Am nächsten Tage unterwarfen sich die Caziken und brachten unter anderen Geschenken 20 Sklavinnen, deren eine, eine geborene Mexikanerin, von den Spaniern den Namen Donna Marina erhielt und sich den Eroberern anschloß, denen sie als Dolmetscherin die wesentlichsten Dienste leistete. In Tabasco vernahm man auch die Worte Culhua, womit die gewerbreiche Stadt Cholula[357] westlich von Mexiko bezeichnet wurde, und den Namen Mexiko selbst. Nachdem am Palmsonntag noch in feierlicher Messe die Häuptlinge die Taufe empfangen hatten, segelte Cortes weiter und landete am Charfreitag, 21. April 1519, mit seiner ganzen Macht an der Stelle der heutigen Stadt Vera Cruz; zwei Tage später stattete ihm bereits der aztekische Statthalter einen Besuch ab und erhielt die Mittheilung, daß Cortes von einem mächtigen Herrscher jenseits des Meeres mit Geschenken und einer persönlichen Botschaft an den Fürsten des Landes abgesendet sei und freien Durchmarsch begehre. Die Mexikaner waren geschickte Maler; um seinen Bericht an den Kaiser möglichst anschaulich zu machen über die seltsamen, weißen, dem Meere entstiegenen Fremdlinge, ließ der Gouverneur des Küstenlandes die Spanier abzeichnen. Cortes ließ dies gern geschehen und, um den Eindruck, den sein Erscheinen offenbar hervorrief, noch zu verstärken, mußte die Reiterei und die Artillerie kriegerische Uebungen ausführen, damit auch diese mit abgebildet würden. Dann richtete er sich hinter den Dünen ein festes Lager ein und erwartete die Antwort auf seine Botschaft.

Ehe wir den Verlauf der Verhandlungen weiter verfolgen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Natur des Landes und die Geschichte der Bevölkerung.


KARTE ZU CORTES’ EROBERUNG von MEXICO.

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte: