»Acht Stück!« Er warf das Rohr fort und griff zum Gewehr. Wild von langer Hatz, zögerten die Wölfe keinen Augenblick, sondern sprangen wie besinnungslos auf ihre Beute, ihr grauer Führer eine halbe Länge vor der Front. Im Näherkommen glühten die nackten, weißen Fangzähne und kalten Augen im Mondlicht. Der gehetzte Bulle rührte sich nicht. Als das Leittier jedoch nach seiner Gurgel sprang, zuckte er zurück und schlug mit scharfen Hufen furchtbar um sich. Diese unbekannte Art von Verteidigung überraschte das Leittier; in vollem Sprung prallte es gegen die wirbelnden Hufe und blieb mit zerschlagenem Schädel liegen. Gleich darauf knallte Rawsons Gewehr, ein zweiter Wolf fiel. Die übrigen aber hingen an Flanke und Schultern des tapferen Bullen und versuchten, ihn niederzureißen. Noch einmal feuerte der Engländer, ohne der Wirkung zu achten. Dann sprang er rasend vor Kampflust, dem Bullen zu Hilfe, schwang sein Gewehr wie eine Keule. Moore, der nicht mehr schießen konnte, weil er Gefahr lief, Rawson zu treffen, griff zur Axt und folgte ihm in langen Sätzen. Als Rawson seinen Kolben auf den Rücken eines Wolfs schmetterte, der im Genick des Bullen hing, sah er ein kleineres, schmaleres Tier, das ihn von der Seite beschlich. Instinktiv brüllte er »Kusch« und gab dem Angreifer einen wütenden Fußtritt unter die Schnauze. Wäre er weniger mit seinem Kampf beschäftigt gewesen, dann hätte er mit Erstaunen gesehen, daß der neue Angreifer winselnd den Schwanz zwischen die Beine zog, ihn umschlich und in seltsamer Ergebenheit vor ihm liegen blieb. Ganz plötzlich hatte ein Befehl aus menschlicher Kehle alte Dressur in dem Hundebastard wieder lebendig gemacht.

Ihres weisen Führers beraubt, kehrten die jungen Wölfe nun alle Wut gegen die neuen Angreifer. Für Minuten hatte Rawson Not, sich gegen die Sprünge einer flammenäugigen Bestie zu decken, die er nur mit kurzen, wütenden Stößen bekämpfen konnte, weil der Raum für einen tötlichen Schlag fehlte. Zugleich aber führte der Riese seine Axt mit so furchtbarer Wirkung, daß die Zahl der Angreifer schon auf drei geschmolzen war. Einen von diesen erledigte der Bulle, der, blutüberströmt, aber nun im Kampf von seiner dunklen Angst befreit, die hämmernden Vorderhufe so blindwütend brauchte, daß er Freund und Feind gleich gefährlich wurde. Das Glück wollte es, daß er Rawsons Gegner traf, der sich jetzt heulend gegen ihn kehrte. Dadurch fand Rawson Zeit zu einem vollen, sausenden Schlag, der den Kampf beendete. Von den beiden letzten Wölfen erlag einer, der Moore von der Seite angesprungen hatte, seiner sausenden Axt. Beim Klang seines Todesröchelns zog der letzte überlebende sich zurück, zögerte einen Augenblick und gab dann die verlorene Schlacht auf. Als er floh, den Bauch an der Erde, schwang Moore noch einmal die Axt. Sie pfiff von der Faust eines erfahrenen Hinterwäldlers gelenkt durch die Luft, und zerschmetterte dem Flüchtling das Rückgrat. Der Riese sprang nach, ergriff noch einmal die Waffe und gab dem winselnden Tier den Gnadenschlag.

Die arme Kuh war inzwischen wieder zu Atem gekommen und stellte sich mühsam auf die Füße. Sie zu schützen, nahm der Bulle seine Retter an. Rawson entging mit knapper Not seinem Angriff.

»Wir sind nicht länger beliebt,« lachte er und zog sich in sein Dickicht zurück. Da sprang die Bastardhündin, die er fast vergessen hatte, mit unverkennbar hündischer Demut an ihm empor. Er betrachtete sie einen Augenblick voll Erstaunen, erkannte sie dann und verstand.

»Scher dich weg und sei dankbar für dein ganzes Fell!« kommandierte er: »Ueberläufer!«

Er wollte seinem Befehl mit dem Gewehrkolben Nachdruck geben, aber Moore widersprach:

»Nicht wegjagen!« sagte er. »Bin froh, daß Sie sie nicht wollen. Jetzt behalte ich sie selbst. Ist mehr wert, als ein Dutzend meiner elenden Köter ohne Nase und Appell. Sie hat übrigens ihre Lektion hinter sich! Die geht nicht wieder zu den Wölfen über!«