Tempelruine zu Uxmal.

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Die Spanier unter Cordova versuchten an mehreren Punkten der Küste zu landen, wurden aber von den kriegerischen Bewohnern blutig zurückgewiesen. Alaminos segelte an der Nord- und Westseite der Halbinsel bis Champoton, südlich von Campeche; aber als hier in einem Gefechte der Anführer lebensgefährlich verwundet wurde, stand man von der Fortführung des Kampfes ab, da man sich zu einer Eroberung zu schwach fühlte, und ging wieder in See. In dem Irrthum befangen, daß der nächste Weg nach Cuba über die Halbinsel Florida führe, steuerte Alaminos zuerst nach diesem Lande, welches er von der ersten Fahrt Juan Ponçe’s kannte, sah sich aber auch hier von den Indianern feindlich empfangen und segelte nach Cuba, wo Cordova 10 Tage nach der Landung seinen Wunden erlag. Der Statthalter Velasquez berichtete über den Verlauf der Expedition nach Spanien und rühmte sich der Entdeckung, sowie der darauf verwendeten Kosten.[352] „Von uns aber,“ fügt Bernal Diaz bitter hinzu, „die wir das Land gefunden hatten, wurde keiner genannt.“[353] Im nächsten Jahre rüstete Velasquez eine neue Flotte aus und sandte im April oder Mai 1518 vier Schiffe unter seinem Neffen Juan de Grijalva nach Yukatan ab. Als Pilot fungirte wiederum Antonio de Alaminos; außerdem begleitete ihn der tapfere Pedro de Alvarado, welcher sich später unter Cortes bei der Eroberung Mexiko’s hervorthat. Südlich vom Cap Catoche erreichten sie bei der Insel Cozumel, welche damals ein berühmtes Heiligthum besaß, gegenwärtig aber dicht bewaldet und unbewohnt ist, die Küste Yukatans und umfuhren die ganze Halbinsel bis zur Laguna de Terminos und bis Tabasco. Die zahlreichen gut gebauten Ortschaften, welche man mit ihren weißen Steinhäusern am Strande schimmern sah, erinnerten die Seefahrer an ihre Heimat, weshalb man das Land „Neuspanien“ zu nennen anfing. Auf der Halbinsel zeigten sich die Bewohner ebenso feindlich als bei der ersten Expedition und erst am Rio Tabasco, welchen man den Grijalvafluß nannte, gelang es einen friedlichen Verkehr mit dem Volke und seinen Häuptlingen zu eröffnen. Dann ging die Fahrt nach Westen an dem gefährlichen Gestade[354] weiter bis in die Nähe der heutigen Hafenstadt von Vera Cruz. Hier liegen mehrere kleine Inseln am Strande, wo man landete. Die erste erhielt den Namen Opferinsel (Isla de Sacrificios), weil im Tempel kurz zuvor fünf Indianer geopfert waren. Auch auf der näher an Vera Cruz gelegenen Insel S. Juan de Ulua waren zwei Knaben unter dem Opfermesser der schwarzgekleideten Priester verblutet. Mit den wachsenden Anzeichen einer höheren Kultur mehrten sich, zum Entsetzen der Spanier, auch die Spuren des gräßlichen Opfercultus der Mexikaner. Nichts desto weniger landete Grijalva hier mit seiner ganzen Macht und verstand es, mit den Caziken in freundlicher Weise Geschenke zu wechseln und die Schätze des Landes, Gold, Edelsteine und Gefäße von wunderbarer Form im Werthe von 15 bis 20,000 Goldpesos gegen Glasperlen, Nadeln und Scheeren auszutauschen. Hier war also ein wirkliches Goldland gefunden, welches eine unermeßliche Beute verhieß. Alvarado wurde mit dem ersten Gewinn und mit der Botschaft der wichtigen Entdeckung nach Cuba zurückgesandt, während Grijalva seine Küstenfahrt noch bis zur Landschaft Panuco, bis nach Tampico, unter 22° n. Br., weiter ausdehnte und erst an einem stürmischen Vorgebirge abbrach, um dann über Yukatan nach Cuba zurückzukehren, wo er am 15. November 1518 in St. Jago landete. Die bedeutsamen Nachrichten, welche Grijalva mitbrachte, regten die Unternehmungslust des Statthalters von Cuba mächtig an und drängten ihn zu raschen Entschließungen, um sich den Gewinn dieser Entdeckung zu sichern. Während er einerseits Boten mit reichen Geschenken nach Spanien sendete, um die Krone zu bewegen, die entdeckten Gebiete seiner Statthalterschaft unterzuordnen, rüstete er andererseits eine größere Flotte, um jene Länder zu erobern, und ernannte Ferdinand Cortes zum Befehlshaber der Expedition.


Sculpturen von Copán.

Am Fuße einer Pyramide an einem Altar stehende männliche Figur. Ueber derselben ein baldachinartiger Aufbau von Ornamenten mit mehreren sitzenden menschlichen Figürchen. Die Figur trägt auf dem Haupte einen Helm in der Form eines phantastischen Thierkopfes; von ihm hängen Zierrathen aus Goldblechstreifen, mit Perlen besetzt, zu beiden Seiten herab. Die übermäßig großen Ohren scheinen Symbole der Würde des Dargestellten zu sein. Die Brust bedeckt ein Panzer, der oben aus Kugeln, unten aus gewebten Stoffen in Form von Rollen zusammengesetzt ist. Letztere umschließt ein breiter Gürtel mit Masken und verzierten Goldblechtafeln zwischen ihnen. Vorn hängt der Gürtel bis auf den Boden herab. Um den Hals trägt die Figur an einem Bande eine Zierrath. Die Arme sind mit dreifachen Armbändern, die Beine mit Kniebändern, aus Masken und Perlen gebildet, und über den Knöcheln mit Ringen geschmückt. Die Sculptur ist in einem Steine ausgehauen und mißt in der Höhe 364, in der Breite 133, in der Dicke 91 Centimeter.

Weibliche Figur, an einem Opfersteine stehend. Das kurze Gewand ist mit netzartigen Ornamenten und am Saume mit Perlen und Fransen geschmückt. Ein in derselben Weise verzierter Gürtel umschließt den Leib; derselbe hat einen Thierkopf als Mittelpunkt und ist an den Seiten, über den Hüften der Figur mit menschlichen Masken besetzt. Ein breiter mit Goldblech und Perlen besetzter Streifen fällt vom Gürtel auf den Boden herab. Die Figur trägt einen prächtigen Kopfschmuck, dessen Kern ein phantastisches Thierhaupt ist, in welchem die Zähne durch mit Perlen besetzte Fransen dargestellt werden. Von demselben gehen nach beiden Seiten und oben viele Federn aus, deren größere Ringe tragen und die auch sonst mit Rosetten, Perlen und Quasten reich geschmückt sind. Eine kleine menschliche Figur krönt den Federschmuck; unter ihm hängen vor den Ohren lange dünne Locken herab. Die nackten Arme sind von Armbändern aus kleinen Platten, Perlen und Fransen umschlossen. Die Brust wird von einem aus viereckigen, plattenartigen Stücken zusammengesetzten Gewand bekleidet. Auf demselben liegt ein Geschmeide, welches bis zu den Schultern reicht und daselbst in Masken und Arabesken endigt. Die Füße sind von Halbschuhen, welche die vordere Fußhälfte freilassen, bedeckt. Maaße: Höhe 345, Breite 98, Dicke 101 Centimeter.