Unter einem leblosen und trockenen Himmel, in brütender Hitze, schien der Forst qualvoll zu stöhnen und sich nach Regen zu sehnen. Aber statt der lang ersehnten grauen und kühlen Wolken, die schwere Sturzregen in sich trugen, kam plötzlich eine tiefe, braune Wolke, durch die die Sonne wie ein Diskus aus glühendem Kupfer aussah. Der balsamische Duft des Waldes verschwand, statt seiner kam ein scharfer, böser Dunst, der die Augen quälte und den Gaumen brennen machte. Da verschwanden die Adler, Eulen, Krähen und alle flügelstarken Vögel. Alle die vierfüßigen Jäger der Wildnis wurden unruhig, Gefahren umdrohten sie, die sie nicht bekämpfen und denen sie nicht entfliehen konnten. Der große, schwarze Bär suchte, die Nase hoch gehoben, in allen Richtungen des Kompasses die Wolken ab. Er verlor alle Angst vor dem Menschen und seiner Arbeit, wimmernd zog er sich fünf Meilen weit stromabwärts zu einem Tümpel, der sich im Bereich des schäumenden Südfork gebildet hatte.

Zur gleichen Stunde lehnte sich der Mensch, der unentwegt an seinem traurigen Kartoffelacker geschafft hatte, auf seine Hacke und sah mit Besorgnis die veränderten Wolken an.

»Feuer!« murmelte er. »Irgendwo in der Nähe, und vielleicht gar nicht weit! Wenn nur kein Wind kommt!«

Dann warf er die Hacke zur Seite, legte den Ochsen das Joch über und schickte sich an, drei Tonnen voll Wasser vom Fluß zu seiner Hütte zu bringen. Falls Funken über die Rodung fliegen, dachte er, ist es gut, Wasser zur Hand zu haben.

Bei dieser Arbeit fühlte er sich wie gelähmt, die tote Luft und eine dumpfe Vorahnung drückten. Als er jedoch sein Gespann am Ufer halten ließ, sah er jenseits des Flusses ein Bild, das Leben in seine Glieder jagte! Die Ochsen sahen es auch, sie wurden scheu, schnaubten und zerrten an ihrem Joch. Jenseits der Baumspitzen stiegen Rauchwolken auf, durch ihre Aeste brach da und dort eine rote Flamme, die wie eine höllische Zunge um sich schlug.

Der Mann wurde ein Satan von Kraft. Hin und her sprang er mit seinem Wassereimer, vom Fluß zur Tonne und zurück, brüllte furchtbar auf die Ochsen ein, die nicht stillhalten wollten, und bald hatte er die Tonne bis zum Rand gefüllt. Auf dem Weg zur Hütte aber konnte er nicht hetzen, der Weg war uneben, er mußte vorsichtig fahren, sonst verschütteten die Tonnen ihren kostbaren Inhalt. Die Ochsen aber brauchte er nicht anzutreiben, und nach einer schwierigen Fahrt auf dem heißen, holprigen Wege erreichte er einen abgerodeten Hügel hinter seiner Hütte. Hier blieb er einen Augenblick wie erstarrt. Auch vom südlichen Horizont, jenseits der Rodung, stiegen diese seltsamen Wolken auf, auch dort leckten dünne, rote Zungen bösartig empor und verschwanden wieder. Von beiden Seiten schloß sich das Feuer um ihn zusammen! Erst jetzt erkannte er die gräßliche Gefahr! Wassertonnen! Weiß Gott! … Mit einem bitteren Lachen und einem Fluch über die Nutzlosigkeit seiner Mühen, in Gram und Wut über den Zusammenbruch all seiner Hoffnungen, befreite er die Ochsen aus dem Joch und rannte den Abhang hinunter, den Rest seiner Herde loszulassen. Er gab ihnen allen dieselbe Möglichkeit, das Leben zu retten, die er selbst hatte. Dann riß er eine Decke und ein leichtes Felleisen von seinem Lager und rannte zum Fluß.

Mittlerweile hatte der Bär den kleinen Teich – Bogan nennen ihn die Indianer – fünf Meilen stromabwärts erreicht. Er fand ihn schon gedrängt voll von schwimmenden, zitternden Flüchtlingen. Denn schon war im Norden und Süden der Himmel voll Rauchwolken, die in dunklen, rollenden Massen näher kamen, und von Baumspitze zu Baumspitze sprangen tobende Flammen.

Unter dem Druck eines plötzlich erwachten Ostwindes trieben die beiden Feuersbrünste zusammen. Mit furchtbarer Geschwindigkeit vereinten sie sich über dem Fluß, der gerade an dieser Stelle einen Bogen beschrieb und sich über eine Reihe gebrochener Felswände brodelnd südwestwärts wandte. Aber das Brausen der Wasserfälle wurde jetzt durch einen viel schrecklicheren Laut übertönt, das Zischen und Lodern der Feuersbrunst.

Durch die Aeste brachen gelbe, stickige Rauchwolken, von allen Seiten, unberechenbar wohin, und warfen sich auf das Wasser, wurden dünn und verloren sich, als hätte der sprühende Schaum sie verschluckt. Hier und dort loderte ein einsamer Tannbaum in Flammen auf und leuchtete wie eine riesige Notfackel, und plötzlich heulte es durch die Luft, ratterte wie von unsichtbaren Explosionen, und schwirrende Brände, Vorreiter der großen Feuersbrunst, loderten mit Zischen in die Flut.

An den Rändern der engen Bogan saßen die Tiere gedrängt und sahen mit weiten, angstgequälten Augen dies flammende, fliegende, fallende Verderben. Ein paar Wildkatzen und ein großer, grauer, kanadischer Luchs kauerten am Ufer oder auf ausgedorrten Stümpfen und Aesten. Als eine Lohe nahe von ihnen niederfiel, legten sie die Ohren glatt und schauerten schreiend zurück. All ihre Leidenschaft, zu jagen und zu töten, war von Furcht verdrängt, und sie sahen nicht einmal die zitternden Hasen, die verzagten Eichhörnchen, die stoisch-gleichgültigen Murmeltiere, die rings um sie zusammengedrängt saßen. Das blutdürstige Wiesel sogar dachte einmal nicht an Mord, in den behenden Reihen glitt es ängstlich auf und nieder. Ein roter Fuchs, sonst ein Geselle, der jeglicher Gefahr trotzte, saß am Ende eines gestrandeten Holzblocks und äugte in die Baumspitzen, als grübelte er in seinem Sinn über irgendeine Kriegslist nach, mit der dieser grauenvolle Gegner sich schlagen ließe. Die schwimmenden Tiere, Ottern, Biber und Wasserratten, bedeckten mit ihren Köpfen die Oberfläche der Bogan; bei allem Entsetzen vor dieser Katastrophe, der die Welt zu unterliegen drohte, vertrauten sie dennoch ihrem alten Element, das immer ihr Schutz gewesen. Ein schwarzer Elen-Bulle mit zwei Kühen und ein Dutzend Stück Rotwild standen bis zum Bauch im Wasser und tauchten von Zeit zu Zeit unter, um sich Kühlung zu verschaffen. Nur Bären waren nicht da, außer dem großen Schwarzen selbst, denn alle Rivalen hatte er in seiner Eifersucht längst aus der Gegend vertrieben.