Am 25. Juni 1523 kam die ganze Expedition nach Panama zurück. Die alte Niederlassung Santa Maria del Darien (Antigua) begann schon 1521 zu veröden und wurde 1524 ganz aufgegeben. An ihre Stelle trat Panama.

Zur weiteren Ausbeutung seiner Entdeckungen, die ihm Pedrarias nur unter seinem Namen gestatten wollte, begab sich Gil Gonzalez nach S. Domingo, warb Schiffe und Mannschaften und segelte damit im Frühling 1524 nach der Ostküste von Nicaragua und Honduras und wollte an der Mündung des Rio Ulea landen. Er benannte den Hafen Puerto de Caballos, weil er gezwungen wurde, im Sturme mehrere Pferde über Bord zu werfen, um das Schiff zu retten. Dann ging er weiter nach Osten zum Cap Honduras und drang von hier aus gegen Süden in der Richtung zum Nicaraguasee vor. Dort stieß er auf eine Abtheilung der spanischen Schar, welche um dieselbe Zeit von Süden her unter dem Commando des Hernandez de Cordova dasselbe Gebiet zu erobern suchte. Gewissenlos fiel er über seine Landsleute her und nahm ihnen ihre Beute an Gold und ihre Waffen ab. Als er aber nach Puerto Caballos zurückkam, wurde ihm wiederum von Cristoval d’Olid, welchen Cortes entsendet, das Land streitig gemacht. Ueber den Ausgang dieser Unternehmungen werden wir im Verlauf der Eroberung Mexiko’s (Cap. 2. 24) weiter zu berichten haben.

Auch Francisco Hernandez de Cordova war von Pedrarias zur Eroberung Nicaragua’s ausgesendet. Er legte den Grund zu den Städten Granada, am nordwestlichen Ende des Sees und Leon, in der Nähe des Golfes von Fonseca. Eine Brigantine, am Gestade der Südsee auseinander genommen und im Nicaraguasee wieder zusammengesetzt, diente zur Befahrung des Binnensees und entdeckte den Abfluß desselben, den Rio S. Juan, den man aber wegen der Klippen und Stromschnellen nicht bis zum caribischen Meere verfolgen konnte. Wie fast alle Conquistadoren, wenn sie einigen Erfolg gehabt, strebte auch Cordova nach Unabhängigkeit von dem Statthalter Pedrarias. Seine Hauptleute Hernando de Soto und Compañon, welche den Verrath misbilligten, sagten sich von ihm los und kehrten nach Panama zurück. Da raffte sich Pedrarias zum letztenmal auf, erschien mit seinen Truppen unerwartet in Nicaragua, nahm den rebellischen Hauptmann gefangen und ließ ihn in Leon 1526 enthaupten. Als er im Februar 1527 nach Panama zurückkam, war sein Nachfolger Pedro de los Rios bereits auf dem Isthmus gelandet. Pedrarias zog sich nach Leon zurück und starb 1530. Dreizehn Jahre hatte das Land unter seiner Verwaltung geseufzt, er war nicht mehr fähig gewesen, seine Unterbefehlshaber zu zügeln, welche unter einander und gegen den Statthalter selbst zu den Waffen griffen. Die dissoluten Verhältnisse, welche seine schlechte Leitung über die herrlichen Landschaften von Mittelamerika gebracht, machten sich auf immer fühlbar. Sein Name war mit Recht verrufen.

18. Die Entdeckungen im Golf von Mexiko.

Bisher hatten sich fast alle Unternehmungen im Umkreis des caribischen Meeres bewegt. Columbus selbst hatte dazu die Richtung angegeben. Seit dem ersten Zusammentreffen mit den Bewohnern der neuen Welt waren die Spanier bei ihren unermüdlichen Fragen nach den Goldländern auf den Südwesten gewiesen, und diese Richtung war selbst dann maßgebend geblieben, als Columbus an der Küste von Yukatan zuerst mit der Kultur der Mayastämme in Berührung kam. Daher blieb das Meer im Nordosten von Cuba zwanzig Jahre unbesucht. Der erste kühne Versuch in diesen unbekannten Norden einzudringen, ging merkwürdiger Weise von dem Statthalter von Puertorico, Juan Ponçe de Leon aus. Die Bewohner der Bahamainseln hatten von einem Wunderlande im Nordwesten berichtet, in dessen Heilquellen das Alter sich verjüngen könne.[345] Ponçe de Leon betrat dieses Land am Ostertage, 27. März, 1513 und nannte es nach dem Tage der Entdeckung Pascua Florida. Er fuhr dann an der Ostküste von Florida bis zum 10° n. Br., ließ es aber noch unentschieden, ob es eine Insel oder ein Theil des Festlandes sei.[346] Von hier kehrte er zur Südspitze der Halbinsel zurück und ging eine Strecke weit an der Westküste nach Norden, wo zwischen 25° und 26° n. Br. die Bahia de Ponçe de Leon noch den Namen des Entdeckers trägt. Die erste Karte von Florida lieferte sein Pilot Antonio de Alaminos.[347] Die feindselige Haltung der kriegerischen Einwohner hatte jeden Versuch einer Besiedelung vereitelt. Mehr als Puertorico schien Cuba schon durch seine Lage berufen der Ausgangspunkt aller Unternehmungen zu werden, welche gegen die Länder im Westen gerichtet wurden. Die „Perle der Antillen“ war mit leichter Mühe von Diego Velasquez unterjocht, welcher seit dem Jahre 1511 daselbst als Statthalter eingesetzt war. Die ganze Insel wurde sammt den Indianern unter die Eroberer vertheilt, und bei der großen Ausdehnung des Landes strömten immer mehr Abenteurer dahin. Aber zum friedlichen Landbau nicht geneigt, unternehmungslustig, unstät, durch jede neue Kunde von goldreichen Ländern aufgereizt, scharten sich die jüngeren Leute bald zusammen, um auf eigene Entdeckung und Eroberung auszuziehen. Sie rüsteten zwei Schiffe aus, wählten Hernandez de Cordova zu ihrem Hauptmann, gewannen Antonio de Alaminos aus Palos als Piloten und erhielten zur Ausrüstung eines dritten Schiffes von Velasquez das Geld vorgestreckt.[348] Am 8. Februar 1517 gingen die Schiffe unter Segel und steuerten von Cuba nach Westen. Beim Cap Catoche erreichten sie die Küste von Yukatan. Diese Entdeckung war von höchster Bedeutung, denn hier trafen die Spanier zuerst auf ein Kulturvolk, das prächtige Steinhäuser besaß, sich in baumwollene Gewänder kleidete und in Tempeln von behauenen Steinen, welche auf abgestumpften Pyramiden errichtet waren, ihren Götzen Menschenopfer darbrachten. Ueberrascht waren die Entdecker, hier mehrfach das Zeichen des Kreuzes in Stein gehauen zu finden, welches, wie sie später erfuhren, ein Symbol des regenbringenden Gottes war. Das Volk der Maya, welches das Land bewohnte, bediente sich sogar einer eigenartigen Bilderschrift, welche noch nicht entziffert ist. Abgesehen von der Verwendung derselben auf den monumentalen Bauwerken, welche sich, im Urwald begraben, zum Theil noch erhalten haben und das lebhafteste Interesse der europäischen Forscher auf sich gezogen haben,[349] sind nur drei oder vier Manuscripte der Maya-Sprache mit farbigen Bildern erhalten. Die werthvollste und umfangreichste dieser Mayahandschriften bewahrt die königliche Bibliothek in Dresden. Das Material dieser Handschriften besteht aus einzelnen Blättern, die aus den Fasern der mexikanischen Agave gefertigt und mit einer feinen Gypsschicht überzogen sind.[350] Neben den merkwürdigen Ruinen, deren bedeutendste Ueberreste sich im Süden des Landes bei Uxmal und Palenque finden, sind noch hohe Steinbilder, aus Monolithen geschaffen, vor der Zerstörung durch die Spanier, welche bei der fanatischen Verbreitung des Christenthums alle Erinnerungen an das Heidenthum der Eingeborenen zu vernichten strebten, sowohl in Yukatan als in den Nachbargebieten von Mexiko, Guatemala und Honduras erhalten. Diese Steinbilder stellen vielfach vergötterte Könige und Fürsten dar, denen, nach Weise des Heroencultus, Opfer gebracht wurden,[351] oder erschienen als Frauengestalten in der eigenthümlichen Landestracht, erstere mit kurzem Baumwollpanzer, letztere in gesticktem Rock mit Perlen und Fransen.

Eine Seite aus der Mayahandschrift der kgl. Bibliothek zu Dresden; (Originalgröße).

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