugt hatte.

Die Kolonie St. Domingue war noch allein in Frankreichs Besitz, doch griff Rodney diese nicht an. Er erhielt die Nachricht vom Ausbruche des Krieges mit Spanien, vom Eintreffen eines starken spanischen Geschwaders in Havanna und mußte auf einen Angriff gegen Jamaika gefaßt sein. Er warnte daher den Chef dieser Station und beorderte ihn zu einem Zusammentreffen beim Kap St. Nicolas an der Nordwestspitze Haitis; er wollte wohl dem neuen Gegner entgegentreten und gleichzeitig dessen Vereinigung mit Blenac hindern. Ehe er aber selber seeklar war, traf am 26. März der Befehl für ihn und General Monkton ein, vorläufig nichts zu unternehmen, sondern die Ankunft des Admirals Sir George Pocock abzuwarten; dieser sei mit Verstärkungen unterwegs und solle ein großes, vorläufig noch geheim gehaltenes Unternehmen führen. Rodney sandte nun den Kommodore Douglas mit 10 Linienschiffen nach Jamaika, um die dortigen Schiffe zur Vereinigung mit Pocock nach Kap St. Nicolas zu geleiten; er schickte eine kleine Division für den Handelskrieg in die spanischen Gewässer Mittel- und Südamerikas und erwartete mit dem Rest seiner Flotte den neuen Oberbefehlshaber in Martinique.

England erobert Havanna. Juni/August 1762. Admiral Pocock traf am 20. April in Barbados ein und übernahm am 26. in Martinique den Befehl. Er ließ dann Rodney mit einigen Schiffen bei den Kleinen Antillen zurück und trat am 6. Mai mit der Flotte den Marsch nach Havanna an. Diese Stadt war das geheime Ziel; England beabsichtigte, gleich einen schweren Schlag gegen Spanien zu führen. Nachdem Pocock am 8. Mai bei der Monastraße einen Teil der Schiffe der Jamaikastation, die von Douglas zur Beobachtung Blenacs dorthin abgezweigt waren, und am 23. beim Kap Nicolas den Rest an sich gezogen hatte, zählte seine Streitmacht: 22 Linienschiffe zu 60–90 Kanonen, 4 Schiffe zu 50 und 3 zu 40, 12 Fregatten, 8 Sloops, 3 Mörserboote, Hospital- und Vorratsschiffe, sowie zahlreiche Transporter, auf denen 15500 Mann unter dem General Earl George of Albemarle eingeschifft waren; insgesamt gegen 200 Segel.