Die Vorbereitungen in Indien wurden sehr schnell getroffen, auch sandte man sogleich eine Fregatte voraus, die alle nach Manila bestimmten Schiffe abfangen und so verhindern sollte, daß die Spanier gewarnt würden. Am 1. August 1762 segelte die Expedition ab und traf am 23. September vor Manila ein, wo der Ausbruch des Krieges noch gar nicht bekannt war. Die Stadt wurde von nur 600 Soldaten mit 80 Kanonen verteidigt, weigerte aber die Übergabe. Vom 24. bis 26. landeten die Engländer trotz schwerer Brandung, aber sonst fast ohne Widerstand; Batterien wurden aufgeworfen und durch diese, von flankierenden Fregatten unterstützt, vom 29. an die Stadt beschossen. Am 5. Oktober war Bresche gelegt; die Stadt fiel durch Sturm und die Zitadelle ergab sich. Die Übergabebedingungen waren im allgemeinen günstig, aber die Stadt wurde drei Stunden geplündert. In die Übergabe wurden ganz Luzon sowie die übrigen Inseln eingeschlossen, doch beschränkte sich die Herrschaft der Engländer tatsächlich auf die Küstenplätze, da die Spanier im Innern die Übergabe nicht anerkannten und bis zum Friedensschluß einen Guerillakrieg führten. Ebenso vermochten die Engländer von der bedungenen Kriegskontribution, 4 Millionen Pesos, nur etwa die Hälfte zu erhalten; sie wurde nie voll bezahlt. Dagegen fiel ihnen eine andere Beute zu. Der Admiral hatte ein Schiff abgesandt, um das erwartete Acapulcoschiff[106] abzufangen. Dies gelang zwar nicht, aber man traf das im August mit Werten von fast 3 Millionen Pesos von Manila abgegangene Schiff und nahm es. Der Verlust der Engländer vor Manila betrug nur 150 Tote und Verwundete.
Die Philippinen wurden beim Friedensschluß an Spanien zurückgegeben, zum größten Unwillen der ostindischen Kompagnie, die hier fast die ganzen Kosten der Expedition getragen hatte.
Der Kleine Krieg[107].
Wie in allen vorhergegangenen englisch-französischen Kriegen, so spielt auch in diesem der Angriff auf den Handel des Gegners eine große Rolle, und wiederum scheint es, als ob hierbei die Franzosen den größeren Erfolg erzielt hätten, sogar in noch höherem Maße als früher; während im Kriege 1702–1713 Frankreich mehr Kauffahrer verlor als England, und 1739–1748 der Verlust auf beiden Seiten, Spanien und Frankreich zusammengenommen, ungefähr gleich war, stellt er sich im Siebenjährigen Kriege für England sehr viel höher.
Die Umstände, die diese Kriegführung für Frankreich begünstigten, seien kurz hervorgehoben. Die Häfen am Kanal, besonders Dünkirchen und St. Malo, boten vorzügliche Stützpunkte für die Freibeuter, in Westindien dienten Martinique und Guadeloupe dem gleichen Zweck; je mehr die französische Schiffahrt durch den Angriff der Engländer niederging, um so mehr wurde die Freibeuterei ein Erwerbszweig der Reeder sowie der seemännischen Bevölkerung; das Lahmlegen der Kriegsmarine wies die Regierung darauf hin, den Kreuzerkrieg durch ihre Schiffe betreiben zu lassen — wenn sie auch nicht wie in den Kriegen des vorigen Abschnittes besondere Geschwader dazu aufstellte — und die Freibeuterei durch Überlassen von Schiffen sowie Personal zu unterstützen. Vor allem aber kommt wiederum und in diesem Kriege mehr als je zuvor in Betracht, daß die englische Handelsschiffahrt der französischen an Zahl sehr überlegen war, also ein weit leichter zu schädigendes Angriffsobjekt bot; auch wird englischerseits[199] hervorgehoben, daß viele Verluste dem Ungehorsam der Handelsschiffe gegen die Anordnungen der sie begleitenden Kriegsschiffe zuzuschreiben seien.
Einige Angaben sollen den Umfang des Kleinen Krieges, sowie die Verluste auf beiden Seiten veranschaulichen. Im Jahre 1755, vor Ausbruch des Krieges, nahm England 500 französische Handelsschiffe im Werte von über einer Million Lstrl; gegen 6000 Seeleute, einschließlich der Besatzungen einiger Kriegsschiffe, wurden kriegsgefangen. Dieses Vorgehen sollte Frankreich zum Nachgeben bewegen und ihm die Mobilmachung erschweren, denn der Verlust an Seeleuten entsprach der Besatzung von 10 Linienschiffen. Anderseits aber brachten in der Zeit vom Juni 1756 bis Juni 1760 die französischen Freibeuter 2500, die englischen Kreuzer nur 950 feindliche Kauffahrer auf; bis 1761 waren 240 französische Kaper weggefangen trotzdem Frankreich keine Geschwader mehr auf See hatte, nahmen deren Kameraden in diesem Jahre noch 812 Handelsschiffe, über dreimal so viel, als der eigene Verlust betrug; im Jahre 1762 fielen nur 120 französische Freibeuter und Kauffahrer den Engländern in die Hände.
Im ganzen hat England während des Krieges über 4000 Handelsschiffe verloren, 1400 davon wurden in Westindien und hauptsächlich von Martinique aus genommen; der Verlust Frankreichs soll sehr viel geringer gewesen sein, was die Anzahl der Fahrzeuge anbetrifft. Es ist dies aber kein Beweis für den größeren materiellen Erfolg. Unter den Prisen, die Frankreich machte, zählen viele kleinere und Küstenfahrzeuge, während die Engländer größere, wertvollere Schiffe sowie Freibeuter fingen. Außerdem stand der Verlust auf beiden Seiten in ganz anderem Verhältnis zur Gesamtschiffahrt. Der Handel und die Freibeuterei Frankreichs wurden nach und nach lahmgelegt. Ein französischer Autor (Troude) sagt: „1759 verursachte die glückliche Ankunft des westindischen Konvois bei den französischen Kaufleuten Überraschung und Freude; ein Zeichen, wie selten ein solches Ereignis geworden war in Meeren, die Englands Geschwader pflügten.“ Der englische Handel aber blühte wie in den Jahren 1744–1748 so auch gerade während dieses Krieges auf; 1760 und 1761 befuhren 8000 englische Handelsschiffe die Meere. Der Seehandel und die gleichfalls gedeihende Industrie lieferten reichlich die Mittel für den eigenen Krieg wie für die Unterstützung der anderen Gegner Frankreichs.
England vollendete die Vernichtung des französischen Handels durch die Wegnahme der Kolonien, durch die Blockade der Häfen des Gegners und durch sein Auftreten neutralen Mächten gegenüber. (Seite 124.) Es band sich weder an den bisherigen Brauch hinsichtlich der als Kriegskontrebande anzusehenden Güter noch an den alten Grundsatz „Frei Schiff — frei Gut“, sondern nahm neutrale Schiffe mit den Erzeugnissen französischer Kolonien und sah die französischen Häfen als in Blockade befindlich an, auch ohne daß eine solche tatsächlich bestand. Schon 1758 nahm England auf Grund dieser Auffassung 176 neutrale Schiffe fort, namentlich spanische, aber auch holländische.
Einige kleinere Expeditionen, die den abenteuerlichen Zügen früherer Kriege gleichen, seien noch angeführt. Im Jahre 1759 rüstete der Brigadegeneral d'Estaing, bisher im indischen Heere de Lallys, in Isle de France zwei Schiffe der Kompagnie aus, ging am 1. September in See, nahm einen wertvollen englischen Ostindienfahrer in Maskat, zerstörte dann am 14. Oktober das englische Fort Gombroon am Persischen Golf und im Februar 1760 die Niederlassungen auf Sumatra. Nach einer Kreuzfahrt von 22 Monaten kehrte er nach Port Louis zurück.