Mitten im Spiel stürzte sich irgend woher aus den Lüften ein geräuschloser Schatten, den mächtige Flügel trugen, auf das tanzende Paar. Zwei riesige Augen, kreisrund, starr und matt glühend, starrten sie an, und gewaltige Krallen, die furchtbar greifen konnten, jagten sie nach rechts und links, in gräßlicher Stille. Aber so blitzhaft schnell war ihr Ausweichen, daß beide, Puck und die kleine Mutter, den gierigen Krallen entgingen. Wie ein paar Blätter waren sie beim Angriff der Eule auseinander geweht. Sofort verschwanden sie tief unter den Aesten, und die enttäuschte Eule rauschte weiter, um weniger listiges Wild zu jagen. Gleich darauf flatterten auch die beiden Fledermäuse wieder empor. Aber, obgleich unverzagt, empfanden sie doch die Notwendigkeit, aufzupassen, solange der Feind sich in der Nähe aufhielt. Deshalb begaben sie sich zu ihrem Spiel ins untere Ende des Gartens, wo der Mann und das Mädchen spazierten, und um deren gedankenschwere Häupter schwangen sie jetzt ihre kreisenden Tänze. Menschliche Geschöpfe hielten sie für harmlos und nur dazu gemacht, die Eulen fern zu halten.
Zu Pucks Erstaunen stieß das Mädchen plötzlich einen hellen Schrei aus und warf sich ihren leichten seidenen Schal über den Kopf, daß sie wie eine florentinische Madonna aussah.
»Igitt!« schrie sie ängstlich. »Da versucht wieder eins von diesen schrecklichen Tieren in mein Haar zu kommen!« Der Mann lachte friedlich und zog sie an sich.
»Dummes Mädel, selbst in dein Haar würde eine Fledermaus für kein Zureden kriechen! Sie wäre geschmacklos genug, sich dort höchst unbehaglich zu fühlen!«
»Ja, aber aus Versehen könnte sie hineinkommen!« behauptete das Mädchen, und ihre weiten Augen folgten, unter dem Schutz ihres Arms, den Grotesk-Tänzen der beiden Schatten. »Du weißt, sie sind fast blind, meine Amme hat mir erzählt, als ich noch ein kleines Mädel war, wenn mir je eine Fledermaus ins Haar käme, müßte ich's ratzekahl abschneiden. Sie würde sich so hinein verwickeln, daß man sie nie wieder herausbringt!«
»Deine Amme hat Dir merkwürdige Dinge erzählt, scheint mir,« widersprach der Mann. »Wenn Du mir glaubst, daß die Fledermäuse so wenig blind wie irgend denkbar sind, wirst Du Dir an Sommerabenden viel Angst sparen. Sie sehen sogar wunderbar gut, mein Schatz, und sie verfliegen sich nie, im Gegenteil, im Gleiten und Stürzen sind sie sicherer als irgend ein Vogel. Jedes von diesen kleinen Biestern, die da um uns herumflattern, könnte von Deiner süßen, kleinen Nase eine Mücke herunter schnappen, ohne Dich auch nur mit dem Flügel zu treffen.«
»Ich mag sie aber doch nicht!« sagte das Mädchen etwas getröstet. »Ich wollte, sie gingen weg!«
»Wie alle Welt beeilen sie sich, deinem leisesten Wunsch zu gehorchen,« erwiderte der Mann und lachte wieder, denn bei den letzten Worten des Mädchens hatten Puck und seine Gefährtin sich emporgeschwungen, und jetzt verschwanden sie unter den Baumwipfeln.
Ich behaupte nicht, daß die Beiden Englisch verstanden, oder daß sie in ihrem empfindlichen Nervenzentrum durch Fernwirkung Kenntnis von der Abneigung der jungen Dame bekommen hatten. Ihr Grund war einfach, daß die kleine Mutter sich vom Gewicht ihrer beiden Babys im Genick ermüdet fühlte und davongeflogen war, um einen sicheren Ast zu finden, auf den sie die Kleinen für ein paar Augenblicke verstecken konnte. Hoch oben im dunklen Wipfel einer Fichte nahm ein gewaltiger Ast die Jungen auf, die sich, gehorsam dem Befehl der Mutter, an die Rinde krallten und ihre winzigen Körper fest an das rauhe Holz preßten. Hier gibt es keine Gefahr, dachte die kleine Mutter, und verließ sie, um sich für ein paar Minuten lang in ungestörtem Flug zu erholen und ein wenig mehr Mücke und Motte zu sich zu nehmen. Puck hatte gewartet, bis sie ihre Babys im Ast versorgt hatte, jetzt flog er leichten Herzens mit ihr, um über den Blumenbeeten zu fouragieren.