Auch diese Schlacht blieb taktisch unentschieden, beendete aber durch ihre Folgen den Krieg zugunsten der Engländer. Pocock besserte seine Schiffe vor Negapatam notdürftig aus und segelte dann nach Madras. Auf dem Wege hielt er sich den 27. September über vor Pondichery auf, dem Gegner vergeblich den Kampf anbietend. Hierher war d'Aché gesegelt und hatte seine Truppen gelandet; er erschien auch vor dem Hafen, aber wohl nur, um nicht vor Anker angegriffen zu werden. So hatte de Lally zwar eine kleine Verstärkung erhalten, Unterstützung durch die heißersehnte Flotte sollte ihm jedoch nicht zuteil werden. D'Aché erklärte wiederum, der Zustand seiner Schiffe erlaube ihm nicht, dem Feinde nochmals entgegenzutreten, um so weniger, da dieser in nächster Zeit aufs neue eine Verstärkung erwarte. Er gab zwar 900 Mann von den Schiffsbesatzungen ab, ging aber am 30. September nach Isle de France unter Segel, und nach seiner Abfahrt kamen keine französischen Seestreitkräfte mehr nach Indien[105].

Die Absicht, d'Achés Geschwader im Jahre 1760 dort wieder auftreten zu lassen, hat wohl bestanden, aber man hielt es zurück, da es hieß, England rüste eine Expedition gegen Isle de France aus (vgl. Seite [161]). Außerdem waren durch einen Orkan im Januar 1760 mehrere Schiffe kriegsunbrauchbar geworden. D'Aché segelte dann im Dezember dieses Jahres mit dem größeren Teile des Geschwaders nach Frankreich; die zurückbleibenden Schiffe mußten wegen Mangels an Ankergeschirr auf den Strand geschleppt werden.

Beurteilung d'Achés. Dieser Admiral — geboren 1702, 1717 in die Marine eingetreten, 1743 Kapitän, 1756 Chef d'Escadre — wird von den meisten französischen Schriftstellern zwar als ein tüchtiger Seemann, aber als ungeeignet für höhere Stellungen bezeichnet; auch werden ihm Kleinlichkeit und Halsstarrigkeit vorgeworfen. Diese soll er schon 1748 dadurch gezeigt haben, daß er das Kommando eines Schiffes ablehnte,[196] das er „ohne Grund“ als seeuntüchtig erklärt hatte, und auch beim Antritt seines Kommandos nach Indien machte er Schwierigkeiten, da ihm die Seestreitkräfte dort zu gering erschienen. Er hat nun wohl, wenigstens im zweiten Falle, recht gehabt, aber sein Verhalten de Lally gegenüber zum Schaden der allgemeinen Sache spricht allerdings nicht für ihn. Sein Auftreten als Admiral darf dagegen nicht zu schroff beurteilt werden. Der französische Grundsatz, das Geschwader nicht zu gefährden, war ja falsch; denn was nützte die Erhaltung der Flotte, wenn sie nicht verwendet wurde. Aber diese Ansicht entsprach dem allgemeinen Bestreben in der französischen Marine jener Zeit (auch in der Taktik) und war durch häufige dahin zielende Befehle und Instruktionen hervorgerufen, die den Wagemut der höheren Führer herabstimmen mußten. Sogar jetzt noch nennen einzelne französische Autoren d'Achés Verfahren in dieser Hinsicht richtig, da er seine Schiffe in Indien nicht hätte ausbessern können. Man muß ferner in Betracht ziehen, daß sein Geschwader durch das Überwiegen von Kompagnieschiffen dem englischen entschieden unterlegen war, und daß er mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, um es schlagfertig zu erhalten.

Ein bedeutenderer Mann hätte sich wohl von all diesem freigemacht — Suffren überwand im nächsten Kriege die gleichen Schwierigkeiten — und mehr geleistet; gelang es doch selbst d'Aché, wenn er auftrat, dem Gegner die Seeherrschaft streitig zu machen, und im letzten Jahre erschien sein Geschwader durchaus nicht mehr als minderwertig. Zu dieser Zeit war er aber wohl tatsächlich seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen. 1758 erklärte er in Port Louis, der mit der Verstärkung herausgekommene Chef d'Escadre de L'Eguille wäre geeigneter zum Oberbefehlshaber, er selber sei durch die vielen Widerwärtigkeiten ermüdet. D'Aché wurde übrigens noch 1761 zum Lieutenant-Général und 1770 zum Vizeadmiral des Atlantik befördert; er starb 1780.

Pocock ging am 16. Oktober zum Überwintern nach Bombay, traf unterwegs die herausgesandte Verstärkung von 4 Linienschiffen unter Kontreadmiral Samuel Cornish und führte dann einen wertvollen Konvoi nach England. Auf der Station verblieben jedoch unter Cornish und Stevens genügend Schiffe, die in den nächsten Jahren erfolgreich in den Landkrieg eingreifen konnten.

Der Zusammenbruch der französischen Macht in Indien 1760/61. Nach d'Achés Abfahrt gingen die Engländer am Lande mit fast ununterbrochenem Erfolge angriffsweise vor; sie erhielten ständig Verstärkungen aus der Heimat, die Franzosen nie. Ihre Führer waren denen der Gegner überlegen; de Lally war längere Zeit krank und de Bussy wurde im Januar 1760 gefangen genommen, auch sank die Mannszucht bei den Franzosen. Die Engländer eroberten im November 1759 Wandewash, im Februar 1760 Arcot, im April Karikal und Cuddalore; wo es anging, wirkte das Geschwader unmittelbar oder durch Landung von Mannschaften mit. Am 1. Mai schritten sie zur Belagerung von Pondichery, das gleichzeitig vom Admiral Stevens blockiert wurde; die Stadt verteidigte sich aber hartnäckig, immer noch in der Hoffnung auf Entsatz durch d'Aché. Das englische Geschwader hielt die Blockade auch im Winter aufrecht, verlor dabei jedoch in einem Orkan am 1. Januar 1761 4 Linienschiffe, 2 Fregatten sowie 2 kleinere Fahrzeuge mit insgesamt 1100 Mann Besatzung. Am 15. Januar mußte die Stadt kapitulieren; sie wurde zerstört und 1100 Europäer gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bald nach Pondichery fielen die letzten festen Plätze im Carnatic. Im Februar hatte Admiral Cornish mit 4 Linienschiffen die französische Stadt Mahé an der Malabarküste genommen.

De Lally wurde gleichfalls kriegsgefangen. Bei seiner Abreise verhöhnten ihn die eigenen Offiziere und Beamten. Sein Intendant, der Beweise für die Mißwirtschaft und Untreue der Beamten gesammelt haben soll, wurde erstochen. Später nach Paris zurückgekehrt, wollte de Lally die Beamten anklagen, diese kamen ihm jedoch zuvor und wurden von den Offizieren unterstützt; nach langem Prozeß wurde er 1766 wegen Verrates an der Sache des Königs und der Kompagnie enthauptet. De Leyrit, viele Beamte und auch de Bussy sollen große Vermögen erworben haben.

Frankreich hatte alles verloren; der Traum eines französischen Indiens war zu Ende. Wenn es auch beim Friedensschluß Pondichery mit den dazugehörigen Küstenfaktoreien zurückerhielt, so waren doch die Plätze der Befestigungen beraubt, verarmt und einflußlos geworden. England war Herr in Indien, im Carnatic und in den ehemaligen französischen Provinzen. In Bengalen erhielten zwar die Franzosen Chandernagore gleichfalls zurück, aber auch hier durften sie keine Befestigungen anlegen und mußten die von England eingesetzten Nabobs anerkennen. Englands Stellung in Indien wurde nicht wieder erschüttert, selbst nicht durch Suffrens Kraft und Führertalent im nächsten Kriege.

Die französisch-ostindische Kompagnie löste sich 1770 auf. Die Regierung kaufte ihr schon 1764 die Inseln Isle de France und Bourbon, sowie den Hafen von Lorient ab, hob 1769 ihr Monopol auf und gab allen Franzosen den Handel nach Indien frei. Die Kompagnie soll von 1725–1769 ein Kapital von 169 Millionen Francs verloren haben.

England erobert die Philippinen 1762. Wie bereits erwähnt, hatte England bei Ausbruch des Krieges mit Spanien beschlossen, tatkräftig gegen dessen Kolonien, insbesondere die Philippinen, vorzugehen. Die Anregung dazu gab der Oberst, später General, Sir William Draper, ein indischer Offizier. Er hatte von Indien aus einen Krankheitsurlaub in Manila verbracht und dabei erkundet, daß im Vertrauen auf die Entlegenheit dieser Kolonie die Befestigungen vernachlässigt waren. Mit einem Regiment Infanterie sowie einer Kompagnie Artillerie wurde er sodann nach Indien gesandt und hier auf dem Geschwader des Admiral Cornish — 8 Linienschiffe, 3 Fregatten und 2 Ostindienfahrer — eingeschifft; mit Einschluß der Schiffslandungsabteilungen standen ihm 2300 Mann zur Verfügung.