Weit gefährlicher und langwieriger gestaltete sich die Meuterei der beiden Brüder Francisco und Diego Porras, welche mit 48 Gesinnungsgenossen unter Drohungen, denen sich der muthige Adelantado vergebens zu widersetzen suchte, die Schiffe verließen und auf demselben Wege wie Mendez und Fiesco ihr Heil versuchen und nach Haiti segeln wollten, weil sie meinten, Columbus habe gar nicht die Absicht, Jamaica wieder zu verlassen, sondern wolle sie zwingen, mit ihm dort eine dauernde Colonie zu gründen. Ihr Versuch, auf indianischen Böten ihre Flucht auszuführen, scheiterte an der Ungunst des Wetters, sie waren nach kurzem Kampf mit dem feindlichen Elemente genöthigt, nach Jamaica zurückzukehren. Columbus suchte vergebens eine Verständigung herbeizuführen, aber diese zerschlug sich an den unbilligen Forderungen der Meuterer. Und als diese vollends sich anschickten, einen geeigneten Hafenplatz, wo man die Landung der verheißenen rettenden Fahrzeuge erwartete, zu besetzen, und sich dadurch zu Herren der Rettungsschiffe zu machen, blieb der dem Columbus treu gebliebenen Mannschaft, an deren Spitze der Adelantado trat, nichts übrig, als die Entscheidung der Waffen anzurufen. So kam es am 19. Mai 1504 zu einem blutigen Zusammenstoß, in welchem mehrere Meuterer erschossen und Francisco Porras gefangen genommen wurde. Die Besiegten baten um Gnade und mußten unter feierlichem Eidschwur von neuem Treue geloben. Nur unter dieser Bedingung wurden sie in dem Schiffe mit aufgenommen, welches, von Diego Mendez gesendet, am 28. Juni vor der Bucht von Santa Gloria eintraf und alle Spanier nach Haiti hinüberbrachte, wo sie am 13. August den Hafen von San Domingo erreichten. Ovando nahm den Admiral mit seinen Leuten ehrerbietig auf, zeigte ihm aber auch seine höhere Amtsgewalt, indem er dem gefangenen Francisco Porras seine Fesseln abnehmen ließ. Am 12. September trat Columbus seine letzte Heimreise aus der neuen Welt an und erreichte im Anfang November nach einer stürmischen Ueberfahrt den spanischen Boden in Cadiz.

13. Die letzten Lebensjahre des Columbus.

Gekränkt und in seiner Ehre verletzt, niedergedrückt durch den Verlust aller Schiffe, mit denen er von Spanien ausgezogen, siech an Körper und Geist kam er von dieser seiner letzten Fahrt zurück. Niemand kümmerte sich um die Heimkehr des armen Schiffbrüchigen. Der Jubel, der ihn sonst empfangen, war verstummt. Peter Martyr, welcher in seinen Briefen ehedem sich der intimen Freundschaft des Admirals gerühmt hatte, schweigt in seinen gleichzeitigen Briefen über die Resultate dieser Reise. Columbus ist ihm ein gefallener Mann, den man nicht mehr nennen darf, ohne sich zu compromittiren. Man darf wohl daran erinnern, daß Martyr auch in seinen Decaden (Dec. I. lib. 10) am gehörigen Orte nur ganz kurz diese letzte Fahrt des Columbus erwähnt; und erst viel später, in den 1515 geschriebenen Abschnitten seines Werkes (Dec. III. lib. 1–4) wo er die Ereignisse von 1513 auf dem mittelamerikanischen Isthmus erzählt, erinnert er sich seines an Columbus begangenen Unrechts und holt die Geschichte der letzten Fahrt nach.

Gewiß, Columbus hatte, als er wieder in Spanien eintraf, nur noch wenig Freunde und sollte bald nach seiner Ankunft auch noch die treueste Freundin, die Königin, verlieren. Isabella starb am 26. November 1504, also nur wenige Wochen, seitdem Columbus in Cadiz angekommen war. Daher fand dieser keine Gelegenheit, seine hohe Beschützerin noch einmal zu sehen.

Der Admiral brachte den folgenden Winter in Sevilla zu. Er erwartete, den schriftlichen Zusagen der Krone gemäß, baldigst in seine Rechte und Würden wieder eingesetzt zu werden, er rechnete darauf, daß ihm die versprochenen Einkünfte und der Antheil an den Erträgnissen der Colonie, welche er seit mehreren Jahren nicht erhalten, ausbezahlt würden. Wiederholt richtete er Briefe an seinen Sohn Diego, um seine Angelegenheiten bei Hofe nachdrücklicher zu betreiben. So schrieb er am 1. December 1504: „Mein Leiden gestattet mir nur des Nachts zu schreiben, denn bei Tage habe ich keine Kraft dazu in den Händen“. Er brannte vor Verlangen, von seinem Sohne zu hören, wie es bei Hofe zugehe und wie seine Sachen stünden. Er ermahnt ihn, so oft als irgend möglich zu schreiben.

Auch an den König Ferdinand richtete er einen langen Brief, in welchem er die Misstände der Colonialverwaltung ausführlich darlegte, und forderte, es solle ein Vertrauensmann zur Untersuchung hinübergesandt werden. Aber er erhielt keine Antwort darauf. Er beklagte sich bitter, daß ihm kein Mensch mehr schreibe.

Man liest diese Briefe des Verlassenen nicht ohne Mitleid; die steten Wiederholungen seiner Wünsche, die drängende Ungeduld, die wehmüthigen Klagen — alles zeigt uns den gebrochenen Mann.

Haus zu Valladolid, in dem Christoph Columbus gestorben.