Der Verlauf des Kampfes vor Negapatam. Am 3. August um 5 Uhr vormittags sichtete Pocock den Gegner, der tags zuvor aus Sicht gewesen war, zu Luward in Gefechtslinie vor Negapatam. Während er sein Geschwader ordnete, wären infolge flauen Windes und zeitweiser Stille fast seine beiden letzten Schiffe abgeschnitten. Um Mittag sprang Seebrise auf, wodurch die Engländer die Luvstellung erhielten, und um 12½ Uhr griff Pocock in der üblichen Weise an. Es kam zu einem zweieinhalbstündigen Kampfe, der zwar ganz nach Vorschrift begonnen, aber nicht lange so durchgeführt zu sein scheint. Gleich nach dem Zusammenstoß fing das vorderste französische Schiff am Kreuzmast Feuer, mußte diesen kappen und wäre verloren gewesen, wenn sein Hintermann es nicht gedeckt hätte. Dem französischen Admiralschiff wurde das Ruderrad zerschossen, es trieb auf ein anderes, und auch hier legte sich ein drittes zwischen diese beiden und den Gegner; die zwei 44-Kanonenschiffe wurden bald aus der Linie vertrieben. So war die französische Ordnung schnell gelöst und d'Aché, dessen Schiff gleich nach Ausbesserung des Ruders in Brand geriet, gab gegen 2 Uhr nachmittags den Befehl, das Gefecht abzubrechen. Die Schiffe hielten in Unordnung ab. Pocock gab zwar den Befehl zur allgemeinen Jagd und führte bis 3 Uhr noch ein laufendes Gefecht, aber die Franzosen entkamen; einige englische Schiffe waren wieder so in der Takelage zerschossen, daß man das Überbordgehen der Masten befürchten mußte. Der Verlust der Engländer betrug 31 Tote und 166 Verwundete gegen 250 bzw. 600 der Franzosen; beide Geschwaderchefs waren verwundet.
Die Schlacht vor Negapatam muß als taktisch unentschieden bezeichnet werden und schließt für die nächste Zeit den Seekrieg in Indien, der französischerseits aufgegeben wurde. D'Aché ging nämlich nach Pondicherry, fand hier auch noch Material zur Ausbesserung seiner Schiffe, hielt es aber noch für nötig, diese zu kalfatern, was hier bei Anwesenheit des Feindes nicht angängig war. Obgleich er Befehl hatte, bis zum 15. Oktober in den indischen Gewässern zu bleiben, lehnte er die erneute Aufforderung zu einem Angriff auf Madras ab und erklärte, er dürfe die Schiffe in ihrem jetzigen Zustande weder einem neuen Kampfe noch den Unbilden der schlechten Jahreszeit aussetzen, er müsse sie, die so wichtig für Indien seien, erhalten. Trotz de Lallys Einsprache und den Bitten der Behörden ging er am 3. September nach Isle de France in See. Wahrscheinlich haben sein schlechtes Einvernehmen mit de Lally sowie die Überzeugung von der Überlegenheit der englischen Seestreitkräfte zu diesem Entschluß beigetragen. Pocock hatte nach der Schlacht vor Karikal gelegen und dadurch wohl zum Abbruch der Belagerung von Tanjore mitgewirkt, blieb aber sonst untätig; schon am 20. August ging er zum Überwintern nach Bombay. Dies muß befremden, da er nichts von d'Achés Absicht wußte, Indien zu verlassen, und da doch die englische Sache am Lande recht ungünstig stand. Alle englischen Quellen übergehen diesen Punkt! Während er in Trincomali auf Ceylon Wasser nahm, wurde ihm durch eine Ausguckfregatte das Passieren der Franzosen auf ihrem Wege nach Isle de France gemeldet; er ging sofort in See, konnte den Gegner aber nicht mehr erreichen.
Niederlagen der Franzosen 1759. Obgleich von d'Aché im Stich gelassen und durch Geldmangel gelähmt, gab de Lally seinen Plan nicht auf. Nach Heranziehen de Bussys aus dem Dekan eroberte er im Oktober 1758 Arcot, die Hauptstadt des Carnatic, um sich Geld zu verschaffen, und wenn er auch hier fast nichts fand — seine ganzen Mittel bestanden in 94000 Rupien und das Heer allein kostete im Monat 40000 —, zog er doch Anfang November mit 2700 Europäern sowie 5000 Sepoys gegen Madras, das durch Major Lawrence mit 1760 Engländern nebst 2400 Indern besetzt war. Da sich die Engländer in die Zitadelle, Fort George, zurückzogen, fiel die Stadt sogleich, am 12. Dezember, in die Hände der Franzosen, die hier eine Beute von 15 Millionen Francs gemacht haben sollen, von denen aber nur 92000 in die amtliche Kasse geflossen sind. Infolge mangelnder Mannszucht, ja des stillen Widerstandes vieler Offiziere, auch de Bussys, der über die Abberufung von seiner so wichtigen Mission im Dekan empört war, sowie der Tapferkeit der Engländer zog sich die Belagerung des Forts lange hin. Im französischen Lager herrschte bald Mangel, während die Belagerten trotz der Winterstürme über See aus Bengalen Zufuhren erhielten.
Am 16. Februar 1759 wollte de Lally einen Sturm wagen, da trafen in der Stadt zwei englische Fregatten nebst 6 Fahrzeugen mit Soldaten, Munition und Proviant von Bombay ein, so daß er die Belagerung abbrechen und das schwere Geschütz im Stich lassen mußte. An der Orissaküste errangen die Engländer gleichfalls Erfolge. Die im Oktober 1758 von Clive aus Bengalen dort hingesandten Truppen schlugen die Franzosen im Dezember vernichtend und zwangen im Januar 1759 in Masulipatam ihre Trümmer zur Übergabe. Der Vizekönig vom Dekan trat jetzt auf seiten Englands, wies die Franzosen aus seinem Reiche aus und teilte das ihnen früher überlassene Land, diese wichtige Errungenschaft Dupleix', den Engländern zu.
De Lally sah sich auf wenige feste Plätze außer Pondichery beschränkt und für den Sommer 1759 zur Untätigkeit verdammt; seine letzte Hoffnung war das Geschwader d'Achés, dessen Rückkehr längst fällig war. Glücklicherweise vermochte auch der Gegner nichts zu unternehmen, denn die Kompagnie sandte kein Geld, in der Meinung, daß die bengalische Beute alles bezahlt mache.
Die Schlacht vor Porto Novo, 10. September 1759. Pocock hatte mit seinem Geschwader am 7. April Bombay verlassen und kreuzte in Erwartung des Gegners an der Koromandelküste; zu ihm stieß im Juni, von der Heimat kommend, Kontreadmiral Charles Stevens mit 2 Linienschiffen. D'Aché erschien erst im September wieder in Indien. Wenn er somit gerade ein Jahr vom Felde seiner Tätigkeit entfernt blieb, so ist dies keineswegs ihm allein zur Last zu legen. Bei seiner Ankunft in Isle de France im Oktober 1758 fand er zwar 3 Linienschiffe vor, die von Frankreich mit einigen wenigen Soldaten (90 oder 180 Mann), etwas Munition sowie 800000 Francs für Indien angekommen waren, aber die Zustände auf Isle de France und Bourbon waren derart, daß er sein Geschwader nur mit Mühe und in langer Zeit wieder schlagfertig machen konnte.
Auf Isle de France herrschte eine Hungersnot, die durch die Ankunft des Geschwaders noch fühlbarer wurde. Der Admiral mußte im November 9 Schiffe nach Kapstadt senden, um Nahrungsmittel zu holen; die dort erlangten Vorräte genügten aber nicht im geringsten, so daß der Gouverneur den Admiral des öftern bat, mit den Schiffen die Insel zu verlassen. Es fehlte ferner an Ersatzmannschaften, an Munition sowie an jeglichem Material; man war genötigt, aus Ankertauen Tauwerk für die Takelage anzufertigen. Schließlich schleppte man einige Schiffe auf, um mit deren Personal und Material den anderen auszuhelfen. — Diese Mißstände beweisen die Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit, mit denen Frankreich den Seekrieg führte; man wollte in Indien stark auftreten und hatte nichts zur Erhaltung der Schlagfertigkeit seiner Streitmittel vorgesehen. D'Aché schrieb nach seiner Ankunft in Port Louis: „Ich verließ Indien, da es dort an allem mangelte, ich kam hier an und geriet in noch größere Not.“ Vor seiner Rückfahrt nach Indien berichtete er: „Ich bin im Begriff, abzusegeln, um meine Besatzungen vor dem Hungertode zu retten, aber man kann von dem Geschwader nichts erwarten, wenn keine Hilfsmittel gesandt werden.“
Am 17. Juli 1759 ging d'Aché endlich von Port Louis in See, lief Bourbon sowie Madagaskar an, um sich noch nach Möglichkeit mit Vorräten zu versehen, erreichte am 30. August Batticaloa auf Ceylon und stieß am 2. September an der Nordostspitze dieser Insel auf das englische Geschwader. Wieder vergingen einige Tage mit Manövrieren; erst der 10. September brachte die dritte Schlacht zwischen Pocock und d'Aché auf der Höhe von Porto Novo.
Vom Verlauf der Schlacht vor Porto Novo bringen die Quellen beider Völker nur Angaben über die Zusammenstöße einzelner Schiffe, jedoch nichts über die Taktik[104]. Die Streitmittel bestanden auf englischer Seite in 9 Schiffen zu 50–68 Kanonen nebst einer Fregatte, auf französischer Seite in 4 Linienschiffen zu 64–74 Kanonen,[195] 5 Kompagnieschiffen zu 54–68 Kanonen, nebst 2 Fregatten. Wieder also waren die Franzosen an Zahl der Schiffe wie der Geschütze überlegen, und das Verhältnis der Königlichen Schiffe zu denen der Kompagnie hatte sich günstiger gestaltet als in den beiden früheren Gefechten. Beide Geschwader lagen in Kiellinie über Backbordbug, und die Engländer griffen um 11 Uhr vormittags von Luward her an. Der Angriff scheint gut gelungen zu sein, so daß der Kampf bald auf der ganzen Linie im Gange war. Etwa um 4 Uhr hielt das französische Flaggschiff auf Befehl des zweitältesten Offiziers ab — der Kommandant war gefallen, der Admiral zum Verbinden einer Wunde unter Deck gegangen — und die übrigen Schiffe folgten dem Beispiel in der Annahme, das Gefecht solle abgebrochen werden. Die Engländer waren aber nicht imstande zu folgen, da ihre vordersten Schiffe wie gewöhnlich stark beschädigt waren. Die Nacht über lag das englische Geschwader in Gefechtslinie bei, die beschädigten Schiffe besserten hinter ihr aus. Am nächsten Tage sahen sich die Gegner nur auf weitere Entfernung und verloren sich gegen Abend aus Sicht, da die Franzosen nach Norden aufkreuzten, während die Engländer nach Süden segelten; letztere hatten dabei drei Schiffe im Schlepp, waren also wohl nicht imstande, am Feinde zu bleiben. Der Verlust betrug auf englischer Seite 569 Tote und Verwundete, auf französischer gegen 1500.