Dahin rechnen wir auch die pedantische Gruppirung, in welcher Columbus bei dem mystischen Bau seiner Namensunterschrift die seinem Eigennamen vorangestellten sieben Buchstaben, unter denen wieder das A größer als die übrigen sein mußte, theilweise nur mit Punkten versah. Diese Unterschrift (d. h. die einzelnen Buchstaben)

S.
S. A. S.
Χ Μ Υ
ΧΡΟ FERENS.

malte er mit peinlicher Genauigkeit unter alle seine Briefe, selbst an seine Söhne, und verlangte die sorgfältige Nachahmung ausdrücklich auch von den Erben seines Majorats. Diese Unterschrift ist verschieden gedeutet. Margry[292] erklärt sie: Supplex Servus Altissimi Servatoris. Christus Maria Joseph Christoferens. Becher[293] liest: Servidor Sus Altezas Sacras Jesus Maria Ysabel Christoferens. W. Irving macht zwar dabei darauf aufmerksam, daß es früher in Spanien Sitte gewesen, seinem Namen irgend eine abgekürzte Sentenz beizusetzen, welche, gegenüber den Juden und Mauren, den Schreiber als Christen auswies;[294] aber Columbus hatte bei dieser langen Unterschrift, welche auch Humboldts gerechten Widerwillen erregte,[295] die Absicht, seinen Eigennamen Christoph, Christoferens in nicht mißzuverstehender Weise mit der heiligen Familie in Verbindung zu bringen und sich als den Christbringer zu erklären, welcher, dem ihm gewordenen göttlichen Auftrage gemäß, das Christenthum über den Ocean tragen sollte.

Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Christoph Columbus, datirt Granada, 6. Februar 1502 „à los Reyes Católicos exponiendo algunas observaciones sobre el arte de naveger“.[291]

Diesem Gedanken, den Admiral als den Christusträger zu verherrlichen, hat auch Juan de la Cosa auf seiner Karte von Amerika vom Jahre 1500 bildlichen Ausdruck gegeben, indem er auf dem damals noch nicht enthüllten mittelamerikanischen Isthmus, wo Columbus 1503 eine Meerenge suchte, den heiligen Christopherus darstellt, welcher das Christkind durch den Ocean trägt. Einen erhöhten Reiz gewönne dies Bild, wenn die oben bereits ([S. 233]) mitgetheilte Vermuthung das Richtige träfe, daß der Kopf des Christopherus das Porträt des Entdeckers sei.

Die Insel Guanahani nach der Karte Diego Ribero’s von 1529.

Dieselbe Karte enthält noch ein zweites bedeutsames Bild in der künstlerisch ausgeführten Strichrose, unter welcher der Wendekreis des Krebses hinläuft. Inmitten der nautischen Rose thront Maria mit dem Kinde, umgeben von anbetenden Engeln. Daß auch spätere Kartographen noch dem Glauben an die göttliche Sendung des Columbus huldigten, erkennt man aus der naiven Weise, in welcher Diego Ribero auf seiner 1529 entworfenen Weltkarte der zuerst von Columbus entdeckten Insel San Salvador eine geradezu symbolische Gestalt gab. Er zeichnet sie nämlich in Gestalt eines Kreuzes und gruppirt die Korallenbänke ringsum als eilf rundliche Inseln. Wir sehen also den Erlöser (San Salvador) von seinen eilf Aposteln umgeben.