Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß sich beide Kompagnien verpflichteten, sich nicht mehr in die Streitigkeiten der indischen Fürsten zu mischen, auch keine Würden oder Ämter vom Großmogul anzunehmen. England sollte St. George (Madras), St. Davids (Cuddalore) und Devicotta, Frankreich Pondicherry, Carical und Nizampatam behalten; das Gebiet von Masulipatam, das ansehnliche Einkünfte lieferte, wurde geteilt. England behauptete somit alles, was es besessen und hinzugewonnen, Frankreich gab an Besitz und an Einfluß auf, was ihm Dupleix erworben hatte. In den Augen der indischen Fürsten mußte dieser Friedensschluß als ein völliger Sieg Englands erscheinen.
Schon im Februar 1755 sah Godeheu seine Aufgabe als erledigt an, gab die Geschäfte an den neuen Gouverneur, de Leyrit, einen alten Beamten der Kompagnie, ab und kehrte nach Frankreich zurück. De Leyrit hatte zwar den Auftrag und die Absicht, Godeheus Politik fortzuführen, aber die Ereignisse zwangen ihn bald in andere Bahnen, und die Verwicklungen begannen abermals.
Die Jahre 1756/57. Schon im Februar 1755 brachen die Engländer den Vertrag, indem sie dem Nabob von Carnatic, der nun von den Franzosen nicht mehr bekämpft wurde, wiederum Soldaten stellten, um seine Macht zu befestigen; de Leyrit nahm darauf auch seinerseits Partei, verstärkte de Bussy und stellte die Räumung des Orissagebietes ein. Das alte Spiel begann von neuem. Zwar traf Clive, zum Kommandanten von St. Davids ernannt, 1755 mit einem Geschwader von 3 Linienschiffen, einem 50-Kanonenschiffe, einer Fregatte und einer Sloop unter Kontreadmiral Charles Watson nebst Truppen in Indien ein, um im Einverständnis mit dem Gouverneur von Madras von Bombay aus den Vizekönig des Dekan anzugreifen, wozu auch die Unterstützung der Mahratten gewonnen war, aber die Behörden in Bombay wollten mit Rücksicht auf den eben geschlossenen Frieden nichts davon wissen. Sie benützten die Streitkräfte Clives lieber zur Befestigung ihrer Macht an der Westküste durch Niederwerfung eines Seeräuberstaates.
Der Seeräuber Angria war das Haupt einer Mahrattenfamilie, die seit etwa 100 Jahren an der Westküste Vorderindiens Seeraub trieb und zu großem Landbesitz gekommen war. Sie belästigte sowohl den europäischen Handel wie den der Inder und griff selbst größere Kriegsschiffe an. Jetzt verband sich die englische Kompagnie mit den übrigen Mahratten zur Vernichtung Angrias. Schon im März 1755 nahmen ihre Schiffe den nördlichsten Hafen des Seeräuberstaates, Bencote (später Fort Victoria auf 18° Nordbreite), ein und im Januar 1756 gingen Clive und Watson mit ihrer Kriegsflotte, einigen Schiffen der Kompagnie sowie Fahrzeugen der Mahratten und einem Landungskorps gegen die Hauptstadt Geriah (auf 16½° Nordbreite) vor. Diese nebst ihren Befestigungen mußte zwei Tage regelrecht beschossen werden, ehe sie sich am 14. Februar ergab. Man erbeutete 100000 Lstrl. an barem Gelde, sowie 30000 an Gütern, und verbrannte die Seeräuberflotte, die aus einigen größeren Segelschiffen und zahlreichen Rudergaleren bestand. Die Engländer behielten die ganze Beute und auch den festen Platz, da die Mahratten sich unzuverlässig gezeigt hatten.
Im Mai 1756 trafen Clive und Watson dann vor St. Davids ein, und der Gouverneur von Madras wollte nun angriffsweise gegen die Franzosen vorgehen, insbesondere gegen de Bussy, der durch englische Einwirkung zur Zeit mit dem Vizekönig entzweit war. Dies wurde zwar durch die Ereignisse in Bengalen verhindert, aber der offene Krieg zwischen den Kompagnien brach gleichwohl in Bengalen wie im Carnatic aus.
England wirft Frankreich in Bengalen nieder 1756/57. Bengalen war lange Zeit von einem Vizekönig — wie der im Dekan ein ziemlich unabhängiger Vasall des Großmogul — regiert, der beide Kompagnien gleich begünstigte, um seinen Vorteil daraus zu ziehen; während des vorigen Krieges hatte er alle Feindseligkeiten zwischen ihnen verhindert. Im Jahre 1756 kam sein Enkel auf den Thron, dem der wachsende Einfluß der Europäer ein Dorn im Auge war. Dieser fiel schon im ersten Jahre über die Engländer her, nahm die Faktorei Cosimbazar ein und griff am 18. Juni Kalkutta an, wo nur 260 englische Soldaten und 250 Milizen standen. Sie riefen die Holländer in Chinsura, sowie die Franzosen in Chandernagore um Hilfe an, aber jene lehnten rundweg ab, diese rieten Aufgabe der Stadt und Rückzug nach Chandernagore. Die Engländer beschlossen nun allgemeine Flucht auf den vorhandenen Schiffen. Zuerst sollten die Familien mit der wertvollsten Habe an Bord gehen, aber man verlor den Kopf, und nur der Gouverneur sowie die höheren Offiziere retteten sich. Bei dem Sturm der Inder auf Kalkutta fielen 95 Engländer, die Soldaten flohen, und nach Einnahme der Stadt kamen von den übriggebliebenen 146 Männern 123 in dem berüchtigten Black Hole um; einem 18 Fuß langen und 14 Fuß breiten Raume, in dem sie für eine Nacht eingesperrt waren. Der Vizekönig besetzte die Zitadelle Fort William und zwang die Franzosen wie die Holländer zur Zahlung hoher Summen.
Auf die Nachricht von diesen Ereignissen, die im August 1756 in Madras eintraf, beschloß man hier, vor allem in Bengalen Rache zu nehmen. Schiffe, Mannschaft sowie tüchtige Offiziere, Clive und Lawrence, waren vorhanden, aber zwei Monate dauerte der Streit der maßgebenden Personen über die Stellung von Flotte und Heer zueinander, über den Oberbefehl, ja sogar über die Verteilung der Beute. Hervorzuheben ist, daß Admiral Watson die soeben erhaltene Anweisung, mit dem Geschwader nach England zurückzukehren, in richtiger Würdigung der Verhältnisse in Indien nicht befolgte. Erst am 16. Oktober segelte die Expedition ab. Clive, der die Truppen führte, erhielt den Befehl, im April 1757 wieder in Madras zu sein, weil in Europa der Krieg ausgebrochen war, und Frankreich beabsichtigte, große Verstärkungen nach Pondicherry zu senden. Watsons Geschwader zählte die obengenannten Kriegsschiffe (mit Ausnahme der Sloop) und ein Mörserboot; Clive befehligte 906 englische und 1500 indische Soldaten.
An der Koromandelküste blieben nur die schwachen Besatzungen der festen Plätze sowie einige Schiffe der Kompagnie zurück. Die Expedition war am 27. Dezember an der Mündung des Ganges versammelt, wo man die Flüchtlinge von Kalkutta fand; dann drang man zu Wasser und zu Lande ohne erheblichen Widerstand stromaufwärts vor, nahm am 2. Januar 1757 nach zweistündiger Beschießung Kalkutta nebst Zitadelle und wenige Tage darauf die Stadt Hugly, 30 Seemeilen weiter stromauf. Der Vizekönig war mit seinem eigentlichen Heere noch nicht herangekommen, sondern versuchte, die Franzosen vorher auf seine Seite zu ziehen. Diese zeigten sich unschlüssig, da sie hofften, die Bedrängnis der Engländer wie im vorigen Kriege zum Abschluß einer Neutralität ausbeuten zu können. Geschickt hielt nun Clive die Franzosen mit Verhandlungen hin, bis er einen bedeutenden Sieg über die Truppen des Vizekönigs errungen und diesen am 9. Februar zu einem Friedensschluß bewogen hatte, in dem England alle früheren Vorrechte zurückerhielt.
Clive hatte seine Aufgabe erfüllt und konnte nun nach Madras zurückgehen. Er erachtete aber die Gelegenheit für günstig, die Franzosen anzugreifen und schloß am 14. März 1757 im Verein mit Watson die Stadt Chandernagore ein, die gut befestigt, aber nur von 446 Europäern und 300 Sepoys verteidigt war. Am 19. zerstörten die Boote der Flotte einige diese bedrohende Brander; am 23. wurde die Stadt vom Lande wie vom Flusse her beschossen, worauf die Franzosen sie übergaben. Damit war die französische Macht in Bengalen vernichtet und der Kampf der Kompagnien hier beendet.
Weitere Ereignisse in Bengalen bis 1763. Clive wollte jedoch noch seine Stellung den indischen Fürsten gegenüber befestigen und blieb deshalb in Bengalen, trotz mehrfacher, dringender Mahnungen aus Madras. Er hatte einen Angriff des Vizekönigs zu erwarten, der über die Einnahme von Chandernagore empört war und mit dem Rest[188] der von dort nach Bhagulpore, etwas weiter stromauf geflohenen Franzosen sowie mit de Bussy im Dekan in Verbindung trat. Durch Verhandlungen und Intrigen gelang es Clive, eine Verschwörung gegen den Vizekönig in dessen Lager anzuzetteln und ihn mit nur 1000 Europäern nebst 2000 Sepoys gegen eine zwanzigfache Übermacht bei Plassey vernichtend zu schlagen. Dann setzte er einen England ergebenen Mann an dessen Stelle.