Sculpturen von Copán: als Trachtenbilder.

[❏
GRÖSSERE BILDANSICHT]


19. Ferdinand Cortes geht nach Mexiko.

Für die erfolgreichste Ausdehnung der spanischen Macht in der neuen, indischen Welt war die auf Cortes gefallene Wahl eine überaus glückliche, wenn sie auch für Velasquez selbst eine Reihe bitterer Enttäuschungen brachte und ihm den gehofften Lohn gänzlich aus den Händen riß. Unter den wenigen wahren Heldengestalten der spanischen Conquistadoren, welche jenes Zeitalter gebar, ragt Cortes vor allen hervor. Sein edler, großer Charakter, seine kühnen Thaten erfüllen uns mit Bewunderung. Cortes war 1485 in Medellin in Estremadura geboren, hatte in Salamanca zwei Jahre studirt und sich dort, wenn er auch keine ausgesprochene Neigung zu den Wissenschaften zeigte, doch einen Grad allgemeiner Bildung erworben, wie er unter den Heerführern in den Colonialländern selten war. Der Reiz des Wunderbaren, welches die neue Welt belebte, die Lockung zu romantischen Abenteuern, welche jenseits des Oceans goldene Berge verhieß, erfüllte, wie die ganze spanische Jugend, so auch ihn. Und so ging er schon 1504 zum Statthalter Ovando nach San Domingo. Sieben Jahre später nahm er an der Eroberung Cuba’s theil und erwarb sich dadurch Landbesitz. Seine literarische Bildung beförderte ihn zum Secretair des Velasquez und später zum Alcalden von St. Jago, so daß er bereits eine der ersten Beamtenstellen auf der Insel einnahm. Seine Zeitgenossen schildern ihn als einen übermittelgroßen, schönen Mann mit breiter männlicher Brust und großen, dunkeln Augen in dem blassen Gesichte. In allen ritterlichen Uebungen gewandt, muthig und fest in seinen Entschlüssen, wie klar und überlegend in seinen Plänen; durch rasche Auffassung und klaren Geist, wie durch gewandte und feurige Rede seine Umgebung beherrschend, war er zum Anführer wie selten ein Mann in der neuen Welt geschaffen. Als Velasquez ihm das Commando übertrug, zählte er 33 Jahre. Es war dem Statthalter willkommen, daß Cortes aus eignen Mitteln einen Theil der Ausrüstung bestreiten konnte, welche mit 11 Schiffen den kühnen Angriff auf einen mächtigen Staat ausführen sollte.[355]

Aber noch ehe Cortes seine Vorbereitungen getroffen hatte, erwachte bereits die Eifersucht des Statthalters, welcher, durch seine Getreuen gewarnt, bereits fürchtete, dem gewählten Führer zu viele Machtmittel anvertraut zu haben, mit denen er sich womöglich eine unabhängige Stellung schaffen könnte. Er schien entschlossen zu sein, die Ernennung des Cortes zum General wieder zurückzunehmen; aber dieser brach, noch ehe der zögernde Velasquez sich entschied, mit seiner Flotte von St. Jago auf, bevor die Ausrüstung und Verproviantirung vollendet war, und ging zunächst nach der ebenfalls auf der Südseite von Cuba gelegenen Stadt Trinidad und, nachdem er hier noch 100 Mann von der zurückgekehrten Expedition Grijalva’s angeworben hatte, weiter nach Habana. Hieher sandte Velasquez an die Behörden des Orts den Befehl, Cortes zu verhaften, und gebot diesem in einem Briefe, er solle nicht eher absegeln, als bis er selbst nach Habana gekommen sei. Aber Cortes ließ sich an der Spitze seiner bedeutenden Macht weder als ein einzelner Edelmann gefangen setzen, noch befolgte er das unglaublich ungeschickt vorgebrachte Gebot des Velasquez, auf ihn zu warten; vielmehr begab er sich am 10. Febr. 1519 nach dem Sammelpunkt seiner Flotte am Cap S. Antonio, der Westspitze von Cuba, und ging von hier aus acht Tage später mit seinen eilf Schiffen unter Segel. Der erfahrene Steuermann Alaminos, der nun zum viertenmale nach Yukatan steuerte, denn er hatte bereits die letzte Fahrt des Columbus mitgemacht und dann die Expedition Cordova’s und Grijalva’s geleitet, war sein Hauptpilot. Seine bewaffnete Macht bestand aus 400 spanischen Soldaten, darunter 13 Büchsenschützen und 32 Armbrustschützen, und 200 Indianern, ferner aus 16 Reitern, 10 schweren Bronzegeschützen und 4 leichten Feldschlangen. Auch begleiteten zwei Geistliche den Zug, um den Götzendienst zu vernichten und die Indianer zu taufen. Das Geschwader steuerte nach der Insel Cozumel. Die Einwohner flohen bei der Landung zwar anfangs aus Furcht ins Innere, kamen dann, durch Dolmetscher beschwichtigt, zurück, ließen es geschehen, daß ihre blutigen Altäre gestürzt und daß in ihren Tempeln christlicher Gottesdienst gefeiert wurde, ja sie bequemten sich sogar zur äußerlichen Annahme des Christenthums.

Medaillenbildniß von Ferdinand Cortes; Originalgröße.

(Berlin, kgl. Münzcabinet.)

Schon auf der Expedition Cordova’s hatte Alaminos mehrfach das Wort Castillan gehört, ohne sich dasselbe in dem Munde der Indianer erklären zu können. Cortes vermuthete sofort richtig, es müßten Spanier bereits früher hieher gelangt sein. Diese Vermuthung wurde durch die Angabe eines Häuptlings bestätigt, daß noch zwei Spanier als Gefangene im Lande lebten. Unter ihnen befand sich Fray Jeronimo de Aguilar (s. o. [S. 346]), den Cortes befreite und der ihm als Dolmetscher wichtige Dienste leistete. Dann ging die Fahrt in gewohnter Weise um Yukatan herum nach dem Rio de Tabasco oder Grijalva. Die Einfahrt in den Fluß war so seicht, daß keins der größeren Schiffe einlaufen konnte; Cortes befuhr ihn daher in den kleinen Brigantinen und mit bewaffneten Böten, um die Stadt Tabasco selbst zu besuchen. Seine Erklärung, er komme in friedlicher Absicht, wurde mit Drohungen und Kriegsgeschrei beantwortet. Aber die Spanier ließen sich dadurch nicht abschrecken. Der Kampf begann schon in den Böten, dann im Wasser am Strande, das den Angreifenden bis an den Gürtel ging, und setzte sich am Lande fort, wo am 25. März mit Geschütz und Reiterei eine förmliche Schlacht geliefert wurde, in welcher die tapferen Tabascaner, deren Heer nach der eigenen Angabe des Cortes[356] aus 40,000 Mann bestand, durch die ungewohnte Kriegsmacht einer Reiterei in die Flucht geschlagen wurden und 220 Todte auf dem Schlachtfelde zurückließen.