Pamfilo de Narvaez faßte 1528 die Eroberung dieses Gebietes von neuem ins Auge. Cortes gegenüber hatte er zwar eine empfindliche Schlappe erlitten und in dem nächtlichen Kampf ein Auge verloren; allein sein Unternehmungsgeist erwachte wieder. Sein Name hatte immer noch Klang genug, um Mannschaften, welche das Abenteurerleben nach der neuen Welt hinübergeführt hatte, unter seiner Fahne zu sammeln. Er ging mit 400 Mann und 80 Pferden in vier Schiffen nach dem Hafen Sa. Cruz in Florida, wahrscheinlich an der Tampa-Bai, 28° n. Br., hinüber, landete mit 300 Mann und zog, während die Schiffe an der Küste folgen sollten, parallel dem Meeresstrande nordwärts und ins Innere. Am 26. Juni erreichte er die Indianerstadt Apalachee (der Name haftet vielleicht noch an der Apalacheebai im Norden von Florida), rastete dort fast vier Wochen und zog von da weiter nach Aute. Nachdem sie von hier aus mehrere Tagereisen weite Streifzüge nach Westen unternommen hatten, ohne dabei Gold oder Anzeichen dieses begierig gesuchten Metalles entdeckt zu haben, wandten sie sich der See zu, in der Hoffnung, ihre Schiffe zu finden; aber diese hatten fast ein ganzes Jahr lang an der Küste weiter westlich nach dem ins Binnenland eingedrungenen Heere gesucht und waren dann unverrichteter Sache zum Theil nach Cuba zurückgekehrt. Einige Schiffe gingen unter. Nach langem, vergeblichem Harren, von Krankheiten und Noth bedrängt, mußte man sich entschließen, fünf Böte zu bauen, auf denen man, gegen Westen am Land hinschiffend, endlich zu spanischen Niederlassungen zu kommen hoffte. Die Schar war bereits auf 250 Mann zusammengeschmolzen. Sieben Tage ging die Fahrt am Gestade hin, man kam an der Mündung eines bedeutenden Flusses vorbei. Dann wurden vier Böte bei heftig bewegter See ans Land geworfen, während das fünfte, in dem sich der Capitän Narvaez befand, aufs Meer hinausgetrieben wurde und dort für immer verschwand. Nur ein Theil der Gestrandeten entrann dem Tode im Meer, rettete zwar augenblicklich das Leben, gerieth aber, von einander getrennt und den feindlichen Indianern gegenüber hilflos geworden, in Gefangenschaft, aus welcher nach jahrelanger Drangsal nur vereinzelte befreit wurden. Das merkwürdigste Schicksal hatte Alvar Nuñez Cabeça de Vaca, dessen Boot zunächst an eine flache Küsteninsel trieb, welche den Namen Malhado (Unglücksinsel) erhielt. Von hier rettete er sich aufs Festland, verlor noch mehrere von seinen Begleitern, bis ihm nur noch drei Genossen: Andres Dorantes, Alonso del Castillo Maldonado und ein Mohr, Namens Estebanico erhalten blieben. Es gelang ihnen durch einige glückliche Krankenheilungen das Vertrauen der Indianer zu gewinnen, so daß sie von der Küste sich ins Binnenland retten konnten, wahrscheinlich nach dem Norden Alabama’s. Von da zogen sie gegen Westen, setzten über einen großen Fluß,[416] den Mississippi, gingen über den Arkansas, überschritten den Canadian oberhalb des großen Cañon (vielleicht in derselben Gegend, wo später die Expedition Coronado’s auf dem Marsche nach Quivira ihn berührte) und kam endlich nach langem Umherirren durch das heutige Neumexiko und Arizona nach Culiacan, in der Nähe des californischen Golfes, wo sie endlich im Jahre 1536 anlangten, von Melchior Diaz, welcher in dem seit 1532 von den Spaniern besetzten Gebiete als Befehlshaber stand, aufgenommen wurden und sich unter dem Schutz und der Pflege ihrer Landsleute von ihrer mühseligen Wanderung erholen konnten.

So unglücklich auch der ganze Zug des Narvaez verlaufen war, so fand er doch wenige Jahre, nachdem die geringen Trümmer seiner Schar den Boden Neuspaniens erreicht hatten, einen Nachfolger, der seinen Plan wieder aufnahm, und zwar in Hernando de Soto aus Barcarroto in Estremadura, südlich von Badajoz. Dieser ausgezeichnete Ritter hatte sich in Goldcastilien und Nicaragua hervorgethan, war dann mit Pizarro (s. unten, Cap. 29) nach Peru gezogen, war von diesem zum Generallieutenant (Teniente de Capitan general) erhoben, hatte dann aber, in folge des unerquicklichen Streits zwischen Pizarro und Almagro, das südamerikanische Goldland verlassen und war nach Spanien zurückgekehrt.

Sobald er dort mit dem Plane hervortrat, eine Expedition nach Florida zu unternehmen, lockte der glänzende Ruf seines ritterlichen Charakters so viele tüchtige Kräfte, selbst zahlreiche Hijosdalgo und Priester herbei, daß er sich bald an der Spitze eines Heeres von tausend Mann sah. Mit ihnen ging er am 6. April 1538 auf zehn Schiffen von San Lucar nach Cuba ab, vervollständigte in Habana seine Ausrüstung und landete am 31. Mai 1539 mit 900 Soldaten und 350 Pferden in der Bai von Espiritu santo auf Florida. Zufällig trafen seine Begleiter einen Landsmann, Juan Ortiz, welcher, durch die Frau des Caziken gerettet, allein von dem Heere des Narvaez noch am Leben war. Aber über das Land vermochte er nur wenig Auskunft zu geben, er hatte nur gehört, daß das Binnenland wegen seiner Fruchtbarkeit sehr gerühmt werde. Indes konnte Ortiz doch als Dolmetscher sehr nützlich werden.

Nachdem Soto zur Bewachung der Schiffe 40 Mann zu Pferde und 80 Mann zu Fuß zurückgelassen hatte, zog er mit seinen Truppen gegen Nordnordwesten ins Innere des Landes. Man stieß auf Ortschaften mit mehr als 600 Hütten, mußte auf rasch geschlagenen Brücken sich den Weg über Flüsse und Sümpfe bahnen und hatte mehrfach feindselige Begegnungen mit den Indianern, welche verpallisadirte Hügel besetzt hielten. An die Flotte ging der Befehl zurück, zunächst nach Apalachee zu segeln und von da aus 100 Meilen gegen Westen alle Buchten und Häfen sorgfältig aufzunehmen. Soto bezog seine Winterquartiere in der Landschaft Apalachee, wo man Lebensmittel genug fand. Im Frühjahr 1540 rückte er gegen Norden; seinen Truppen schickte er stets gewandte Botschafter voraus, welche von den Eingebornen nur friedlichen Durchzug zu fordern hatten. Einer der Häuptlinge, durch dessen Gebiet man zog, der Cazike von Cofachi (Cofaqui), führte als Waffe ein mächtiges, zweihändiges Holzschwert. Wiederum ging es über große und kleine Flüsse nordwärts und nordostwärts. Als man an den Xuala gelangte, hielten die Seeleute, welche an dem Zuge theilnahmen, denselben für den nämlichen, dessen Mündung an der Ostküste Ayllon mit dem Namen Santa Elena belegt hatte,[417] weiter nordwärts kam man in die Nähe von Kupferminen.[418] Dann scheint der Marsch mitten durch Alabama nach Westen gegangen zu sein. In der dichtbewohnten, fruchtbaren Landschaft Coça (Cossa) machten sie eine zwölftägige Rast und rückten weiter nach dem befestigten Talisse im Gebiete des Tascaluço. Dieser Häuptling war ein Riese von Gestalt. Er erbot sich, das spanische Heer eine Zeitlang zu begleiten, und bat deshalb um ein Pferd. Soto gab ihm eines von seinen Lastpferden. Als er darauf saß, reichten seine Füße fast bis auf die Erde.[419] Tascaluço führte seine Gäste verrätherischer Weise zu einer starken indianischen Festung, Mavila (Mobile), um sie dort zu überfallen. In den 80 casernenartig großen Häusern der Festung sollen sich je 1000 Krieger befunden haben. Die Spanier waren arglos in den Ort eingerückt, zogen sich aber, als sie die drohende Gefahr bemerkten, zurück und griffen von außen die Pallisadenverschanzung an, schlugen die Holzpforten mit Beilen ein und legten Feuer an die Häuser. Soto wurde im Kampfe verwundet, blieb aber im Gefecht, um seine Leute nicht zu entmuthigen. Selbst die indianischen Weiber nahmen am Kampfe theil; als aber das Feuer mehr um sich griff, sprangen die Vertheidiger von den Wällen herab und suchten sich durch die Flucht zu retten. Der Kampf dauerte neun Stunden. Die Spanier verloren 83 Mann, theils im Gefecht, theils an den Wunden, da es an jeglicher Pflege fehlte. Dazu büßte man 45 Pferde ein. Der Verlust, den die Indianer erlitten, wird auf 11,000 Mann angegeben. Mehr als 3000 Todte zählte man in den Straßen der Festung, über 4000 sollen im Feuer umgekommen sein. Den Körper des Verräthers Tascaluço fand man nicht, man nahm für gewiß an, daß er den verdienten Tod in den Flammen gefunden habe und mit verbrannt sei.

Der bedeutende Verlust, den die Spanier erlitten hatten, machte sie muthlos. Da man kein Gold fand und überall von einer feindseligen Bevölkerung bedroht war, wollte man lieber heimkehren. Soto aber wollte seinen Feldzugsplan noch nicht aufgeben, er gönnte seinen Truppen eine vierzehntägige Rast und zog dann weiter ins Land der Chikasa. Am Grenzflusse wehrten ihm die Indianer den Uebergang, aber Soto ließ zwei große Böte bauen, bemannte sie mit je 40 Schützen und 10 Reitern, ging in der Morgendämmerung über das Wasser und vertrieb die Gegner, so daß der Haupttheil seines Heeres unbelästigt folgen konnte. In dem Hauptorte der Landschaft, welchen man in vier Tagen erreichte und welcher in günstiger Lage, reichlich mit Vorräthen versehen, sich für einen längern Aufenthalt eignete, schlugen die Spanier wieder ihre Winterquartiere auf; aber allzu sorglos hatten sie versäumt, Wachen auszustellen. So wurden sie im Spätherbste von den Indianern bei Nacht überrumpelt, welche ihnen die Strohdächer der Hütten über dem Kopfe anzündeten. Soto, welcher stets in Waffen schlief, war zuerst auf dem Platze; aber er verlor in dem nächtlichen Kampfe wiederum 40 Soldaten und büßte 50 Pferde ein, von denen 20 verbrannten. Man mußte die Quartiere eine Meile weiter nach dem auch für die Pferde sichereren Orte Chicacolla verlegen. Wenn auch hier unablässig von den Eingebornen beunruhigt, behauptete sich Soto doch bis Ende März. Unter steten Kämpfen zog er weiter, bald nach Südwesten, bald nach Westen. Sein Marsch ging, wie es scheint, über den oberen Alabama und am mittleren Tennessee hinab, welcher an Größe dem Guadalquibir bei Sevilla glich, und führte ihn endlich an den Mississippi. In Verbindung mit einem Caziken machte das Heer, welches bereits auf die Hälfte zusammengeschmolzen war, einen Kriegszug auf 80 Canoes den Strom hinab gegen einen feindlichen Nachbarn, dessen Hauptstadt erobert und vernichtet wurde. In diesen Kämpfen wird auch zuerst der blutigen Sitte der Indianer, Skalpe zu erbeuten, Erwähnung gethan. Dann ging Soto über den Strom, fand auch jenseits noch fruchtbares Land und zahlreiche Ortschaften. Aber in der Landschaft Quigualtangui wurde der Feldherr, welcher bisher unermüdlich ausgeharrt hatte, vom Fieber ergriffen und starb am 21. Mai 1541 in seinem 42. Jahre. Auf seinem Sterbelager hatte er in Gegenwart sämmtlicher Hauptleute den Luis de Moscoso de Alvarado zu seinem Nachfolger ernannt.

Soto war sehr beliebt gewesen bei seinen Soldaten, mit denen er alle Mühseligkeiten ertragen hatte. Er wurde bei Nacht bestattet, damit die Kunde seines Todes sich unter den Indianern nicht verbreite. Der Sarg wurde in einen 19 Ellen tiefen Seitencanal des Stromes versenkt.

Am 5. Juli rückten die Truppen in großen Tagemärschen nach Westen, 100 Meilen weit durch unfruchtbares Steppenland, dann durch Wüsteneien, in denen sich selbst die indianischen Führer verirrten. Da die Lebensmittel ausgingen und der neue Heerführer die ermatteten Soldaten nicht der äußersten Gefahr in den menschenleeren Wildnissen aussetzen wollte, so ordnete er im Angesicht der hohen Gebirge (man hatte also den östlichen Fuß der Felsengebirge erreicht) den Rückzug an, um den großen Strom wieder zu erreichen. Viele Soldaten fielen auf dem Marsche, der Winter kam heran, die Lebensmittel mußten mit Blut erkämpft werden. In den Niederungen des Mississippi mußten sie mehreremale, weil sie nachts keine geeigneten Lagerplätze fanden, die Reiter zu Pferde bleibend, die übrigen Soldaten, bis an die Knie im Wasser stehend, den Morgen erwarten. Barfuß und in Thierfelle gehüllt, — denn die europäische Kleidung war zerfetzt und zerfallen, — erreichten die Trümmer des Heeres im Winter, Ende November, den großen Strom wieder, etwa 16 Meilen oberhalb der Stelle, wo sie ihn im Sommer überschritten hatten. Man setzte sich an einem von tiefen Wassergräben umzogenen Orte mit Gewalt fest und behauptete sich dort für den Winter. Eine Musterung ergab nur noch 320 Mann Infanterie und 70 Pferde; aber in folge der entsetzlichen Strapazen starben während des Winters noch manche, unter ihnen auch Juan Ortiz, dem es nicht vergönnt sein sollte, nachdem er so vielen Gefahren und jahrelangen Mühen entronnen war, die Heimat wieder zu sehen. Von einem benachbarten Häuptlinge mit Lebensmitteln und Decken versorgt, brachte man so den letzten traurigen Winter zu, nur noch belebt durch die Hoffnung, auf dem Wasserwege ans Meer und wieder zu spanischen Colonien zurückgelangen zu können. Im März und April bauten sie sieben feste Böte, welche vorn und hinten gedeckt waren. Aber die gewaltigen Frühjahrsfluten des Riesenstromes verzögerten noch wochenlang die Abfahrt. Das Wasser begann am 10. März zu steigen und überschwemmte vom 20. April an das ganze, weite Flußthal, so daß noch am 20. Mai die Straßen des Ortes nicht gangbar waren. Erst am Johannistage waren die Böte mit Vorräthen hinlänglich versorgt, und in den letzten Tagen des Juni konnte man sich einschiffen. In jedem Boote befanden sich etwa fünfzig Spanier und vier Indianer (Männer und Weiber), welche freiwillig die Fahrt mitmachten. Die Vorbereitungen waren den südlichen Anwohnern des Stromes nicht entgangen, sie beschlossen den Fremden den Durchzug zu wehren. Mit 1000 Kriegscanoes, darunter manche mit 25 Rudern an jeder Seite, versperrten sie den Spaniern die Wasserstraße. Die Krieger waren meist schwarz und blau bemalt, und die Canoes trugen die entsprechende Farbe. Die spanischen Böte mußten sich mitten durch die übermächtige feindliche Flotte den Weg bahnen, Verfolgung und Kampf dauerte zehn Tage lang, wobei mancher Spanier noch das Leben einbüßte. Dann erst konnten sie ungehemmt weiter segeln. Der Strom wurde so breit, daß man von der Mitte aus kaum die niedrigen Ufer sehen konnte. Am 19. Tage der Fahrt erreichten sie das Meer und beschlossen nun, ohne Compaß und ohne Karten, am Gestade nach Westen steuernd, zu versuchen, ob sie Neuspanien fänden. Einen Tag lang war das Meer von den Fluten des Mississippi noch mit süßem Wasser bedeckt. Dreiundfünfzig Tage segelten sie am Lande hin, ergänzten ihre Vorräthe durch ergiebigen Fischfang und nahmen von Zeit zu Zeit an der Küste frisches Wasser ein. Gegen das Ende der im allgemeinen äußerst günstigen Fahrt wurde die Flottille von Sturm und heftigen Regengüssen überfallen, welche die Böte zu füllen und zu versenken drohten. Ohne Schlaf und Speise mußten die Seefahrer 26 Stunden bei ununterbrochner Arbeit ausharren, ehe es ihnen gelang, einen Landungsplatz zu finden. Da sie hofften, nun endlich bald in das Gebiet von Neuspanien zu gelangen, so verließen sie ihre Schiffe und marschirten am Strande gegen Süden. Nach einer Wanderung von 13 oder 14 Meilen war die ganze Schar von Entbehrungen und Hunger so erschöpft, daß man sich lagern mußte. Fast am Ziel und doch, wie es schien, noch dem Untergange geweiht. Da erbot sich Gonzalo Quadrado Xaramillo mit noch einem Genossen, nur mit Schwert und Schild bewaffnet, barfuß, nachts die Gegend zu durchstreifen, während die übrigen sich der Ruhe hingaben. Bald traf er Indianer an, von denen er erfuhr, daß sie nicht fern von Panuco, also bereits auf neuspanischem Boden sich befänden. Der Gouverneur nahm die halbnackten, in Thierfelle gekleideten Landsleute, welche mit ihren verwilderten Bärten mehr den Wilden als civilisirten Menschen glichen, freundlich auf und schickte eine Botschaft an den Vicekönig Mendoza, welcher sie sofort mit allem Bedarf an Kleidung, Lebensmitteln und Arznei versehen ließ.

Manche von den Abenteurern kehrten nach Spanien zurück, für immer von ihrem Entdeckungsfieber geheilt, andere blieben in Mexiko, wieder andere ließen sich für Peru anwerben, einzelne traten in einen geistlichen Orden ein. So lösten sich die Trümmer des stattlichen Heeres, welches Soto einst hinausgeführt hatte, wieder auf und trugen durch ihre abschreckenden Berichte dazu bei, daß das Mississippigebiet nicht wieder zum Ziel spanischer Eroberungsgelüste ausersehen wurde.

27. Coronado’s Feldzug nach Cibola und Quivira.

Nach der Eroberung Mexiko’s blieben die Blicke noch jahrzehntelang auf das unbekannte Gebirgsland im Norden gerichtet. Die Fahrten, welche im westlichen Meere schon von Cortes selbst angeregt waren, hatten eine unendlich weite Erstreckung des Festlandes mit bedeutenden Gebirgszügen im Norden nachgewiesen. Im Binnenlande rückte man in die öderen Striche des neuspanischen Vicekönigreichs nur langsam nach Norden vor. Es bedurfte besonderer, lockender Aussichten, um die dort beginnenden Wüsteneien zu durchbrechen. Der Präsident des königlichen Gerichtshofes in Mexiko, welcher von 1528–31 die Civilverwaltung des reichen Pflanzlandes leitete, Nuño de Guzman, hatte schon im Jahre 1530 von einem Indianer Mittheilungen erhalten über ein im Norden liegendes Land Tejos (Texas?), wo er sieben Städte wollte besucht haben, jede so groß wie Mexiko, in denen ganze Straßen mit Juwelierläden besetzt seien. Der Weg dahin führe 40 Tage durch eine Wüste. Guzman beschloß mit 400 Spaniern und 2000 Indianern sich dahin einen Weg zu bahnen; aber er fand, indem er sich vornehmlich an den westlichen Terrassen des Hochlandes nordwärts bewegte, schon in Culiacan, südlich von 25° n. Br., so bedeutende Schwierigkeiten, daß er von seiner Unternehmung abstand und sich dabei begnügte, Culiacan zu colonisiren. Dieser Ort bildete in der Folgezeit den Ausgangspunkt mehrerer Expeditionen in die nördlichen Regionen. Die Fabel von den goldreichen Städten tauchte 1536 von neuem auf, als die letzten Ueberbleibsel der Expedition des verunglückten Narvaez, Nuñez Cabeça, Dorantes, Maldonado und der Mohr Estebanico sich nach Neuspanien zurückgefunden hatten. Sie behaupteten, es gäbe im Norden Städte, deren Häuser sechs bis sieben Stockwerke hätten, und die Thürgewände seien mit kostbaren Steinen geschmückt.