Die Schlacht bei Plassey am 23. Juni 1757 gilt als der Anfang der englischen Herrschaft in Indien. Noch fast das ganze Jahr 1758 über hielt Clive seine Landstreitmacht in Bengalen zusammen, um die Herrschaft des neuen Vizekönigs zu befestigen; erst im Oktober sandte er 500 Europäer und 2000 Sepoys nach Vizagapatam an der Orissaküste. Er selber ward jetzt zum Gouverneur von Bengalen ernannt, und damit weiter unabkömmlich; bald wurde auch der Vizekönig ihm feindlich gesinnt. Als im August 1759 sieben holländische Ostindienfahrer mit 1500 Soldaten für die Niederlassung Chinsura vor dem Ganges eintrafen, mußte er befürchten, daß der Vizekönig diese für seine Zwecke benützen würde. Er verlangte deshalb, daß ihnen die Einfahrt in den Strom verboten wurde, und als dies nicht geschah, ließ er sie auf ihrer Fahrt stromauf durch englische Ostindienfahrer und durch seine Truppen wegnehmen; auch zwang er die holländische Niederlassung zur Verpflichtung, keine Befestigungen anzulegen sowie keine Truppen zu halten, und gab die Schiffe nur gegen Zahlung einer Entschädigung zurück, die seine Kriegskosten deckte. Alles dies geschah, obgleich England mit Holland im Frieden war.
Anfang 1760 kam Clive nach England, wo er als Baron v. Plassey zum Peer von Irland ernannt und ins Parlament berufen wurde; sein Vermögen zählte mehrere Millionen. Erst 1764 kehrte er infolge auftretender Unruhen als Generalgouverneur und Chef aller Truppen nach Kalkutta zurück, wo sich bis dahin seine Nachfolger, wenn auch unter schwierigen Verhältnissen und mancherlei Kämpfen, behauptet hatten. 1767 ging Clive aus Gesundheitsrücksichten abermals nach England; er wurde 1772 wegen Mißbrauch seiner Gewalt in Indien zur Untersuchung gezogen, verteidigte sich aber so glänzend, daß die Verhandlung niedergeschlagen und seine großen Verdienste förmlich anerkannt wurden. Krank am Körper und verbittert im Gemüt, ergab er sich dem Opiumgenuß und endete durch Selbstmord am 22. November 1774.
In Vorderindien dagegen stand 1757 die Sache der Engländer schlecht. De Leyrit hatte Ende 1756 gleichfalls die Nachricht erhalten, daß man daheim eine große Expedition ausrüste, um die Engländer aus Indien zu vertreiben; er beschloß, schon vor Eintreffen derselben die Entsendung der englischen Truppen nach Bengalen zum Vorgehen zu benutzen. Vom April 1757 an bemächtigte er sich verschiedener fester Plätze im Carnatic, und auch de Bussy, der seine Stellung am Hofe des Vizekönigs trotz aller englischer Umtriebe behauptet hatte, nahm englische Niederlassungen im Norden genannter Provinz sowie an der Orissaküste fort, hier z. B. Vizagapatam. De Bussy war dadurch verhindert, dem Rufe des Vizekönigs von Bengalen Folge zu leisten; als ihm dies 1758 möglich gewesen wäre, wurde er beordert, seine Truppen zu einem großen Schlage im Carnatic heranzuführen, da die erwartete Expedition aus Frankreich eingetroffen war.
Im Jahre 1758 gewinnt die Kriegführung zur See an Bedeutung. Schon am 6. März 1757 waren 3 Schiffe der französisch-indischen Kompagnie mit 2 Bataillonen von Lorient nach Isle de France gesegelt, hier vereinigte sich der Gouverneur Bouvet de Loziers nebst drei weiteren Kompagnieschiffen mit ihnen und landete die Truppen im August bei Pondicherry, ohne Behinderung durch das englische Geschwader in Bengalen oder eine eben für dieses in Bombay eingetroffene Verstärkung von 3 Linienschiffen unter Kommodore Charles Stevens. Er kehrte dann nach Isle de France zurück, um das Gros der Expedition zu erwarten. Dieses verließ, durch Änderungen in seiner Zusammensetzung aufgehalten, erst am 2. Mai Lorient. Die Seestreitkräfte bestanden aus einem Linienschiffe und 6 (oder 10?) größeren Schiffen, sowie 2 Fregatten der Kompagnie unter dem Chef d'Escadre Comte d'Aché; eingeschifft waren 1200 Soldaten unter Generalleutnant Comte de Lally, der zum Oberbefehlshaber in Indien ernannt war.
Infolge ungünstiger Windverhältnisse — man spricht auch von Ungeschicklichkeit der Kommandanten —, sowie einer Epidemie an Bord, die zu einem sechswöchentlichen Aufenthalt in Rio de Janeiro zwang, erreichte die Expedition erst am 16. Dezember Isle de France. Der Admiral stellte hier aus den besten aller versammelten Schiffe ein Geschwader von 11 Segeln zusammen, übte es in den dortigen Gewässern, ging dann nach Indien und ankerte am 28. April 1758 vor der Stadt Cuddalore; er überraschte hier zwei englische Fregatten, die genötigt waren, sich auf den Strand zu setzen und zu verbrennen. Graf de Lally segelte auf 2 Schiffen (einem zu 74 Kanonen und einer Fregatte) mit seinem Stabe nach Pondicherry weiter, um von hier aus Cuddalore zu Lande anzugreifen.
Comte de Lally, Baron de Tollendale, ein Irländer von Geburt, der England glühend haßte, galt im französischen Kriegsministerium als ein hervorragender Offizier. Er hatte schon 1755 als einziges Mittel, Englands Herr zu werden, eine Landung dort oder unbedingte Sicherung Kanadas oder die Vertreibung des Gegners aus Indien empfohlen — mit anderen Worten, die Hauptkraft auf ein Ziel zu richten. Lange zögerte man mit einem Entschlusse, als man endlich überzeugt war, daß England unbedingt Kanada zu erobern strebte, wurden 3 Linienschiffe, mehrere Schiffe der Kompagnie nebst 3000 Mann für Indien bestimmt. De Lally erhielt den Oberbefehl, obgleich er den indischen Verhältnissen ganz fremd war, auch wurden die an sich schon genügenden dafür bestimmten Kräfte zugunsten des Krieges in Nordamerika auf die oben angegebene Stärke von Schiffen und Truppen herabgesetzt. Es trat hinzu, daß zwischen Lally und Aché das denkbar schlechteste Einvernehmen herrschte und daß ihr dienstliches Verhältnis zueinander keineswegs genügend geregelt war.
Was Lallys Stellung in Indien anbetraf, so erteilte man ihm die weitgehendste Vollmacht und stellte ihm als Hauptaufgabe die Vertreibung der Engländer und die Hebung des Handels hin; er sollte nicht etwa die Politik Dupleix' verfolgen, die doch de Leyrit sowie de Bussy notgedrungen hatten wieder aufnehmen müssen. Da Lally außerdem von schroffem, wenn auch ehrenwertem Charakter war, kann es nicht wundernehmen, daß er dem Gouverneur von Pondicherry, sowie den Beamten und Offizieren sehr ungelegen kam. In der Stadt angelangt, traf er sofort seine Anordnungen, ohne jemand um Rat zu fragen.
Die Seeschlacht vor Cuddalore, 29. April 1758. Das englische Geschwader in Indien führte jetzt Vizeadmiral George Pocock, da Watson im August 1757 gestorben war; er lag am 24. März in Madras, als die Verstärkung unter Stevens zu ihm stieß. Am 17. April ging er in See, um Cuddalore vor dem erwarteten französischen Geschwader zu schützen, traf aber erst am 29. vor der Stadt ein. D'Aché lichtete, als die Engländer zu Luward in Sicht kamen, Anker, bildete die Kiellinie beim Winde — der Wind war SO — über Backbordbug und erwartete den Angriff. Dieser erfolgte genau nach der englischen Gefechtsinstruktion (vgl. Seite [39]) und die Schlacht blieb infolgedessen, wie gewöhnlich, unentschieden, wurde aber ein strategischer Erfolg der Franzosen.
Der Verlauf der Schlacht vor Cuddalore[103]. Um 2¼ Uhr nachmittags hatte auch Pocock etwa drei Seemeilen querab vom Feinde die Kiellinie beim Winde über Backbordbug gebildet und steuerte nun mit seinem Flaggschiff schräg auf das feindliche zu, um so sein Geschwader Spitze auf Spitze und Flaggschiff gegen Flaggschiff auf nahe Entfernung neben das feindliche zu legen. In den Gefechtslinien traten sich 9 französische Schiffe mit 476 Kanonen und 7 englische mit 404 Kanonen in folgender Reihenfolge, nach Zahl der Geschütze bezeichnet, entgegen:
| Die französische | Linie: | 58 | 54 | 44 | 56 | 74 | (Flagge) | 50 | 44 | 36 | 60 |
| Die englische | „ | 60 | 50 | 56 | 64 | (Flagge) | 56 | 50 | 60 |