Da trat der Mensch aus der Tür und hob etwas an die Schulter, das wie ein langer, brauner Stock aussah. Gleich darauf kam ein Funke aus dem Ende des Stockes gesprungen, zugleich hörte man ein kurzes, scharfes Geräusch. Der Bock aber, der weit weg auf der andern Seite der Rodung stand, sprang in die Luft und fiel tot nieder. Bei diesem Anblick war dem Bären ein Entsetzen durch alle Nerven gefahren, und er hatte sich tief ins Dickicht verkrochen. Kein Wunder, daß die großen, roten Ochsen, trotz ihrer gefährlichen Hörner, diesem Geschöpf dienten, wenn es weithin töten konnte, mit einem kleinen Stock und einem scharfen Knall! Von nun an war der Bär noch eifriger dabei, den schrecklichen Eindringling zu beobachten, Angst und Feindschaft machten ihn immer wachsamer. Sicherlich durfte er den Menschen auch auf noch so kurze Zeit nicht aus den Augen lassen, sonst geschah etwas nie Gehörtes und nie Vergeßbares.
Als der Mensch jetzt zum ersten Male sein Feld bestellt, gesät und gepflanzt hatte und seine Hütte wetterfest war, legte er sich darauf, den Bären in einer Falle zu fangen. Der Bär aber wußte schon einiges von diesem Plan! Unter all den unsichtbaren, neugierigen Zuschauern, deren scheue Augen das Werk beobachteten: Eichhörnchen, Rebhühnern, Hasen, Waschbären, Regenpfeifern, Waldmäusen, Rehen, Füchsen und Eulen, war es der Bär, der am schärfsten beobachtete und verstand.
Die erste Falle war gebaut, mit dem Köder versehen und aufgestellt, und der Mann war fortgegangen, um sie ihre grausame Arbeit tun zu lassen. Da hatte der Bär sie der schärfsten Prüfung unterzogen. Obwohl er über den Fall Trojas nie etwas gehört hatte, besaß er doch von Natur aus jenes wichtige Stück Intelligenz, das den Männern von Troja, zu ihrem Unglück, gefehlt zu haben scheint. So fürchtete er den Menschen, selbst wenn er Geschenke machte. Er roch den Köder zwar, ein Stück frischen, fetten Specks, aber nur aus angemessener Entfernung. Damit wollte er nichts zu tun haben! Aus Großmut, nahm er an, war ein solcher Leckerbissen nicht für den ersten Besten dort aufgehängt.
Während er in einem Dickicht aus jungen Fichten, deren scharfer Duft seine Witterung einschläferte, saß und lauerte, kam eine langschwänzige Wildkatze angepürscht. Sie sah den leuchtenden, weißen Köder und machte sich rasch an den Eingang zur Todesfalle. Ihre runden, blassen Augen leuchteten gierig, obwohl sie vor dem scharfen Menschengeruch ringsum ängstlich die Ohren niederlegte. Klug war sie nicht, die Wildkatze. Sie wußte wohl, daß das köstliche Stück Fleisch dem Menschen gehörte. Aber er war doch nicht in Sicht! Sie konnte ja von weitem hören, wie er seine dummen Ochsen anrief. Geduckt zog sie vorwärts und warf sich mit leisem Freudeknurren über die Beute. Irgend etwas schien sich zu bewegen. Mit entsetzten Augen sah der Bär die drei schweren Stämme, die über dem Köder ein Dach bildeten, krachend niederfahren. Mit ohrenzerreißendem Gedröhne, das aber aufhörte, kaum daß es begonnen, hatten die Balken die unglückliche Wildkatze zerquetscht.
Ein rotes Eichhörnchen, das von einem nahen Ast den ganzen Vorfall beobachtet hatte, brach in jammervolles Geschrei aus. Ein Rabe, der sich auf schwarzen Flügeln aus den Baumwipfeln fallen ließ, setzte sich vorsichtig auf einen der Stämme und sah mit harten, neugierigen Augen die tote Katze an. Dabei wackelte er mit dem Kopf, als wollte er sagen: »Ich habe mir's ja gedacht!« Er war der Meinung, alle Wildkatzen sollten tot sein. Das war der Zustand, in dem er sie am meisten liebte. Aber die Art, in der diese hier ihr Ende gefunden hatte, erschreckte ihn doch und schien ihm ein Wunder.
Von diesem Tage an schien alles Werk des Menschen dem Bären eine Art Falle – alles mußte er mit angstvoller Wißbegier untersuchen, aber nichts durfte er berühren!
So kam es, daß der Mensch im Laufe der Zeit eine Kuh und ein Kalb in die Rodung bringen durfte, dann ein Schwein, dann Schafe und ein halbes Dutzend geschäftiger Hennen, ohne daß der Bär je eine Tatze gegen sie hob. Besonders beim Anblick der Schafe wässerte ihm das Maul, aber sie sahen so verdächtig harmlos aus. Sicher waren sie Fallen. Wenn er eins ergriff, würden vielleicht die Balken über ihm zusammenkrachen und ihn so flach schlagen, wie die Wildkatze. Der Mensch nahm dies Verhalten als Selbstverständlichkeit und dachte nicht darüber nach, daß es Vorsicht war. Aber das Fehlschlagen aller seiner Listen machte ihn auf die Dauer wütend, und er schwur, des Bären Pelz zu besitzen, ehe noch ein anderer Winter ins Land zog.
Das Ende dieses Sommers brachte quälende Trockenheit. Der Südforkstrom, der immer in wilden Stürzen dahinsaust und aus nie versiegenden Seen im Hochgebirge gespeist wird, sank nur wenig. Im Ottanoonfluß aber zeigten sich nackte Sandbänke und schimmernde Steinblöcke, die von den ältesten Wäldlern im ganzen Land keiner je trocken gesehen hatte. Mancher Waldbach verschwand gänzlich; was noch an ihn erinnerte, war eine Kette stiller, schwarzer Tümpel unter gewaltigen Zedernwurzeln. In den Wildseen starben die Lilien, fahl lagen sie auf stinkendem, wurzeldurchwachsenem Morast. Der Mensch war nicht allzu erregt. Denn kaum dreihundert Meter weit von seiner Hütte, am Ende der Schonung, floß der Südfork, dem keine Trockenheit etwas anhaben konnte. Sein Weizen und seine Kartoffeln waren weit genug, um durch die erste Trockenheit nicht ganz zerstört zu werden. Und sein Vieh war mit Wasser versorgt.
An diesem Punkt und vielleicht eine Meile stromabwärts und flußabwärts brauste der Südfork nicht sehr wild, so daß der Mensch ihn in seinem großen Kanoe bequem befahren und ausfischen konnte. Weiter unten wurden die Stürze zwölf oder fünfzehn Meilen lang und fast unüberwindlich steil, bis der tobende Strom sich endlich in einen schattigen See ergoß.